Lesen : Spannender Lesestoff rund um Köln

Für die Feiertage gibt es viele neue Buchtitel für die eigene Lektüre oder als Geschenktipps für Freunde und die Familie.

Gerade jetzt wo es draußen ungemütlich und kalt ist, bietet sich die Buchlektüre im warmen Zuhause an. Ob Geschichte, Musik, Politik oder Freizeittipps – bei den neuen Köln-Büchern gibt es aktuell eine große Auswahl. Wir haben für unsere Leser einige Titel zusammen gestellt.

Heiko Schon: Jacques Offenbach – Meister des Vergnügens, Regionalia, 218 Seiten, 14.95 Euro: Im kommenden Jahr hätte der Komponist seinen 200. Geburtstag feiern können. In Köln geboren und von dort mit 14 Jahren nach Paris gezogen, feierte Jacques Offenbach mit seinen Kompositionen große Erfolge. Seiner Geburtsstadt blieb er treu und reise oft nach Köln, wo heute der Platz an der Oper nach ihm benannt ist und wo das Grab seines Vaters Isaac auf dem Jüdischen Friedhof in Deutz liegt. In seinem Buch zeigt Autor Heiko Schon, dass Offenbach als gebürtiger Kölner nicht nur ein Meister der Musik, sondern auch ein Meister des Vergnügens war. In dem geistreich-unterhaltsam verfassten Werk blicht Schon auf Aspekte wie Offenbach und die Frauen, die Travestie, den Schwips oder auf den Wahnsinn der Beine. Der Komponist wird als kölscher Jeck genauso unter die Lupe genommen wie als Salonlöwe. Es wird nach Spuren gesucht, die Offenbach am Rhein hinterlassen hat und es geht um die großen Freuden und kleinen Sünden des Musikgenies, der 2019 in seiner Stadt mit einem großen Programm gefeiert wird. Damit soll auch das Bewusstsein der Kölner für den großen Sohn der Stadt wieder deutlich gestärkt werden. Fazit: Die optimale Vorbereitung auf dieses ereignisreiche Jahr bietet das vorliegende Buch für Kenner genauso wie für Einsteiger.

Steffi Machnik: Kölnpfad – der Kölner Rundwanderweg, Bachem, 240 Seiten, 14.95 Euro: Einmal Köln umkreisen – in elf Etappen führt der Kölnpfad auf 171 Kilometern um die Metropole am Rhein. Zum zehnjährigen Bestehen des Wanderwegs ist gerade in der vierten Auflage der Freizeitführer zum Rundweg erschienen. Entwickelt wurde dieser vom Kölner Eifelverein, dem Herausgeber des Buches. Er führt durch Wälder, Wiesen und Felder, er durchquert die Stadtrandgebiete mit quirligen städtischen Abschnitten und ländlicher Idylle. Autorin Steffi Machnik und der Wanderexperte Manuel Andrack erzählen Geschichte und Geschichten. Die einzelnen Etappen variieren zwischen neun und 22 Kilometern. So geht es von Rodenkirchen nach Klettenberg oder von Merkenich nach Mülheim. Von Schlebusch führt der Weg nach Thielenbruch. Bei der Etappe von Bensberg nach Wahn wird der königliche Forst genauso durchstreift wie ein Stück der Wahner Heide. Zu jeder Etappe gibt es Kartenmaterial, Angaben zur Wegbeschaffenheit, dem Schwierigkeitsgrad und zu Einkehrmöglichkeiten. Fazit: Dieser Freizeitführer eignet sich für Kölner genauso wie für Köln-Besucher – er enthält ein spannendes Stück Rheinland.

Richard Bessel: Lee Miller – Deutschland 1945, Greven, 142 Seiten, 25 Euro: „Dies ist Deutschland, und es ist Frühling“, schrieb die amerikanische Fotoreporterin Lee Miller, als sie 1945 mit den US-Truppen ins Rheinland vorrückte. In den darauffolgenden Wochen hielt sie mit ihrer Kamera dort den Einmarsch der Amerikaner, die Zerstörungen und den Alltag der Deutschen in den ersten Tagen der Besatzung fest. Die Fotografin dokumentierte in ihrer Arbeit die Schrecken des Naziregimes, indem sie vom Rheinland aus in die KZ von Buchenwald und Dachau reiste. In einem gerade erschienenen Bildband sind 160 ihrer einzigartigen Aufnahmen vereint. Präsentiert werden diese von dem angloamerikanischen Historiker Richard Bessel, einem ausgewiesenen Kenner Nazi-Deutschlands. Es sind Bilder, die erschrecken, wie das eines getöteten jugendlichen Flakhelfers in Köln oder die Leichen von KZ-Häftlingen. Zu sehen ist auch die zerstörte Hohenzollernbrücke in Köln und der Blick auf die Schäden im Langhaus des Doms. Fazit: Es ist ein Bildband, der mahnt die Vergangenheit nicht zu vergessen und der Einblicke in eine Welt direkt nach dem Weltkrieg gibt.

Thomas Mergel: Köln im Kaiserreich 1871-1918, Greven, 570 Seiten, 60 Euro. Die Buchreihe „Geschichte der Stadt Köln“ aus den Greven-Verlag ist um einen Band reicher geworden. Der Historiker Thomas Mergel beleuchtet in seinem jetzt vorliegenden Band die Zeit im Kaiserreich, die in vielerlei Hinsicht eine besondere Geschichtsetappe für die Stadt am Rhein war. Nie zuvor und nie danach ist Köln so schnell gewachsen wie in den 33 Jahren zwischen der Niederlegung der Stadtmauer 1881 und dem Beginn des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914. In dieser Phase verfünffachte sich die Einwohnerzahl und die Fläche Kölns vergrößerte sich um das 50-zigfache. Das hatte auch Auswirkungen auf den Alltag der Menschen am Rhein: Wasserleitungen ersetzten die alten Brunnen, Gaslaternen erhellten die Nacht, Pferde machten in den Straßen den Straßenbahnen Platz und große Kinos fanden in Köln ihre begeisterten Besucher. Mehrere 100.000 Zuwanderer kamen im Rahmen der Urbanisierung nach Köln und aus den Bauerndörfern von einst wurden plötzlich neue Industriegebiete. Ganz neue Viertel entstanden damals in der Stadt. Trotzdem hielten sich alte Traditionen und gewannen für die Zeit des Umbruchs sogar noch an Bedeutung. Das galt für die Kirchen genauso wie für den Karneval. Viele Entwicklungen von damals haben ihre Bedeutung bis heute. Fazit: Ein eindrucksvolles Stück Kölner Stadtgeschichte.

Miltadis Oulios: Köln kosmopolitisch – wie wir unsere Kultur neu erfinden, Greven-Verlag, 288 Seiten, 15 Euro: Den Wandel im Blick hat auch ein weiteres Buch aus dem Greven Verlag – allerdings aus einer ganz anderen Perspektive. Köln ist eine kosmopolitische Stadt, die viele Kulturen, Nationalitäten, Alltaggebräuche und Freizeitgewohnheiten vereint. Das Buch von Miltadis Oulios lädt dazu ein, die Stadt unter diesem kosmopolitischen Blickwinkel neu kennenzulernen. Denn Köln ist für den Autor deutlich mehr als Karneval, Dom und eine Silvesternacht, die für Schlagzeilen gesorgt hat. Es geht um das Potenzial, das Köln als Stadt durch die zugewanderten Menschen als allen Teilen der Erde bekommen hat und das oft genug noch brach liegt. Der Autor zieht Bilanz, er benennt Erfolge und kritisiert die Diskrepanz zwischen Image und Realität. Er macht zudem Vorschläge für eine kosmopolitische Kulturpolitik des 21. Jahrhunderts – eine wichtige Debatte gerade in Zeiten rechtspopulistischer Wahlerfolge. Fazit: Ein Buch, das gerade jetzt zur Pflichtlektüre gehören sollte.

Robert Becker: Die Kölner Regierungspräsidenten im Nationalsozialismus – zum Versagen von Vertretern einer Funktionselite, Böhlau, 420 Seiten, 65 Euro: Es sind drei Biografien, die aufhorchen lassen. Es handelt sich um die Kölner Regierungspräsidenten – Rudolf von Bonsen, Rudolf Diels und Eggert Reeder – die in der NS-Zeit an der Spitze der Bezirksregierung standen. Ihr Weg von der Weimarer Republik bis zum NS-Terror wird in den einzelnen Stationen geschildert. Es wird aber auch gezeigt, was aus der Verwaltungselite nach der NS-Zeit geworden ist. Diese Einblicke gibt Robert Becker, der bei der Bezirksregierung in Köln unter anderem als Abteilungsleiter tätig war. „Man kann die lange Geschichte der Regierungspräsidenten nicht losgelöst von dieser schrecklichen Zeit sehen, die umfassend aufgearbeitet werden muss. Beamte haben in dieser Zeit Schuld auf sich genommen und Menschen großes Leid angetan, dazu gehören insbesondere die Regierungspräsidenten als verantwortliche Behördenleiter“, sagt die aktuelle Regierungspräsidentin Gisela Walsken. „Es waren ganz unterschiedliche drei Charaktere. Sie stehen für die Gesellschaft bei der Durchsetzung des Nationalsozialismus“, sagt Ulrich S. Soénius vom Herausgeber, dem Kölnischen Geschichtsvereins. „Für mich war das eine schwere Erinnerungslast, sie hat mich dazu gebracht, dieses Buch zu schreiben“, betont Autor Robert Becker. Fazit: Ein Buch mit so spannenden wie erschreckenden Einblicken hinter die Kulissen einer Behörde und ihrer Führungselite in der NS-Zeit.

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