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Kultur: „Ohne Galgenhumor könnten wir diese Situation nicht ertragen“

Kultur : „Ohne Galgenhumor könnten wir diese Situation nicht ertragen“

Wie erleben Sie die Situation jetzt im zweiten Lockdown?

Torsten Schlosser: Man hat sich leider schon etwas daran gewöhnt und nimmt Hiobsbotschaften abgebrüht hin, weil man damit rechnet. Die Verlängerung des Lockdowns war erwartbar und auch der März steht wohl auf der Kippe. Wir hoffen jetzt, dass wir Anfang April mit den entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen wieder unser Theater eröffnen dürfen. Wir nehmen da alles was kommt und werden spielen, auch wenn wir den Saal nur zu 30 Prozent füllen dürfen 

Was hat sich im Vergleich zum Frühjahr geändert?

Schlosser: Verändert hat sich der emotionale Umgang mit der Situation. Im März war man in Panik, weil man überhaupt nicht wusste, was da auf einen zukommt. Das Theater schließen zu müssen, war vor der Pandemie ein undenkbares Szenario. Jetzt gerät man nicht mehr so leicht in Panik, weil man Situation schon kennt und Erfahrung damit gesammelt hat. Das würde sich aber ändern, wenn wir das ganze Jahr nicht öffnen dürften. Dann wäre die Panik wieder da. Aber aktuell ist es zum Glück sichtbar, dass es wieder bergauf geht und dass wir schnell aus dieser Situation herauskommen und zur Normalität übergehen können. 

Wie sieht aktuell Ihr Berufsalltag aus?

Schlosser: Als Künstler läuft gar nichts. Die Ausnahme war ein Video, das ich für eine alternative Karnevalssitzung in Leverkusen gemacht habe. Da wir seit November nicht mehr auftreten können, geht auch die Routine verloren. Die Rückkehr zur Bühne wird ein besonderer Moment werden, mit viel Nervosität, aber auch mit viel Freude. Man hat das Gefühl, dass man dann wieder ganz von vorne anfängt. Beim Theater gibt es viel zu tun, wir renovieren und verschönern unsere Räume. Außerdem läuft das Booking, wir planen unser Programm jetzt bis Dezember durch. Es wird in diesem Jahr auch keine Sommerpause geben. 

Hat die Unterstützung von Bund, Land und Stadt funktioniert?

Schlosser: Wir haben vom Projekt „Neustart Kultur“ finanzielle und zweckgebundene Unterstützung bekommen. Der Antrag wurde im November gestellt und jetzt ist das erste Geld da. Investiert wird dieses, um das Haus Pandemie-sicher zu machen. So gibt es einen Luftfilter für den Saal und die Gastronomie oben. Wir haben auch ein Luftmessgerät angeschafft. Außerdem wurde in Technik investiert, die wir auch draußen bei Open-Air-Veranstaltungen im Sommer einsetzen können. Unabhängig davon benötigen wir aber unbedingt die Überbrückungshilfe 2021 vom Bund, um unsere Betriebskosten zu decken. Gerade hat die Stadt angekündigt, Geld für den Erhalt der Infrastruktur der Theaterszene bereitzustellen. Auch darum werden wir uns bemühen. Bei der Unterstützung der Kultur durch die Politik hat sich zum Glück etwas getan. 

Wie fällt die Bilanz der Wiederöffnung im vergangenen Sommer aus?

Schlosser: Wir haben aufgemacht, um Präsenz zu zeigen. Wirtschaftlich hat sich das bei einem sehr stark reduzierten Publikum leider nicht gelohnt. Die Menschen waren auch zudem noch sehr vorsichtig und entsprechend zurückhaltend bei ihren Theaterbesuchen. 

Was halten Sie davon, Geimpften zum Beispiel beim Besuch von Kulturveranstaltungen Privilegien einzuräumen?

Schlosser: Darauf habe ich noch keine Antwort gefunden. Einerseits ist es schwierig, hier eine Impfpflicht durch die Hintertür einzuführen, anderseits muss man Menschen, die nicht mehr ansteckend sind, ihre Grundrechte wieder zurückgeben. Ich sträube mich aber dagegen, an unserer Theatertür Impfpässe zu kontrollieren. Das ist nicht unsere Aufgabe. 

Wie sieht das Programm für dieses Jahr aus?

Schlosser: Wir freuen uns im Juni Ulan und Bator begrüßen zu können. Auf der Bühne wird auch der frühere Olympiasieger Dieter Baumann stehen. Im Herbst kommt Robert Griess ins Atelier-Theater und im Dezember erwarten wir Martin Zingsheim, einer unserer Stammgäste.

Wie wichtig ist der Humor in der Krise?

Schlosser: Total wichtig. Bei mir und vielen meiner Kollegen hat sich eine Art von Galgenhumor entwickelt, ohne den wir diese Situation gar nicht ertragen könnten. Und Humor ist ja auch mein Job. Aus den Rückmeldungen der Leute im Theater wissen wir, dass sie es vermissen, einen Abend an einem Ort zu sein, wo sie lachen können. Entsprechend groß ist bei unserem Publikum auch die Vorfreude auf die Wiedereröffnung.

Wie wird sich die Kölner Theaterszene durch die Krise verändern?

Schlosser: Das ist sehr schwer vorauszusagen, weil man nicht weiß was bei den 40 Theatern in Köln hinter den Kulissen passiert. Ich hoffe, dass es da im Sommer kein schreckliches Erwachen geben wird. Es ist leider davon auszugehen, dass einige Häuser nicht zurückkehren werden. Ich hoffe aber sehr, dass sich die Schäden in Grenzen halten werden.

Was ist Moment Ihre größte Hoffnung und was Ihre größte Sorge?

Schlosser: Ich hoffe sehr, dass wir ab dem 1. April wieder Vorstellungen anbieten können, Mitte März wäre natürlich noch viel besser. Sorge macht mir, dass der Impfstoff bei neuen Mutationen nicht mehr wirkt und dass wir das ganze Jahr noch unter Pandemiebedingungen arbeiten müssen.