Interview: Stadtcowboys lieben die Nacht

Interview: Stadtcowboys lieben die Nacht

The BossHoss haben gerade das neue Album „Black is beautiful“ veröffentlicht und waren zu Gast in Köln.

Was hat es mit dem Titel des Albums auf sich, was macht die Farbe Schwarz so wunderbar?

Alec: Die Nacht hat uns als Band viel beschert. Nachts gab es unsere ersten Gehversuche als Musiker, nachts sind Freundschaften entstanden, nachts stehen wir auf der Bühne, feiern die Aftershow-Partys und sind mit dem Tourbus unterwegs. Die Nacht hat uns Glück gebracht, es ist die Zeit, in der unser Leben ganz maßgeblich stattfindet.

Sascha: Und Schwarz ist die Farbe des Rock ‚n‘ Rolls, der ja bekanntlich auch weniger am Vormittag als in der Nacht stattfindet. Es ist eine mystische, verruchte und auch verrückte Zeit. Es ist die Zeit für urbane Cowboys, wie wir es sind. Wenn die Sonne untergeht, beginnt die Zeit von BossHoss. 

Wie kam die Idee zum Image als Cowboys?

Alec: Die Idee ist bei uns aus einer Bierlaune entstanden. Wir wollten einfach Countrysongs covern. Das war etwas, das wir aus reinem Spaß machen wollten. Dass daraus das entsteht, was es heute ist, daran hätte wir nicht geglaubt. Es ging dabei um unsere Vorstellung von Country, die sehr nahe beim Rock ‚n‘ Roll liegt.

Sascha: Und da gehörten einfach Stiefel und Cowboy-Hüte dazu. Wir wollten das richtig durchziehen. Das hatte aber nichts mit dem Klischee vom Marlboro-Mann zu tun und wir hatten als Kuhjungen auch nie das Vieh auf der Weide stehen. 

Wie viele Stiefel und Hüte besitzen Sie inzwischen?

Sascha: Das kann man schwer beziffern. In der Regel tragen wir die Sachen, bis sie auseinanderfallen. Manchmal verschenken wir die Sachen auch an Fans. Meine ersten Boots habe ich auf jeden Fall noch, die gebe ich auch nicht her. 

Wie sieht der Berliner Großstadt-Cowboy heute aus?

Alec: Er schwingt auf jeden Fall kein Lasso und ist mit dem Pferd unterwegs. Da ist mir die Harley schon lieber. Es geht uns um die Selbstbestimmtheit und die Freiheitsliebe der Cowboys, aber auch um den amerikanischen Lebensstil und den American Dream. 

Der wird vom derzeitigen amerikanischen Präsidenten Donald Trump aber massiv mit Füßen getreten.

Alec: Es ist wirklich bitter, was zur Zeit in den USA abgeht. Gerade das Land, das für Freiheit und für Einwanderung steht, verliert diese guten Eigenschaften dank seines Präsidenten immer mehr. Trump besudelt diese Werte. Das ist wirklich sehr schade für einen Vorzeigestaat in Sachen Demokratie. Aber wir sind uns ganz sicher, dass Amerika Trump überleben und zu seinen alten Werten zurückkehren wird. 

Berlin ist ihre Heimat.

Alec: Ja, an dieser Stadt hängt unser Herz. Es ist die wohl kreativste Stadt, die es derzeit in Deutschland gibt. Und es sind viele, ganz unterschiedliche Städte, die sich in einer Großstadt vereinigt haben. Da gibt es Kreuzberg, den Brenzlauer Berg, den Wedding und die Mitte – überall findet sich ein ganz eigener Kosmos. Es ist toll, welche kulturelle Vielfalt es in Berlin gibt. Das ist eine Stadt in ständigem Umbruch, die nie fertig wird – ein echter kreativer Schmelztiegel. 

Wie ist Ihre Beziehung zu Köln?

Alec: In der Stadt sind wir seit Anfang an zu Hause. Im Gloria hatten wir eines unserer ersten kleinen Konzerte. Und die Arena ist wohl die größte Halle, in der wir bislang gespielt haben. Wir schätzen aber auch das Palladium und das E-Werk sehr, und freuen uns immer wieder auf Konzerte in NRW, wie jetzt im April in der Oberhausener Arena, da sind wir schon zum vierten Mal. Für uns als Band ist das hier eine ganz starke Region – das ist das BossHoss-Country. 

Was erwartet das Publikum in Oberhausen?

Sascha: Eine wirklich fette Show, nach zweieinhalb Jahren Bühnenpause haben wir wieder so richtig Bock live zu spielen. Und wir bringen viele frische Songs mit.

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