Interview : Schlagabtausch am Sommerabend

Sabine Kaack steht noch bis zum 14. Juli bei der Komödie von Gabriel Barylli auf der Bühne im Theater am Dom.

Worum geht es bei dem Stück?

Sabine Kaack: „Sommerabend“ ist ein klassisches Ehedrama – zentral ist dabei die Respektlosigkeit im Umgang miteinander. Im Stück treffen sich zwei Ehepaare, deren Kinder heiraten möchten.
Die Kinder kommen zu spät zum Treffen, die Paare lernen sich kennen und trinken gemeinsam Champagner. Beim Kennenlernen kommen plötzlich zwischenmenschliche Wahrheiten ans Licht und Bösartigkeiten werden zwischen den Paaren und den Partnern ausgetauscht. Es zeigen sich dabei mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten, was die Vorstellungen von Ehe, Familie und Werten betrifft.
Aus einem netten Abend wird ein emotionaler Schlagabtausch, bei dem die Fassade mehr und mehr bröckelt, bevor schließlich die Hochzeit der Kinder komplett in Frage gestellt wird. Als dann das verliebte Brautpaar eintrifft, beginnt ein Spiel der Scheinheiligkeit, um die Hochzeit noch zu verhindern. Doch das verliebte Paar lässt sich das so nicht gefallen. Die Jungen wollen nicht so wie die Eltern und werden im Stück zur moralischen Instanz.

Welche Rolle spielen Sie?

Kaack: Ich spiele die Anna, Frau eines Herzchirurgen. Ihre Tochter ist Marie, die ihren Martin heiraten möchte. Anna ist eine gut situierte Ehefrau und Mutter, die für ihre Familie ihre eigene Karriere als Ärztin aufgegeben hat. Ihr Mann ist ein großkotziger Egomane, der keinerlei Rücksicht nimmt und nur sich selbst kennt. Er nimmt sich in seiner Ehe alles heraus. Anna lässt sich alles von ihm gefallen, bis es am Sommerabend zur großen emotionalen Explosion kommt. Doch in der Eskalation zeigt sich auch die Lösung für das Paar. Die funktioniert nur dann, wenn beide Partner dies auch wirklich wollen. Ihre Wege sind inzwischen so ausgetreten, dass man sie kaum noch gemeinsam begehen kann. Aber wo ein echter Wille ist, gibt es auch einen Weg.

Was macht für Sie den Reiz dieser Rolle aus?

Kaack: Ich darf einfach alles auf der Bühne ausprobieren und kann dabei zeigen, was ich mir vorstellen kann. Es ist wie ein Blumenstrauß mit allen möglichen Gefühlen. Die Emotionen sind so groß und reichen von Frustration, Eifersucht, Unterdrückung bis zur Zärtlichkeit. So ein Spektrum der Gefühle ist für eine Schauspielerin einfach großartig – ein gefundenes Fressen.

Haben Sie auch schon einmal solche extremen Erfahrungen gemacht?

Kaack: Natürlich begegnet einem so etwas immer wieder. Es gibt Beziehungen und Ehen, die dürften so eigentlich gar nicht mehr existieren. Unterdrückung und Machtspiele kennzeichnen eine schlechte Ehe.

Was wäre für Sie persönlich der perfekte Sommerabend?

Kaack: Ein Grillabend mit einem schönen Steak, Spareribs und Kartoffelsalat mit Speck, ein schönes Pils oder ein kühler Wein – dazu kommen spannende Leute mit guten Gesprächen und viel Spaß.

Wie gut kennen Sie das Theater am Dom?

Kaack: Ich bin zum ersten Mal und freue mich auf eine aufregende Spielzeit. Zu Köln und dem Rheinland habe ich aber schöne Erinnerungen: Ich habe hier aber Ende der 80er Jahre mit Willy Millowitsch in dem Fernsehkrimi „Kommissar Klefisch“ gespielt. Das war eine meiner besten Rollen bislang. Dazu kamen „Die Camper“, die in Köln gedreht wurden. Da gehörte ich zur ersten Besetzung. Meine Mutter lebt in Hilden unweit von Düsseldorf, das ist eine weitere Beziehung zum Rheinland.

Wie haben Sie Köln bislang erfahren?

Kaack: Anfangs war das ein Kulturschock, ich wohne mitten in der Stadt, wo alles ziemlich eng ist. Das bin ich im Norden nicht so gewohnt und musste mich erstmal orientieren. Aber ich habe auch hier tolle Orte zum Spazierengehen entdeckt, wie den Stadtwald oder auch den Melatenfriedhof. Da kann man sich sehr schön entspannen. Toll finde ich von der Architektur her die Kranhäuser. Und ich habe auch weitere interessante architektonische Lösungen in der Stadt gesehen. Was das Shoppen angeht, bin ich hellauf begeistert. Auch die Gastronomie und die vielen kleinen Cafés haben ihren ganz eigenen Charme!

Sie sind durch die ZDF Serie „Diese Drombuschs“ einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden, werden Sie heute noch darauf angesprochen?

Kaack: Bei den Menschen meiner Generation ist die Serie durchaus noch präsent, auch weil man sich damit identifiziert hat. Das gilt insbesondere für meine Rolle als Marion, einer jungen emanzipierten und alleinerziehenden Frau. Sie hat ihr Leben selbstbestimmt geführt und hat dann doch die Bedeutung ihrer Familie erkannt. Damals war die Serie ein Straßenfeger mit 20 Millionen Zuschauern – so etwas ist heute gar nicht mehr vorstellbar. Ich bin stolz darauf, bei einem Stück Fernsehgeschichte dabei gewesen zu sein.

Gibt es noch Kontakt zu den damaligen Fernsehgeschwistern?

Kaack: Es gibt einmal im Jahr in Darmstadt ein Fantreffen. Da kommen 50 bis 60 Fans und machen Bustouren zu den Drehorten. Vor Ort sind dann auch die früheren Kollegen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung