Musik „Köln hat als Jazzstadt auch heute noch eine große Bedeutung”

Köln · Till Brönner ist nicht nur Deutschlands erfolgreichster Jazztrompeter, sondern auch Komponist, Arrangeur, Professor, Grenzgänger, Radiomoderator und Fotograf. Mit seinem neuen Album „Christmas“ geht der gebürtige Viersener nun auf Weihnachtstour.

 Zum Gespräch hat sich unsere Zeitung mit dem Jazztrompeter Till Brönner in der Kölner Altstadt getroffen.

Zum Gespräch hat sich unsere Zeitung mit dem Jazztrompeter Till Brönner in der Kölner Altstadt getroffen.

Foto: step/Eppinger

NRW-Station sind am 8. Dezember die Mercatorhalle in Duisburg, am 9. Dezember die Tonhalle in Düsseldorf und am 10. Dezember die Historische Stadthalle in Wuppertal. Wir haben Till Brönner in Köln getroffen, der Stadt, in der er an der Hochschule für Musik Jazztrompete studiert hat.

Wie kann Jazz heute noch die junge Generation begeistern?

Till Brönner: Das ist eine Frage, die ich mir selbst schon häufiger gestellt habe. Ich habe das Gefühl, dass Jazz den jungen Menschen weniger etwas sagt, als dies je zuvor der Fall war. Das liegt auch an den Hörgewohnheiten, der Menschen heutzutage, die auf eine ganz andere Art von Musik fokussiert sind. Zudem ist Jazz eine Musik, die sich einem erst auf das zweite Hinhören erschließt und die man sich auch ein Stück weit erarbeiten muss. Dazu fehlt leider oft die Bereitschaft. Aber als Dozent an einer Musikhochschule erlebe ich bei den Aufnahmeprüfungen eine ganz andere Situation, wenn ein 19-Jähriger beim Vorspielen zeigt, dass er einen echten Bezug zu dieser Musik entwickelt hat. Daher komme ich zu dem Schluss, dass es die Eltern sind, die ihre Kinder für den Jazz begeistern. Das war auch schon bei mir nicht anders. Damit hat das Virus Jazz die gleichen Übertragungswege wie in meiner Jugend.

Was und wer hat Sie damals für den Jazz begeistert?

Brönner: In den 70er Jahren habe ich mit meiner Großmutter regelmäßig die großen Abendsendungen angeschaut. Bei den Shows beispielsweise mit Harald Juhnke gab es immer eine Big Band. Das hat mir als Kind gefallen und mein Traum war es, selbst in so einer Big Band zu spielen. Und später war ich Teil des Rias Tanzorchesters unter Horst Jankowski. Das war meine erste Station als Musiker, die mich für meinen weiteren Werdegang sehr geprägt hat. Das gilt auch für die Platten von Louis Armstrong, die ich bei meinem Vater gehört habe. Damals kam bei mir das Interesse für mein heutiges Instrument, die Trompete, auf. Und damals wusste ich auch schon, dass ich später einmal Berufsmusiker werden möchte. Nur die Musikrichtung war noch offen. Das hat sich mit der Musik von Charly Parker geändert. Da wusste ich, dass ich Jazztrompeter werden will.

Sie haben in Köln an der Musikhochschule studiert. Welchen Bezug haben Sie heute zur Jazzstadt Köln?

Brönner: Als junger Musiker vom Niederrhein war Köln die Musikstadt für mich. Wer es dort als Musiker geschafft hatte, war etwas in der Musikszene. Das hat Köln auch Institutionen wie der WDR Big Band zu verdanken, die bis heute ihre Bedeutung erhalten konnte. Für den Jazz war Köln national und international das große Zentrum. Auch heute hat Köln neben Berlin für dieses Genre eine große Bedeutung. Die Stadt hat in der Musik eine extreme hohe Professionalität und verfügt über das Umland, das für Musiker wichtig ist, um sich ganz nach oben zu spielen.

Jetzt gehen Sie mit Ihrem neuen Album „Christmas“ auf große Weihnachtstour.

Brönner: 2007 habe ich mein erstes Weihnachtsalbum veröffentlicht, das mein erfolgreichstes Album bislang wurde. Da gab es schon einen Impuls, das mit einem neuen Konzept zu wiederholen. Außerdem liebe ich die Weihnachtsalben bekannter Jazzgrößen sehr. Da haben bekannte Weihnachtslieder wie „Stille Nacht“ ganz neue Dimensionen erfahren. Weihnachten fasziniert uns Menschen, da wir in dieser Zeit es uns erlauben zu können, den gerade heute oft sehr harten Alltag für einige Tage loszulassen. Allerdings wollte ich das erste Album, das mit dem großen Orchester sehr glamourös war, nicht wiederholen. Das neue Album ist deutlich zurückgenommener und intimer geworden und erinnert eher an ein Kammerspiel. Es ist aber nicht minder feierlich geworden.

Was erwartet das Publikum bei der anstehenden Tour?

Brönner: Das Programm wird ein großes Spektrum von ganz heiß bis ganz kalt abdecken. Mir ist es wichtig, ein Konzert wirklich dynamisch zu gestalten. Ich möchte nicht genau das präsentieren, was es auf der CD zu hören gibt. So erwarten das Publikum einige Überraschungen und auch überraschende Gäste. Es wird kammermusikalische Momente genauso geben wie die ganz großen Momente. Bei mir und den anderen Musiker ist die Vorfreude bereits sehr groß.

Welche Beziehungen haben Sie zu Orten wie der Tonhalle in Düsseldorf oder der Historischen Stadthalle in Wuppertal?

Brönner: Zu beiden Orten habe ich besondere Beziehungen. Düsseldorf und die Tonhalle sind wie eine Heimat für mich, auch weil ich die rheinische Mentalität ganz tief in mir trage und weil dort alles angefangen hat. In Wuppertal ist alleine schon die Optik der Stadthalle mit ihrem großen Saal großartig und passt perfekt zu meinem Weihnachtsprojekt. Das gilt auch für die Tonhalle mit ihrer großen Kuppel. An beiden Orten bin ich schon sehr oft aufgetreten.

Wie feiern Sie persönlich Weihnachten?

Brönner: In diesem Jahr werde ich mich wegen der Tour nicht ganz so intensiv an den Vorbereitungen beteiligen können, wie das sonst der Fall ist. Aber ich habe eine tolle Familie, die mich unterstützt, und die dafür sorgt, dass alle Zutaten bereitliegen, wenn ich mich am 23. Dezember an den Herd stelle und koche, was ich sehr gerne mache. Dann wird an diesem Tag von frühmorgens bis spätabends gekocht und vorbereitet, damit es an den eigentlichen Feiertagen in der Küche etwas entspannter abläuft. Am liebsten mag ich Geschmortes. Da hat man einmal den großen Aufwand beim Kochen und dann wird das Gericht bei jedem Aufwärmen immer besser.

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