Spannung Wenn Recht und Ordnung nicht mehr gelten

Köln · Dieser mysteriöse Fall bringt das ungleiche Ermittlerduo Markus Kaiser und Judith Mertin wieder einmal an ihre Grenzen. Dabei hatte Mertin bereits der Einsatz am Messekreisel gegen Terroristen nachhaltig traumatisiert.

Cover Emons

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Foto: Verlag/Emons

Sie lebt in ihrer eigenen Welt und versucht sich, darin abzulenken, indem sie mit dem befreundeten Journalisten MAP jede Nacht wild durch die Kneipen und Clubs zieht.

Das bleibt im Dienst nicht ohne Folgen und erhöht die Spannungen zwischen ihr und ihrem Partner bei der Kripo erheblich. Dabei hat auch der Kriminalhauptkommissar mit seinem geliebten Job zu kämpfen, der ihn immer mehr auslaugt und zweifeln lässt. Da kommt der brutale Überfall auf einen Geldtransporter auf der Autobahn unweit des Kölner Flughafens genau zu falschen Zeitpunkt.

Plötzlich wird auf die Kripobeamten mit Sturmgewehren gefeuert. Mertin verkriecht sich völlig verängstigt im Dienstfahrzeug, während ihr Kollege mit der Maschinenpistole die Besatzung des Streifenwagens unterstützt, der zuerst am Tatort war. Die Bilanz des Einsatzes ist allerdings erschreckend. Der Polizist Tomaso Hofer wird erschossen, ein Mitarbeiter der Sicherheitsfirma wird verletzt und von den rücksichtslosen Räubern fehlt jede Spur.

Auch die Lage im Kölner Polizeipräsidium ist mehr als desolat. Der Posten des Polizeipräsidenten ist vakant und mehrere Polizeidirektoren versuchen ihren Chef zu ersetzen. Das fordert auch Müller, den Vorgesetzten von Mertin und Kaiser heraus. Er verlangt von seinem Ermittlerduo, herauszufinden, welche Geschichte hinter den beiden angegriffenen Streifenpolizisten steckt.

Differenzen bei den
Ermittlern der Kripo

Mertin ist davon überhaupt nicht begeistert, denn sie will nicht gegen die eigenen Kollegen vorgehen. Zunächst besuchen die Kripobeamten die Dienststelle der beiden und Deutz und begeben sich dann zur Witwe, die jetzt mit ihren drei Kindern alleine fertig werden muss. Im Haus von Hofer machen Judith und Markus eine erschreckende Entdeckung: Der Keller ist randvoll mit Waffen. Darunter ist auch eine nicht registrierte Pistole, die wohl aus dem 3D-Drucker stammt.

Bei ihren schwierigen Ermittlungen erkennen die beiden, dass Hofer wohl mit genauso einer Geisterwaffe erschossen wurde. Sein Partner Kürten ist damit zunächst nicht mehr verdächtig, für den Tod des Kollegen verantwortlich zu sein. Die Ermittlungen führen die Polizisten ins Darknet, wo auf einer großen Plattform Geisterwaffen unauffällig bestellt und später zu Hause „ausgedruckt“ werden können. Die passende Munition kommt dann ganz regulär mit der Post.

Das ist nicht die einzige Entdeckung des Duos. So war Hofer Teil des Bataillons 33, einer Gruppe, die sich regelmäßig zum „Kampfsport“ mit Softair-Waffen treffen. Doch hinter den Waffennarren scheint sich weit mehr zu verbergen, als die beiden Ermittler zunächst vermuten. Nachdem Mertin ihren Protest gegen die eigenen Ermittlungen immer lauter und direkter äußert, wird sie von ihrem Chef zu einem Observationsteam des LKA versetzt, das eine radikale Ökokommune überwacht.

Kaiser bekommt Unterstützung von einer IT-Expertin, fühlt sich aber immer mehr bei seiner Arbeit beobachtet. Dazu passt, dass er beim Tanken von Vermummten angegriffen und brutal zusammengeschlagen wird. Und auch Judith macht bei ihrem Job mehr als beunruhigende Beobachtungen. Köln und seine Polizei stehen vor einem Skandal mit historischen Ausmaßen.

„Köln 9mm“ ist der neue Krimi von Marco Hasenkopf, der schon mit dem Vorgänger „Köln 300 C“ zum ungleichen Ermittlerduo überzeugen konnte, und der für seinen historischen Kriminalroman „Eisflut 1784“ mit dem Goldenen Homer und dem Skoutz-Award ausgezeichnet wurde.

Der neue Thriller nimmt ein so spannendes, wie auch hochaktuelles Thema auf, indem er aufzeigt, was passiert, wenn sich neben der Gesellschaft verschwörerische und kriminelle Netzwerke bilden, die Recht und Ordnung auf ihre ganz eigene Art und Weise auslegen und die so den demokratischen Staat aushöhlen.

Marco Hasenkopf: Köln 9mm, Emons-Verlag, 240 Seiten, 13 Euro 

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