Lesen : Mord im Schatten des Doms

Neuer Köln-Krimi bringt die Leser zu den großen Kirchen der Stadt. Ein ungleiches Ermittlerinnenduo sucht den unheimlichen Mörder.

Hauptkommissarin Kerstin Heller hat es nicht leicht bei der Kölner Kripo und sehnt sich des Öfteren an ihren alten Arbeitsplatz bei den Bonner Kollegen zurück. Denn so richtig hat sich die Ermittlerin noch nicht an ihre neue Wahlheimat Köln gewöhnt. Das gilt für den Verkehr auf den Straßen der Domstadt genauso wie für die katholisch geprägte kölsche Mentalität, die der evangelischen Polizisten nicht immer entgegenkommt.

Das erfährt Heller beinahe täglich bei ihrer Kollegin und unmittelbaren Vorgesetzten, Ursula Hohmann. Die gibt in der Ermittlungsgruppe gerne auf eine sehr direkte Art und Weise den Ton an und lehrt Kerstin mit ihren abenteuerlichen Fahrkünsten schon mal das Fürchten. Dazu muss Ursula auch noch Job und Familie unter einen Hut bringen und verschwindet schon mal, wenn der eigene Nachwuchs in der Schule Laternen basteln muss. In ihrer Heimatstadt kennt sich die Hauptkommissarin bestens aus – auch was die oft eigenwilligen Menschen der Domstadt angeht.

Archäologieprofessor stirbt in der Kirche St. Maria im Kapitol

Gemeinsam haben die beiden Ermittlerinnen aber schon erfolgreich einen Fall gelöst, bei dem auf einem Berliner Campingplatz eine Kölner Literaturprofessorin ermordet wurde. Und jetzt liegt schon wieder ein Akademiker tot vor den beiden Hauptkommissarinnen. Es ist der renommierte Archäologie-Professor Klaus-Dieter Vogelstein, der aus dem zweiten Stock in den Kreuzgang der romanischen Kirche St. Maria im Kapitol gestürzt ist, nachdem er eine von ihm und seiner Stiftung betreute Jugend-WG besucht hatte.

Doch der Sturz aus großer Höhe hat nicht den Tod des Professors herbeigeführt, wie der Gerichtsmediziner Ulrich Freude schnell herausfindet. Durch den Handrücken hat man dem Opfer ein schnell wirkendes Gift injiziert. Dieses führt die Ermittler zu einem zweiten, ähnlich getöteten Mordopfer, von dem angenommen worden ist, dass es bei einer Rettungsaktion am Luxushotel Hyatt im Rhein ertrunken ist.

Die Kollegen von der zweiten Ermittlungsgruppe der Kölner Mordkommission haben den Fall wohl zu schnell zu den Akten gelegt – zum Glück hatte der Rechtsmediziner sich an die Verletzungen auf dem Handrücken erinnert und eine Urinprobe zurückbehalten. Und den Kontakt zu Professor Vogelstein gibt es auch noch – die Tote war Doktorandin an seinem Lehrstuhl und wohnte mit ihm sogar noch im gleichen Haus.

Sie ist nicht die einzige Tote am Lehrstuhl der Kölner Uni – auch dessen Sekretärin ist vor kurzem gestorben. Und auch hier gibt es Anzeichen für Verletzungen auf dem Handrücken. Leider ist die Leiche schon eingeäschert worden.

In Groß St. Martin wird
ein Mönch ermordet

Während die beiden Ermittlerinnen noch nach den Zusammenhängen suchen, gibt es in der Kirche Groß St. Martin schon den nächsten Toten – ein junger Mönch der Gemeinschaft von Jerusalem wurde in der romanischen Kirche mit einem Karateschlag gegen die Luftröhre getötet. Merkwürdig ist, dass Kerstin an der Kirche ausgerechnet einen Mitarbeiter der Archäologischen Instituts entdeckt, der vor ihr die Flucht ergreift. Und dann taucht plötzlich auch noch ein Maskenmann mit Tätowierung in St. Georg auf.

Die Motivlage für die Morde ist ziemlich vielfältig – sie reicht vom lukrativen Vorsitz in der Stiftung des Professors über dessen Nachfolge am Lehrstuhl bis zu umstrittenen Forschungsergebnissen im antiken Olympia. Dabei schafft es der unheimliche Mörder, den beiden Kommissarinnen immer einen Schritt voraus zu sein. Das nächste Mordopfer scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

Kordula Kühlems neuester Köln-Krimi „Nacht über dem Dom“ ist ein so spannend wie auch humorvoll geschriebener Thriller, der die Leser in die Welt der großen romanischen Kirchen der Stadt führt und der auch einen Blick in die akademische Forschungswelt der Kölner Uni erlaubt. Der Reiz des Krimis ist aber das ungleiche Ermittlerinnenduo, das einfach nicht zusammenzupassen scheint, das unterstützt von den eigenwilligen Assistenten doch am Ende stets die richtigen Schlüsse zieht. Und die Wahlkölnerin Kerstin kommt ihrer neuen Heimat immer näher.

Mehr von Westdeutsche Zeitung