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Jeck: Köln startet in den Straßenkarneval

Jeck : Köln startet in den Straßenkarneval

Zehntausende Jecken strömen zum Feiern in die Altstadt. Im Rathaus gibt es eine Gedenkminute für die Opfer in Hanau.

„Im Karneval liegen überschäumende Freude und tiefe Trauer oft nahe beeinander. Ich habe heute morgen in der Kreuzgasse eine Kerze aufgestellt, um den Tag mit etwas Nchdenklichkeit zu beginnen“, sagt Festkomiteepräsident Christoph Kuckelkorn mit Blick auf die Toten und Verletzten in Hanau. „In Köln wollen wir das Leben feiern, wie wir das jedes Jahr machen. Jetzt denken wir aber an die betroffenen Menschen in Hanau, denen unser tief empfundenes Beileid gilt. Wir haben viel Solidarität erlebt, als unser Mitarbeiter getötet wurde, der auch Karnevalist war. An ihn musste ich heute morgen denken“, berichtet OB Henriette Reker und Prinz Christian II. ergänzt: „Auch wenn wir hier heute unseren Karneval feiern, im Herzen denken wir an die Menschen in Hanau.“

Mit einer Schweigeminute begann gestern der Empfang der Oberbürgermeisterin zu Weiberfastnacht im Historischen Rathaus, zu dem traditionell das Dreigestirn kommt, bevor um 11.11 Uhr der Straßenkarneval bei den Altstädtern auf dem Alter Markt eröffnet wird, wo sich zehntausende Menschen zum Feiern versammelt hatten.

Um 8 Uhr startet der Zug
des Bellejeck zur Hofburg

Los ging der erste Tag des Straßenkarnevals bereits um 8 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz, wo sich der Bellejeckzug formierte. „Wir haben in diesem Jahr ein sensationelles und sehr volksnahes Dreigestirn. Das sind Prinz, Bauer und Jungfrau zum Anfassen. Die drei versprühen viel Lebensgeist und jeder macht in seiner Rolle eine gute Figur“, sagt Bellejeck Willi Loeven. Er selbst hat keinen Wunsch, einmal Prinz zu sein: „Der Bellejeck war im Mittelalter der Vorgänger des Prinzen, da war er Held Karneval. Das Dreigestirn kam erst später mit dem Festkomitee dazu. Mir macht der Bellejeck Spaß, weil er den Leuten die Wahrheit sagen darf, wenn etwas schiefläuft“, sagt Loeven, bevor sich der Zug mit etwa 500 Teilnehmern zum Wecken des Dreigestirn in der Hofburg in Bewegung setzt. Angefangen hatte man von zwölf Jahren mit gerade mal 50 Aktiven im Zug.

Für den vorjährigen Bauern Markus Meyer gibt es keine Wehmut: „Es ist total schön, wieder bei der eigenen Gesellschaft zu sein und wir haben jetzt ein tolles Dreigestirn, das wir wecken dürfen. Wir haben unsere Zeit als Dreigestirn gehabt, das war großartig.“

Um 9 Uhr kamen die Blauen Funken ins Rathaus, wo sie traditionell von der OB in Empfang genommen werden, das gilt auch im Jahr ihres 150-jährigen Bestehens. Von Reker gibt es viel Lob für das Dreigestirn, das sie für oscarreif erachtet: „Die drei haben ihre Rollen mit viel Leidenschaft verkörpert und konnten die Menschen wirklich begeistern. Sie haben gezeigt, wie wichtig es ist, sich umeinander zu kümmern, solidarisch zu sein und miteinander fröhlich zu sein. Jetzt hoffe ich, dass auch im Straßenkarneval friedlich und fröhlich gefeiert wird. Die Jecken sollten aufeinander achtgeben und den Respekt nicht vergessen“, sagt die OB, bevor sich in die Uniform der Roten Funken schlüpft. „Die Uniform zu tragen, ist für mich ein echtes Highlight.“

Mit der Session zeigt sich der Prinz kurz vor dem Start in den Straßenkarneval derweil sehr glücklich: „Wir dürfen gerade den Traum unseres Lebens leben und die Menschen haben uns das wirklich leicht gemacht. Heute beginnt der Höhepunkt unseres Traums und wir werden keine Minute nachlassen“, verspricht Christian II., bevor es kurz vor 11 Uhr auf den Alter Markt geht.

Im Rathaus ziegten sich auch die Parteien jeck. So kamen die Grünen als die grüne Seite der Macht an Star Wars angelehnt. Bei der FDP standen die Veedel auf den pinken Anzügen im Mittelgrund. Die SPD hatte bereits am Abend zuvor in der Arena ihr „Närrisches Parlament“ gefeiert und dabei viel politische Prominenz aus den eigenen Reihe begrüßen können. Dazu zählte die Bundesspitze der Partei mit Norbert Walter Borjans und Saskia Esken, die frühere Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, der frühere NRW-Innenminister Ralf Jäger, Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes, der SPD-Fraktionschef im Landtag, Thomas Kutschaty, OB-Kandidatat Andreas Kossiski und die Kölner SPD-Chefin Christiane Jäger.