Kultur Zhuang Hong Yi: Chinesische Tradition trifft auf abendländische Vision

Köln · Ein Rundgang durch die Kölner Galerien zeigt die Kunst der Stadt in all ihren Facetten. Auch im Dezember gibt es zahlreiche spannende Ausstellungen, die einen Besuch wert sind. Wir haben uns für Sie einmal umgesehen.

Noch bis zum Januar sind die Arbeiten von Zhuang Hong Yi bei der Galerie Martina Kaiser zu sehen.

Noch bis zum Januar sind die Arbeiten von Zhuang Hong Yi bei der Galerie Martina Kaiser zu sehen.

Foto: step/Eppinger

Zhuang Hong Yi bei der Galerie Martina Kaiser: Wer jetzt in der tristen und grauen Winterzeit die Galerie Martina Kaiser betritt, wird an den Wänden von künstlichen Blumenbeeten in leuchtenden Farben empfangen, die ihn in die floralen Welten des chinesischen Künstlers Zhuang Hong Yi entführen. Aus unzähligen handgefertigten Blüten aus Reispapier, Tusche und Acryllack entstehen poetische Bilder, die weltweit von Kunstsammlern und Museumsbesuchern bewundert werden.

Es sind Kunstwelten, die immer die Traditionen der chinesischen Heimat des Künstlers mit dem Hier und Jetzt im Abendland verbinden. So studierte der aus Sichuan stammende Zhuang Hong Yi sowohl in China als auch in Europa. Auch heute arbeitet er als Reisender zwischen den Welten sowohl in seinem Atelier im Tessin als auch im Atelier in Peking. Mit seinen Ausstellungen ist der Künstler sowohl in Asien als auch in Europa erfolgreich.

In seinen Werken spiegeln sich so folglich sowohl die handwerklichen Traditionen der asiatischen Kunst als auch die Einflüsse der Kultur seiner europäischen Wahlheimat mit ihrer zeitgenössischen Farb- und Formgebung wider. So entstehen bei Zhuang Hong Yi Landschaften in leuchtenden Farben, aus denen die lebendig gewordenen Papierblüten förmlich aus der Leinwand zu wachsen scheinen, womit der Künstler auch seiner ehemaligen Wahlheimat in den Niederlanden Tribut zollt. Genauso finden sich im Werk monochrome Arbeiten mit organischen Mustern.

Die aktuelle Ausstellung „Flower Splashes“ ist noch bis zum Januar in Köln zu sehen. In Anlehnung an die Fluxus-Kunst und den Wiener Aktionismus setzt Zhuang Hong Yi in seinen neuen Arbeiten auf ein essenzielles Element dieser Bewegungen und erklärt die Farbschüttung zum signifikanten Merkmal seiner berühmten „Flower Fields“. Hierbei wird das geordnete Prinzip der auf Leinwand applizierten, zuvor aus Reispapier gefalteten Blüten durch den Akt der nur bedingt kontrollierbaren und damit weisungsfreien Schüttung von Farbe gebrochen; was in bislang ungesehenen Texturen, die gleichsam luzid wie diffus erscheinen, gipfelt.

Die Ausstellung zeigt erstmals Werke in elliptischer Form, was erneut belegt, dass Zhuangs Prinzip des durch Bewegung induzierten Farbwechsels in jedwedem Format funktioniert. Wo Schüttungen eine Eskalation der „Drip Paintings“ darstellen, die ihren Ursprung bereits bei Max Ernst hatten und dann bei den abstrakten Expressionisten um Jackson Pollock ihren Höhepunkt fanden, überführt Zhuang Hong Yi sie in naturgegeben abstrakte, wenngleich impressionistisch erscheinende Bildwelten.

Service: Zhuang Hong Yi „Flower Splashes“, bis zum 5. Januar bei der Galerie Martina Kaiser, Bismarckstraße 50, Öffnungszeiten: Di-Fr 13-18, Sa 12-16 Uhr.

Marion Eichmann bei der Galerie Anja Knoess: Es sind ganz alltägliche Dinge wie Dreiersteckdosen, Blumensträuße mit Lilien und Nelken oder auch der profane Becher mit den Zahnbürsten im Bad, welche die Berliner Künstlerin Marion Eichmann zunächst in ihren Zeichnungen festhält. Das Lebkuchenherz, das dem „lieben Schatz“ als Treueschwur der ewigen Liebe vom Weihnachtsmarkt mitgebracht wird, ist ebenso ein bildwürdiges Motiv wie die der im öffentlichen Raum installierte Notfallkasten des Defibrillators. Der in den Städten allgegenwärtige Tretroller wird zur dreiteiligen Wandinstallation und ein schwarzer Pudel, mit aufwendig gestaltetem buschigen Fell, erstreckt sich als elegantes Diptychon an der Wand.

Zu sehen sind die aktuellen Arbeiten von Marion Eichmann noch bis zum 28. Januar in der Kölner Galerie Anja Knoess. „Die Ausstellung zeigt meine verschiedenen Arbeitsweisen. Am Anfang steht immer die Zeichnung. Diese wird mithilfe der Schere zu einem sehr plastischen Werk. In den Arbeiten hebe ich Dinge aus meiner direkten, alltäglichen Umgebung hervor, denen sonst kaum Beachtung geschenkt wird“, sagt Eichmann bei der Vernissage.

Dabei ist der Bilderrahmen wie bei ihren Blumenstillleben oder bei dem Zahnbecher meist keine Begrenzung, sondern wird bewusst ins Bild mit einbezogen. “Alles sind Papierarbeiten, bei denen ich die Schere wie einen Zeichenstift einsetze. Das gilt für das Autobahnschild genauso wie für die Tasten am Flügel, an dem ich zuvor selbst gespielt habe“, berichtet die Künstlerin, bei der sich die Arbeit an einem Werk manchmal auch über Monate hinziehen kann. „Ich arbeite oft parallel an verschiedenen Motiven. Mir ist es wichtig, die Leichtigkeit in der Kunst zu zeigen. Gleichzeitig muss aber alles auch brillant wirken“, berichtet Eichmann über ihre außergewöhnlichen Papierarbeiten.

Service: Marion Eichmann „fast forward“ bis zum 28. Januar, Galerie Anja Knoess, Große Brinkgasse 17-19; Öffnungszeiten: Mi-Fr 11-19, Sa 11-16 Uhr

Markus Fräger bei der Galerie Biesenbach: 2020 ist der Kölner Maler Markus Fräger nach langer, schwerer Krankheit gestorben. In diesem Jahr gab es bereits im Schloss Museum Cappenberg eine Retrospektive zu seinem Werk. Mit „In memoriam Markus Fräger“ folgt nun in Köln die erste Galerieausstellung nach seinem Tod. Die Galerie Biesenbach zeigt bis zum 6. Januar Arbeiten aus den vergangenen 30 Jahren.

Fräger war Musiker und Maler. Mit seiner Band The Ace Cats startete er in den 80er Jahren seine Karriere. Dabei blieb er immer auch Maler und konzentrierte sich ab den späten 80ern komplett auf die Malerei. Die Musik blieb dabei genauso wie der Film und das Theater immer eine wichtige Inspirationsquelle.

Frägers Gemälde haben oft Fotografien als Basis. Aus den verschiedenen Szenen und Momenten schuf der Maler eine Collage, wodurch ganz unterschiedliche Menschen neu aufeinandertrafen. Der Kölner malte überwiegend figurativ, seine dichten Szenen mit starken Hell-Dunkel-Kontrasten spielen oft in Innenräumen und erinnern an die Tradition der Genremalerei als auch an Filmstills.

Es liegt nahe, in der Komposition der Figuren eine Geschichte zu vermuten, die sich jedoch nie ganz erschließt. Zu Frägers Inspirationen gehörten sowohl barocke Interieurs als auch Filme der Coen-Brüder oder die aufgeladenen Bilder von David Lynch. Zur Vorbereitung seiner Bilder ließ er auch Schauspielerinnen und Schauspieler improvisierte Szenen entwickeln und kombinierte diese mit gefundenen Fotografien und Filmstills.

Service: In memoriam Markus Fräger bis zum 6. Januar, Galerie Biesenbach, Zeughausstraße 26 (1. Etage); Öffnungzeiten: Mi-Fr 12-18, Sa 12-16 Uhr.

Hoi Köln: Im Bauch der Maschine im Kölnischen Kunstverein: Noch bis zum 21. Januar gibt es im Kölnischen Kunstverein unter dem Titel „Im Bauch der Maschine“ den zweiten der Gruppenausstellung „Hoi Köln“ zu sehen. Gezeigt werden Arbeiten unter anderem von Marie Angeletti, Monika Baer, Merlin Carpenter, Matthias Groebel, Hamishi Farah, Morag Keil, Alan Michael, Nolan Simon und Barbara Zenner.

Die von der neuen Direktorin Valérie Knoll kuratierte Schau setzt sich mit der Frage auseinander, was mit Kunst passiert, wenn sie im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz auch von rechnenden Robotern hergestellt werden kann. In der Vergangenheit bildeten solche technologischen Sprünge oft den Beginn langer Phasen revolutionärer Häutungen der Kunst. So verdankte sich der Impressionismus den Wechselwirkungen mit der Erfindung der Fotografie.

Gerade scheint wieder der Beginn einer solchen Phase bevorzustehen, in der sich die vom Menschen gemachte Kunst an ihrem technologischen Spiegel abarbeiten muss. Was können diese Maschinen und wo kommen sie an ihre Grenzen? Mit der Frage, wie er sich von ihr unterscheidet, und der Suche nach seiner Nische schaut der Mensch durch die Maschine auf sich selbst. Die Malerei scheint in diesem Moment des Zweifels, was die spezifischen Fähigkeiten des Menschen sind, ein besonders fruchtbares Medium zu sein. Das zeigen auch die aktuellen Arbeiten der Ausstellung im Kunstverein.

Service: „Hoi Köln, Teil 2: Im Bauch der Maschine“ bis zum 21. Januar, Kölnischer Kunstverein, Hahnenstraße 6; Öffnungszeiten: Di-So 11-18 Uhr.

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