Kunst : Kunstwerke unter freiem Himmel

Im Stammheimer Schlosspark begeistern uralte Bäume und moderne Skulpturen die Besucher.

Es ist ein klein wenig, wie man einen verwunschenen Garten betritt – große mächtige Bäume spenden in der Sommerhitze Kühle, dazwischen finden sich seltsame Kreaturen wie der „Goldene Mops“ vom Michail Stamm, der mit seinen zarten, goldenen Flügeln auf einer Säule thront. Auch die bunte Gruppe der Holzfiguren von Peter Nettesheim, einem der Mitbegründer des Skulpturenparks, direkt am Eingang vom Park wirkt wie eine eingefrorene Szene aus dem hektischen Alltag einer Großstadt.

Wie in jedem Jahr gibt es auch jetzt wieder neue Kunst im alten Park zu entdecken. Insgesamt gibt es 20 neue Arbeiten, dazu zählt unter anderem das rote Glasfasergewebe von Lioba Wagner, das sich in einer der Baumkronen befindet. Aus grünen und weißen Trinkhalmen hat Ursula Buche eine außergewöhnliche Wiese im Park installiert. „Illusionäre/reale Begegnung am Ufer“ lautet der Titel einer Metallplastik von Keren Shaley, die an ein Schiffswrack erinnert.

Ein Nistkasten
im Bauhausstil

Bei Hermann J. Kassel wird ein künstlicher Teich in Form einer Glasscheibe und mit Blick auf das Seerosengemäldes von Monet in den Park gebracht. Etwas sperrig ist der Titel bei Frank Altmann: „Versuchsanordnung, um herauszufinden, was Spatzen von der Moderne halten“ - zu sehen ist ein weißer Nistkasten im kantigen Bauhaus-Stil. Eveline Markstein hat in ihrer Skulptur eine politische Botschaft integriert. Sie hat dafür 29 Schiffchen gefaltet und auf Eisenstangen befestigt. „Hope“ heißt ihre Arbeit, die sich mit der Seenotrettung auseinandersetzt und die auch an die vielen im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge erinnert.

Der Stammheimer Schlosspark direkt am Rheinufer gelegen, zählt zu den schönsten und eindrucksvollsten Parks in Köln. Neben vielen einheimischen Bäumen finden sich auf dem 80 000 Quadratmeter großen Gelände auch viele seltene Arten aus aller Welt. Das hohe Alter mancher Bäume lässt darauf schließen, dass der Park weit über zwei Jahrhunderte alt sein muss. Zu sehen ist auch so manch exotisch bunter Vogel, der die Parklandschaft für sich als Zuhause gewählt hat.

Angelegt wurde der Park
zwischen 1829 und 1831

Die Parkanlagen beim Rittersitz Stammheim wurden von dem königlichen Gartendirektor Maximilian Friedrich Weyhe zwischen 1829 und 1831 im Stil eines englischen Gartens angelegt. Auftraggeber war Franz Egon Freiherr von Fürstenberg-Stammheim. 1928 wurden Schloss und Park an die Stadt verkauft.

Das frühere Stammheimer Schloss selbst wurde bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg zerstört. An seinem Standort wurde 1952 von der Bayer AG, als neuem Besitzer des Geländes, das Urich-Haberland-Haus als Altenheim errichtet und der Park in seine heutige Form gebracht. Später gingen das Gebäude und der Park wieder an die Stadt, die in den 80er Jahren dort ein Studentenwohnheim eröffnete, das bis 2001 bestand. Heruntergekommen bleibt das Gebäude auch weiter ein Schandfleck in einer sonst bezaubernden Parklandschaft.

Seit dem Jahr 2002 nutzt die Initiative Kultur Raum Rechtsrhein den alten Park für wechselnde Skulpturenausstellungen. Jeweils zu Pfingsten wird in Stammheim die neue Jahresschau eröffnet, die Kunst unter freiem Himmel und bei freiem Eintritt den Besuchern präsentiert. Waren es zu Beginn vorwiegend Kölner, die ihre Werke im Park präsentierten, kommen die Künstler inzwischen aus ganz Deutschland. Auch New Yorker Künstler haben den Weg an den Rhein gefunden. Ihre Kunstwerke befinden sich zwischen den Bäumen, aber auch auf den Bäumen oder an deren Ästen. So manches Werk muss der Besucher erst einmal entdecken.

Und wer nach einem intensiven Rundgang genug von der Kunst im Park gesehen hat, kann sich auf den schattigen Bänken ausruhen und den Blick auf den Rhein und das gegenüberliegende Ufer mit seinen Stränden richten. Empfehlenswert ist auch ein Spaziergang am Rheinufer nach Mülheim und von dort weiter in den Rheinpark und die große Freitreppe am Deutzer Rheinufer.