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Bilanz: Positive Aussichten für Köln/Bonn

Bilanz : Positive Aussichten für Köln/Bonn

Beim Blick auf das laufende Jahr zeigt der Flughafen Köln/Bonn Optimismus und rechnet mit einem positiven wirtschaftlichen Gesamtergebnis. Im vergangenen Jahr konnte der Kölner Airport 4,25 Millionen Passagiere verzeichnen – ein Plus von 38 Prozent im Vergleich zum ersten Coronajahr 2021. Bei der Fracht konnte man das Rekordergebnis des Vorjahres mit 986.000 Tonnen noch einmal um 14 Prozent steigern.

Für das laufende Jahr plant man beim Flughafen mit 8,3 Millionen Passagieren – das wäre ein Plus von 95 Prozent. Bei der Fracht geht man davon aus, dass man die Millionengrenze knacken kann. Hier wird mit einem Plus von vier Prozent und damit mit einem etwas abgeschwächten Wachstum gerechnet. Insgesamt will man bei Airport 2022 ein positives Gesamtergebnis erreichen. Bereits im Vorjahr konnte man ein deutlich verbessertes Ergebnis verzeichnen.

Im zweiten Halbjahr 2021 stiegen die Passagierzahlen deutlich

Für den Airport war das erste Coronajahr ein echter Schock. Zwölf Millionen Passagiere waren erwartet worden, bis im April mit dem Lockdown der große Einbruch um fast 100 Prozent kam. Nach der Erholung im Sommer sorgten die zweite und dritte Welle für weitere, massive Verluste. Im ersten Halbjahr 2021 gab es in Wahn nur eine Million Passagiere, so viele wie sonst in einem Monat. Erst im zweiten Halbjahr ging es für Köln/Bonn wieder deutlich aufwärts. Der Passagierverkehr boomte vom Sommer bis in den November hinein – Köln/Bonn lag hier nach eigenen Angaben deutlich über dem Branchenschnitt. Erst Omikron sorgte, dafür, dass sich die Menschen beim Fliegen wieder mehr zurückhielten, auch weil die ersten Ländergrenzen wegen steigender Infektionszahlen erneut geschlossen wurden.

Bei der Fracht kam den Kölnern zugute, dass sich etwa 90 Prozent des Geschehens im Expressfracht-Bereich abspielt, wo Sendungen maximale Laufzeiten zwischen 24 und 48 Stunden haben dürfen. Vor Ort haben Unternehmen wie DHL, UPS oder Fedex hochmoderne Sortieranlagen, die mehrstöckigen Achterbahnen gleichen. Mehrere 100.000 Pakete werden hier pro Nacht für ihren Weg rund um den Globus sortiert. Auch andere wichtige Unternehmen der Branche wie Amazon sind am Flughafen vor Ort.

Gleich mehrere globale Entwicklungen befeuern den Boom im globalen Frachtbereich. So explodierte der E-Commerce sowohl bei den Privat- als auch bei den Geschäftskunden. Dazu kommen zunehmende Probleme im internationalen Schiffsverkehr wie die Sperrung großer Häfen in Asien, aber auch in Ländern wie den USA, oder die Blockade durch ein großes, verkeiltes Frachtschiff im Suezkanal. Dazu kommen geschlossene Landesgrenzen, die es auch den Lastwagen auf den Straßen oft unmöglich machen, an ihr Ziel zu gelangen. „Aktuell ist die Nachfrage im Luftfrachtbereich größer als das Angebot. Wir profitieren davon, dass Wasserwege und Straßen überlastet sind, und so auch die Preise in die Höhe getrieben werden“, sagt Geschäftsführer Torsten Schrank. Immer wieder wurden 2020 und 2021 auch zeitweise stillgelegte Passagierflugzeuge so umgebaut, dass sie größere Mengen von Fracht aufnehmen können.

Transportiert werden von bzw. nach Köln/Bonn dringend benötigte Ersatzteile genauso wie Konsumgüter oder Lebensmittel. Dazu kommen wichtige medizinische Produkte wie Impfstoffe, Corona-Tests, Masken und Handschuhe. „Das zeigt, wie systemrelevant der Flughafen ist“, betont Schrank. Im Frachtbereich werden insgesamt von 60 Airlines 41 Länder mit 84 Zielen angeflogen.

Bei Passagierverkehr hofft Schrank vor allem, dass neue oder auch neu reaktivierte Flugziele für positive Perspektiven für den Flughafen sorgen. So nahm Easyjet mit dem Flugziel Berlin von Köln/Bonn im Dezember seine innerdeutschen Flüge wieder auf. Die wichtigste Airline bleibt Eurowings mit der Homebase und der Hauptverwaltung in Köln. Ihr folgen Fluggesellschaften Ryanair, Corendon oder Turkish Airlines. Bei Ryanair setzt man derzeit deutlich auf Wachstum und hat eine dreistellige Zahl an neuen Fliegern bestellt, wovon auch Köln-Bonn profitieren könnte.

Gerade Eurowings und Ryanair fliegen von Köln/Bonn nun die großen Drehkreuze für die Geschäftsreisenden wie Zürich, Wien oder den römischen Airport Fuimicino an. Dazu kommen neue Ziele wie Alicante mit Eurowings oder Nis mit Serbian Airlines. Die wichtigsten touristischen Destinationen bleiben auch 2022 die Türkei und Spanien, die von Köln/Bonn aus rund um die Uhr angeflogen werden können. Von Köln/Bonn werden im Passagierbereich von 26 Airlines 36 Länder und 118 Ziele angeflogen.

Insgesamt sieht man sich am Kölner Flughafen gut aufgestellt. Ein wichtiges Standbein ist hier auch der militärische Bereich des Airports. Alleine die „weiße Flotte“ der Flugbereitschaft der Bundesregierung hat 20 teils große Flugzeuge in Wahn stationiert und beschäftigt dort mehr als 1200 Mitarbeiter. Bei der Geschäftsführung des Flughafens geht man davon aus, dass dieser Bereich noch in den kommenden zehn Jahren der Region erhalten bleibt, bevor ein möglicher Umzug nach Berlin ansteht. Dazu kommt die „graue Flotte“ der Luftwaffe, die neben Tankflugzeugen auch die sogenannten MedEvacs vorhält. Diese waren als fliegende Krankenhäuser gerade in der Corona-Krise schon von großer Bedeutung.

Seit Juni 2019 habe man den Flughafen als Unternehmen neu aufgestellt. So gibt es beim Ergebnisverbesserungsprogramm eine strenge Ausgabenkontrolle und auf der anderen Seite die Steigerung der Erlöse unter anderem durch die Neuverhandlung von bestehenden Verträgen inklusive von branchenüblichen Preisanpassungen. Man habe zudem die DHL-Halle als großes Sortierzentrum neu gebaut und viele Hangars wieder neu vermietet.

Dazu kommt außerdem noch das 2021 neu eröffnete Moxy-Hotel direkt am Flughafen sowie die nun in Eigenregie betriebene Lärmschutzhalle. So will man im laufenden Jahr wieder für ein positives Ergebnis nach Steuern sorgen. Unter anderem durch die Aufstockung des Eigenkapitals um 75 Millionen Euro durch die Eigner des Kölner Flughafens will man die eigene Zahlungsfähigkeit auch in schwierigen Zeiten weiter absichern. „Diese Maßnahmen haben in der größten Krise in der Unternehmensgeschichte und in der gesamten Branche bereits gegriffen“, erklärt Geschäftsführer Torsten Schrank.