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Serie: Rheinromantik direkt vor der Haustür

Serie : Rheinromantik direkt vor der Haustür

Es ist der Klassiker aller Tagesausflüge im Rheinland – die Tour von Köln zum Drachenfelsen. In seinem Felsenmeer liegt der Grundstein für die viertgrößte Stadt Deutschlands. Schon die Römer bauten dort den begehrten Trachyt ab, der sich in der Kölner Stadtmauer genauso findet wie im Markenzeichen der Metropole, dem Dom.

Bei den Römern diente der Trachyt bereits dem Bau von heiligen Weihestätten. Das Siebengebirge wurde für die Römer so zum wichtigen militärischen Operationsgebiet.

Entstanden war der markante Gipfel, auf dem heute die markante Burgruine thront, durch aufsteigendes Magma, was von Vulkanologen als Quellkuppe bezeichnet wird. Die Spuren der Steinbrüche seit der Römerzeit sind bis heute noch gut erkennbar. Verwendet wurden die Steine von dort unter anderem auch für den Bau der romanischen Kirche St. Maria im Kapitol in Köln. Beendet wurde der zunehmend zerstörerische Trachytabbau 1836 durch die Preußen.

Der Name des markanten Berges könnte von einer Sage stammen, nach der ein Drache dort gehaust hat. Daraus ergaben sich auch die Bezüge zur bekannten Nibelungensage. Später nahm das Adelsgeschlecht der Herren von Drachenfels das Fabeltier in ihr Wappen auf. Die Burganlage entstand nach 1138 unter dem Kölner Erzbischof Arnold. Sie wurde um 1167 fertiggestellt. Zerstört wurde die mächtige Burg im Dreißigjährigen Krieg.

Vom Kölner Hauptbahnhof dauert die Fahrt mit dem Zug nach Königswinter am Fuße des Drachenfelsens etwa 45 Minuten. Vom Bahnhof führt ein etwa zehnminütiger Fußweg zur Talstation der Drachenfelsbahn. Die älteste Zahnradbahn Deutschlands bringt die Kurzurlauber in nur wenigen Minuten hinauf zum neugestalteten Plateau des Drachenfelsen. Von dort fällt der atemberaubende Blick über das gesamte Rheintal.

Der Besuch des Drachenfelsens kann auf eine mehr als 200-jährige Tradition zurückblicken, die im 19. Jahrhundert vom englischen Dichter Lord Byron begründet worden ist. Das erste Gasthaus entstand auf dem Plateau im Jahr 1834. Die Zahnradbahn folgte 1883. Die heutige Gestaltung des Plateaus konnte 2013 abgeschlossen werden. Sie löste einen eher trostlosen Bau aus den 70er Jahren ab.

Nach einer kleinen morgendlichen Stärkung im Selbstbedienungsrestaurant geht es nun zu Fuß zur Burgruine. Der Weg führt steil hinauf, ist aber in kurzer Zeit zu bewältigen. Nach der Rückkehr auf das Plateau führt ein schattiger Spaziergang hinunter zur Drachenburg. Der Blick fällt schon vom Weg aus auf ein echtes Traumschloss.

Gebaut wurde dieses ab 1882 vom Bonner Gastwirtssohn Stephan von Sarter, der als Börsenanalyst zu Wohlstand gekommen war und als nun Freiherr durchs Leben gehen konnte. 30 Jahre dauerte der Bau nach dem Vorbild des bayerischen Märchenkönigs Ludwig II.

Viel Glück hatte von Sarter aber nicht mit seinem Schloss. Seine Jugendliebe, mit der er dort einziehen wollte, stirbt früh und der Bauherr zieht danach ein Leben in Paris dem Dasein als Schlossherr vor. Heute gehört die Drachenburg der NRW-Stiftung, die das Schloss bis 2010 vollständig restauriert hat. Zu empfehlen ist das Restaurant auf der Schlossterrasse mit einem großartigen Blick auf den Rhein und die frühere Bundeshauptstadt Bonn.

Auf dem Weg hinunter nach Königswinter fällt der Blick auf den Petersberg mit dem früheren Gästehaus der Bundesregierung, wo schon die Queen und der US-Präsident Bill Clinton untergebracht worden sind. Wer Drachen im Miniaturformat begegnen möchte, ist in der Drachenwelt  am Wegesrand genau richtig. Neben der Drachenhöhle und der Nibelungenhalle gibt es dort auch einen kleinen Reptilienzoo.

Vom Bahnhof in Königswinter ist es nur eine Station in Richtung Süden bis Rhöndorf, wo der einstige Kölner OB Konrad Adenauer als erster Bundeskanzler sein Wohnhaus errichtet hat. Er lebte dort zwischen 1937 und 1967. Begraben ist der gebürtige Kölner auf dem Waldfriedhof oberhalb seines Wohnhauses, den man auch direkt vom Drachenfels gut bei einem Spaziergang erreichen kann.

Im dortigen Besucherzentrum gibt es eine Dauerausstellung zum Leben des kölschen Kanzlers. Oben am Berg wartet der wunderschöne Garten mit den berühmten Rosen und der Bocciabahn. Das Wohnhaus selbst kann nur bei einer Führung besichtigt werden. Nicht verpassen sollte man in Rhöndorf ein Besuch des altehrwürdigen Cafés Profittlich und des urigen Weinguts Broel, wo einst schon Adenauer seinen Wein gekauft hat.