Klassik Offenbach und die Pandemie

Köln · „Wir hatten großes Glück mit unserem Offenbach-Jahr 2019 mit unseren rund 400 Veranstaltungen in 125 Formaten. Jetzt leiden wir natürlich mit den Kollegen in Bonn und ihrem Beethoven-Jahr unter den Bedingungen der Pandemie.

 Thomas Höft (l.) und Franz-Josef Knieps von der Offenbach-Gesellschaft vor dem Kölner Dom.

Thomas Höft (l.) und Franz-Josef Knieps von der Offenbach-Gesellschaft vor dem Kölner Dom.

Foto: step/Eppinger

Wir wissen, wie viel Vorbereitung so ein Jahr braucht und wie viel Arbeit darin steckt“, sagt der 1. Vorsitzende der Kölner Offenbach-Gesellschaft, Franz-Josef Knieps. Man habe im vergangenen Jahr alles, was geplant war, durchführen können. „Alle Veranstaltungen waren gut besucht, die Nachfrage war riesig. Bei der Staffelübergabe haben wir uns für Bonn noch so gefreut und jetzt das.“

Trotzdem will man in Köln das fortführen, was im Jubiläumsjahr so erfolgreich begonnen hat, um den berühmten, in Köln geborenen Komponisten in seiner Stadt in guter Erinnerung zu halten. „Ursprünglich hatten wir im Juni vier Offenbach-Tage geplant, aber die sind wegen der Pandemie ins Wasser gefallen. Darunter war ein großes Chorkonzert mit der Evangelischen Kirche und unter der Beteiligung von Laienchören. Das war in dieser Zeit natürlich nicht möglich. Es gab nur eine Stunde Glockenspiel am Rathausturm – mehr nicht“, erinnert sich Knieps.

Die Offenbach-Tage soll es
jedes Jahr in Köln geben

Doch ein Jahr ohne Jacques Offenbach soll es auch 2020 nicht geben. Im Oktober sind vier verschiedene Formate zum Komponisten in Köln geplant. „Wir haben uns gefragt, ob Offenbach in seinem Leben damals mit ähnlichen Situationen konfrontiert war, wie wir heute mit Corona. Damals gab es mehrere Cholera-Pandemien. Das hat auch Offenbachs Wohnort Paris schwer getroffen. Gestorben ist der Komponist zudem mit großer Wahrscheinlichkeit an der Lungenkrankheit Tuberkulose“, berichtet Regisseur Thomas Höft, Mitglied im Vorstand der Offenbach-Gesellschaft. Für Paris habe die Pandemie aber auch einen echten Innovationsschub gebracht, so habe man in der Großstadt danach die moderne Kanalisation angelegt, wofür Teile der Stadt abgerissen werden mussten.

Zum diesjährigen Programm gehört der „Antonia-Akt“ aus „Hoffmanns Erzählungen“, der am 28. Oktober im Kammermusiksaal des Deutschlandfunks auf die Bühne gebracht wird. Zuschauer sind beim „Geisterkonzert“ dort leider nicht möglich, dafür wird es einen Livestream geben. „Es geht um Antonia, deren Mutter zu viel gesungen hat, was zu ihrem Tod geführt hat. Daher soll sie auf das Singen verzichten. Das will sie aber unbedingt und findet so am Ende auch den Tod. Das Stück werden wir in einer hervorragenden Sängerbesetzung spielen. Allerdings mussten wir auch hier umplanen, weil der geplante Tenor nicht aus Paris nach Köln kommen konnte und wir einen adäquaten Ersatz finden mussten. Es wird ein Konzert mit einer Lesung, wobei ich die Rolle des Sprechers übernehmen werde. So können wir über die Geschichte, die ich erzähle, den Bezug der Musik zur Pandemie herstellen. Uns ist der Ansatz, der einen Bezug zur Aktualität herstellt, sehr wichtig, das war auch schon im Jubiläumsjahr so. Offenbach hat so viele Aspekte und Facetten, dass das immer wieder möglich wird.“, sagt Höft.

Am 5. Oktober wird durch Katarzyna Takao Piastowska wieder das Glockenspiel am Rathausturm mit der Carillon-Musik Offenbachs erklingen und damit die Veranstaltungen zum 140. Todestag des Komponisten einläuten. Los geht es um 17 Uhr. „Am besten hört man das Glockenspiel direkt auf dem Alter Markt“, sagt Knieps. Dort starten auch am Samstag, 31. Oktober (15 Uhr), und Sonntag, 1. November (11 und 15 Uhr), die musikalischen Stadtspaziergänge zu Offenbach und dem jüdischen Köln seiner Zeit. Mit dabei sein werden Klezmer-Musiker vom Ensemble Art House 17 und der Straßentheaterkünstler Adrian Schvarzstein, der die eigentliche Führung übernehmen wird. „Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht nötig. Die Teilnehmer sollten aber den entsprechenden Abstand halten und eine Schutzmaske tragen“, erklärt Knieps.

Als vierte Veranstaltung ist eine Podiumsdiskussion vorgesehen, die voraussichtlich Ende Oktober im Theater im Bauturm mit Publikum stattfinden soll. Teilnehmen werden die Historikerin Gudrun Gersmann, der Vizepräsident des NRW-Landtags Oliver Kaimes und der Offenbach-Forscher Ralf-Olivier Schwarz. Moderator ist der Journalist Michael Köhler. Thema ist der Deutsch-Französische Krieg 1870, der den erfolgsverwöhnten Komponisten und Impresario Offenbach jäh „Zwischen die Fronten“ brachte, wie der Titel der Veranstaltung lautet, bei der es um geteilte Heimat und Zugehörigkeit geht. Hier ist eine Anmeldung unter info@koelner-offenbach-gesellschaft notwendig.

Für die Macher der Offenbach-Gesellschaft ist es klar, dass man auf dem während des Jubiläumsjahres erreichten Erfolg auch in Zukunft aufbauen möchte. „Die Offenbach-Tage soll es künftig jährlich geben. Das gilt insbesondere für 2021, wo 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland gefeiert werden. Denkbar ist auch eine App, die Nutzern Stadtspaziergänge durch das jüdische Köln Offenbachs digital ermöglicht“, sagt Knieps. 

www.koelner-offenbach-
gesellschaft.de

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