Hochschule : Buch-Tipp: Die Adenauers und die Kölner Uni

Vor 100 Jahren sorgte der damalige Oberbürgermeister dafür, dass die Domstadt wieder eine Hochschule bekam.

Dabei nutzte der junge und ehrgeizige OB an der Jahreswende 1918/19 die Gunst der Stunde, um dem preußischen Staatsministerium in den Revolutionswirren die Konzession für eine Universität zu entlocken. Es war eine Neugründung in erster Linie um des Prestige willens, wie Historikerin Heidrun Edelmann in ihrem gerade im Böhlau Verlag erschienenen Buch schreibt. Eine Universität sei die Perle in Adenauers Version von einer modernen Großstadt gewesen. Und Adenauer pokerte hoch, als er der preußischen Regierung versicherte, die in Köln vorhandenen höheren Fachschulen ließen sich ohne Finanzopfer des Staates zu einer Universität ausbauen.

Schnell wurde die Kölner Universität zum Magneten für Studenten und rückte rasch zur zweitgrößten Universität in Preußen auf. Doch es ergaben sich schon bald gravierende Probleme. So schwand im Laufe der 20er Jahre die Bereitschaft des Stadtparlaments, der Uni die Mittel zu genehmigen, die diese für den Aufbau und die erfolgreiche Entwicklung dringend benötigte.

Adenauer gelang es jedoch, private Mittel in beträchtlicher Höhe in der Stadt zu mobilisieren. So entstand der Verein der Freunde und Förderer der Hochschule, dessen Vorsitzender Adenauer war. Ohne Großspender wäre der Neubau des Hauptgebäudes und die Vorklinik nicht möglich gewesen. Nach der Analyse von Edelmann wurde vor allem in den jungen OB, dem die Zukunft gehörte, investiert. Und der bedankte sich unter anderem mit Ehrenpromotionen bei seinen Unterstützern. Er habe dabei wie ein Fürst agiert, schreibt die Historikerin.

Adenauer achtete bei allem Handeln darauf, das er die zentrale Figur bleibt, auf die alles zuläuft. Dafür sprechen auch seine erfolgreichen Interventionen bei der Berufung von Ordinarien. Doch mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten verlor er sein Amt und auch den Einfluss auf die Universität. Diese wurde von den neuen Machthabern binnen kürzester Zeit gleichgeschaltet. Nach dem Krieg setzte sich Adenauer als von den Siegermächten ernannter OB energisch für die Wiedereröffnung der Uni ein, die zunächst wieder zur städtischen Hochschule wurde. Nach seiner Wahl zum Bundeskanzler fehlte Adenauer aber die Zeit, um sich weiter um die Kölner Universität zu kümmern.

Mit seinem Sohn Max Adenauer stand ab 1953 ein neues Familienmitglied als Oberstadtdirektor an der Doppelspitze der Stadt. Er trat sein Amt in einer Zeit der Debatte um die Universität an, in der es darum ging die Hochschule in eine Landesuniversiät zu überführen, um die Stadt von einer kommunalfremden Aufgabe zu entlasten. Max Adenauer sorgte gegen den Widerstand seiner CDU-Parteifreunde dafür, dass dieses Vorhaben umgesetzt wurde. So wurde die Kölner Hochschule 1960 zu einer Universität des Landes NRW.

Heidrun Edelmann: Die Adenauers und die Universiät zu Köln, Böhlau Verlag, 393 Seiten, 35 Euro