Geschichte Spannender Blick auf das alte und das neue Köln

Köln · Gravierende Veränderungen im Stadtbild bestimmen die Entwicklung Kölns. Gerade in den vergangenen gut 100 Jahren hat sich in der Domstadt viel getan. Dabei waren es nicht nur die großen Kriege, die das Erscheinungsbild umgekrempelt haben.

Blick auf den Hauptbahnhof im Jahr 1895.

Blick auf den Hauptbahnhof im Jahr 1895.

Foto: Stadt Köln/Historisches Archiv

Auch der Geschmack der Zeit, die Entwicklung der Bevölkerungszahlen, die Industrialisierung und der technische Fortschritt haben aus Köln an vielen Stellen eine andere Stadt gemacht. Insgesamt 111 Orte hat sich Tobias Christ herausgesucht, um die Gegenwart mit der Vergangenheit in Bild und Text zu vergleichen. Manche Orte sind kaum wiederzuerkennen, bei Plätzen und Straßen hat sich erstaunlich wenig verändert. In den Texten kommen werden zudem viele spannende Geheimnisse der Stadtgeschichte zutage gefördert.

Der Blick fällt beispielsweise auf die Aachener Straße mit dem Hahnentor im Hintergrund. Während heute Autos und die Stadtbahnen die Hauptverkehrsader bestimmen, ging es im Jahr 1910 noch idyllisch zu: schick gekleidete Menschen flanieren auf breiten Gehwegen, während auf der Straße nur einige wenige Pferdefuhrwerke und Radfahrer zu sehen sind.

Zu den Plätzen, die ihr Aussehen komplett verändert haben, zählt der Rudolfplatz. Dort ist die prächtige, 1902 eröffnete Oper mit ihren 1800 Plätzen komplett verschwunden. Sie wurde Anfang der 60er Jahre durch eines der ersten Kölner Hochhäuser ersetzt, in dem heute das Steigenberger Hotel residiert.

Groß waren die Veränderungen auch am Dom, wie eine Aufnahme aus dem Jahr 1930 mit Blick auf das Hauptportal zeigt. Den größten Anteil hat daran die in den 1950er Jahren vollendete Domplatte, welche die Straßenbahnen direkt vor dem Dom unter die Erde verbannte. Ein komplett neues Gesicht hat der benachbarte Kölner Hauptbahnhof bekommen, von dessen alten Glanz heute nur noch die große Bahnsteighalle und der Alte Wartesaal zeugen. Das prächtige Vorgebäude im Stil der Neorenaissance hatte zwar den Zweiten Weltkrieg überstanden, fiel aber dem modernen Geschmack der 50er Jahre zum Opfer.

Ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für die Bahnen und Autos war stets der Ebertplatz, der Ende des 19. Jahrhunderts als üppig begrünter nördlicher Endpunkt der Ringstraße angelegt worden war. Regelmäßig wechselte dieser Ort seinen Namen vom „Deutschen Platz“ über den „Platz der Republik“ und dem „Adolf-Hitler-Platz“ bis zum heutigen „Ebertplatz“.

Schon früh gab es in Köln Versuche, moderne öffentliche Verkehrsmittel zu entwickeln. Dazu zählte in den 50er Jahren die „Alweg-Bahn“ - eine Einschienen-Hochbahn, die von leisen Elektromotoren angetrieben wurde. In der Fühlinger Heide gab es eine 1,8 Kilometer lange Versuchsstrecke. Durchsetzen konnte sich der „Transrapid der 50er Jahre“ aber nicht und so eroberte sich die Natur das Gelände im Kölner Norden zurück.

Zu den Orten, an denen sich auf den ersten Blick nur wenig verändert hat, zählen das Dreikönigenpförtchen und seine Nachbargebäude an der romanischen Kirche St. Maria im Kapitol oder das Hansa-Hochhaus und das alte Stadtarchiv an St. Gereon. Ihren alten Glanz zurückerhalten hat die Kölner Flora, nach ihrem großen Umbau vor einigen Jahren, wie der Vergleich zweier Aufnahmen von 1905 und heute zeigt.

Es finden sich auch ungewöhnliche Kapitel der Stadtgeschichte: So machten 1969 nicht die Pferde, sondern acht Kamele Werbung für die Galopprennbahn in Wiedenpesch. Dafür wurden die Tiere extra auch Marokko eingeflogen. Heute weitgehend in Vergessenheit geraten sind auch einige weitere besondere Kapitel der Verkehrsgeschichte: Das gilt beispielsweise für Heliport im Grüngürtel, der in den 1960er Jahren verschwand. Nicht mehr existent ist seit den 1920er Jahren auch die große Luftschiffhalle in Bickendorf, wo Zeppeline als Kriegsmaschinen eingesetzt werden sollten.

Tobias Christ: 111 Mal Köln früher und heute, Emons Verlag, 232 Seiten, 30 Euro

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