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Verkehr: Ladespur für Taxis in der Warteschlange

Verkehr : Ladespur für Taxis in der Warteschlange

Es sind sechs eher unscheinbare Bodenplatten, die für die ganze Taxibranche eine große Bedeutung haben könnten. Sie sind Teil eines bundesweit einzigartigen Pilotprojektes, das gerade vor dem Kölner Hauptbahnhof an den Start gegangen ist.

Durch die im Boden eingelassenen Induktionsplatten werden an der Dompropst-Ketzer-Straße elektrisch betriebene Taxis, wenn sie in der Warteschlange stehen, kontaktlos aufgeladen.

Dazu wurden die Fahrzeuge des englischen Herstellers LEVC speziell nachgerüstet. In ihrem Unterboden wurde das Gegenstück zur im Boden eingelassenen Induktionsplatte integriert. Kommen die Taxifahrer an der Ladespur an, können diese sich über ihr Display im Fahrzeug anmelden und werden genau auf die erste Ladeplatte navigiert. Im Display sehen sie auch den Ladestand und können sich nach dem Ende des Ladevorgangs wieder abmelden. Steht ein Taxi sechs Minuten auf der Induktionsplatte, bekommt es Strom für die nächsten zehn Kilometer. Durchläuft das Fahrzeug alle sechs Platten der Ladespur, erhöht sich die Reichweite entsprechend.

Noch wird am Taxistand auf der Domseite des Hauptbahnhofs weiter gebaut. Zwei der 1,5 Quadratmeter großen Platten sind schon betriebsbereit, weitere vier folgen in den kommenden 14 Tagen. Diese sind sehr robust und werden auch nicht beschädigt, wenn große Lastwagen mit bis zu 40 Tonnen Gewicht darüber rollen. Jede Platte hat eine Ladeleistung von 22 Kilowatt.

Fünf nachgerüstete Taxis
sind in Köln unterwegs 

Zwei Unternehmen des Taxirufs Köln haben fünf der englischen Spezialfahrzeuge angeschafft. Diese sind barrierefrei und können über eine Rampe auch Rollstühle transportieren. Die Stadt hatte die Unternehmen im Rahmen des Projekts mit insgesamt 48.000 Euro unterstützt. Ein E-Taxi kostet stolz 65.000 Euro und ist damit doppelt so teuer wie ein Mercedes der E-Klasse mit Verbrennungsmotor, den viele Unternehmen als Taxi einsetzen.

Der klassische Ladevorgang, bei dem ein Fahrzeug durch ein Kabel mit der Ladesäule verbunden wird, ist für Taxis kaum praktikabel, da das Fahrzeug beim Vorrücken in der Warteschlange immer wieder ein und aus gestöpselt werden müsste. Beim kontaktfreien Laden kann der Fahrer in seinem Wagen sitzen bleiben und kann so die Wartezeit voll für das Laden ausnutzen. Dabei sind E-Taxis ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz, wie Heike Proff von der Uni Duisburg-Essen erklärt, die das auf drei Jahre angelegte Forschungsprojekt leitet. „Wenn nur fünf Prozent aller Taxis elektrifiziert wären, könnten wir 50.000 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen“, erläutert die Wissenschaftlerin.

Beim bundesweit in dieser Dimension und im öffentlichen Raum einzigartigen Pilotprojekt soll nun in den kommenden Monaten getestet werden, ob sich die Anlage auch in der Praxis bewährt. Fällt der Test in Köln positiv aus, könnten die Ladespuren bald schon bundesweit an Taxiständen zum Einsatz kommen. Damit wäre die Elektrifizierung der Taxis als Teil des Nahverkehrs nicht nur am Rhein ein wichtiger Baustein für klimaneutrale Städte. Insgesamt wurden rund zwei Millionen in das Kölner Projekt investiert. An den Kosten beteiligt sich der Bund genauso wie die Stadt, der Energieversorger Rheinenergie und der Anlagenhersteller Intis.

„Es ist gut, dass in Köln die erste Anlage dieser Art in Betrieb geht. Das ist der richtige Schritt, um klimafreundliche Mobilität zu fördern. Hier sind wir als Kommune gefordert, solche innovative Techniken zu erproben und zu fördern, als Beitrag zur Luftreinhaltung und zur Klimaneutralität“, erklärt Oberbürgermeisterin Henriette Reker in einer Stellungnahme zum Projekt.