Überblick Massenandrang am 11.11. in Köln erwartet: Das gilt für Zülpicher Viertel und Co.

Köln · Mit 1000 Polizisten, 180 Ordnungsamtsmitarbeitenden und mehr als 1000 privaten Sicherheitskräften will die Stadt den erwarteten Ansturm zum Karnevalsauftakt am 11. November kontrollieren. Da der Tag diesmal auf einen Samstag fällt, wird mit einem Massenandrang von Partytouristen gerechnet.

Zum Sessionsauftakt werden in Köln am 11. November wieder viele Feiernde erwartet.

Zum Sessionsauftakt werden in Köln am 11. November wieder viele Feiernde erwartet.

Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Bereits in den vergangenen Jahren sei die Zahl der Feiernden „exponentiell gestiegen“, sagt die Leiterin des Ordnungsamtes, Athene Hammerich. Die meisten Besucher steuerten sofort den Bereich um die Zülpicher Straße, das sogenannte „Kwartier Latäng“, an. „Gerade die jungen Leute, die aus dem ganzen Bundesgebiet mittlerweile anreisen, wollen eben auf die Zülpicher“, sagte Hammerich. „Das ist der place to be. Mit der Begründung: Da sind alle.“

Appell an angemessene Kostüme in der aktuellen Krisenzeit

Eine besondere Herausforderung ergibt sich in diesem Jahr aus dem Umstand, dass in dem Viertel auch die größte Kölner Synagoge liegt. Sie werde angesichts der vielen antisemitischen Straftaten seit den Terroranschlägen auf Israel mit Gittern abgesperrt und besonders gesichert, kündigte der Polizei-Einsatzleiter Frank Wißbaum an. Er appellierte an alle Feiernden, Kostüme auf die derzeitige Krisensituation abzustimmen und zum Beispiel auf echt aussehende Waffenattrappen zu verzichten. „Ich male mir gar keine Bilder aus, dass irgendwer mit einer Anscheinswaffe alkoholisiert vor der Synagoge rumläuft und „Free Palästina“ ruft“, sagte Wißbaum. „Wer jetzt meint, eine Verkleidung als Terrorist haben zu müssen, der ist offensichtlich nicht in der Lage, die „Tagesschau“ abends zu sehen.“

Das Kölner Studentenviertel rund um die Zülpicher Straße gilt mit seinen vielen Bars und Kneipen schon lange als Mega-Hotspot, der auch an normalen Wochenenden viele Partytouristen von auswärts anzieht. An Karneval kommt es in Verbindung mit exzessivem Alkoholkonsum regelmäßig zu unschönen Begleiterscheinungen, die die Bewohner verärgern. Im vergangenen Jahr hatte das Ordnungsamt die Feiernden am 11.11. aufgerufen, „nicht in Hauseingänge zu urinieren und sich ein bisschen zu benehmen“.

Die Stadt hat für den Elften im Elften ein umfangreiches Maßnahmenpaket präsentiert, mit dem sie die schwierige Situation beim Sessionsauftakt in den Griff bekommen will:

Kwartier Latäng (Zülpicher Viertel): Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre sperrt die Stadt das Viertel rund um die Zülpicher Straße erneut ab, um eine Überfüllung zu verhindern und den Einsatz von Rettungskräften zu ermöglichen. Der Zugang ins Viertel wird für die Feiernden ausschließlich über die Zugänge an der Uni-Mensa sowie auf der Roonstraße möglich sein. Die Feiernden aus Richtung Barbarossaplatz werden über die Luxemburger Straße in Richtung Uni-Wiese abgeleitet. Die aus Richtung Rudolfplatz ankommenden Feiernden werden über die Beethovenstraße in Richtung des Zugangs auf der Roonstraße geführt und im Falle einer Sperrung dieses Zugangs über Lindenstraße und Bachemer Straße ebenfalls in Richtung Uni-Wiese abgeleitet. In beiden Eingangsbereichen gibt es versetzt mehrere Kontroll- und Sperrmöglichkeiten. Sollte das Zülpicher Viertel ausgelastet sein, können sich die Feiernden auf der Uni-Wiese aufhalten. Dort werden Speisen und Getränke sowie Musik angeboten.

Altstadt: Auf dem Heumarkt und dem Alter Markt findet auch in diesem Jahr die traditionelle Veranstaltung der Willi-Ostermann-Gesellschaft statt. Auch hier gibt es Absperrungen rund um den Veranstaltungsort. Näheres zum traditionellen Sessionsauftakt, zu dem das designierte Dreigestirn und OB Henriette Reker genauso wie zahlreiche kölsche Bands erwartet werden, will der Veranstalter am kommenden Freitag bekannt geben.

Ordnungsamt: 183 Mitarbeitende des Ordnungsdienstes sind am 11.11. im Einsatz. In diesem Jahr werden sie im Spätdienst von 14 Kräften aus Wuppertal unterstützt. Athene Hammerich, Leiterin des Ordnungsamtes, kündigt ein konsequentes Vorgehen des Ordnungsdienstes an und betont: „Echte Jecken feiern respektvoll und friedlich. Wer sich daneben benimmt und den Sessionsstart als Anlass missversteht, unsere Stadt zu vermüllen und die Menschen, die im Bereich der Karnevalshotspots leben, zu schikanieren, muss mit Konsequenzen rechnen. Denn gemeinsam mit der Polizei werden wir im Einsatz sein, damit die Jecken sicher feiern können und der 11.11. nicht von negativen Auswüchsen überschattet wird.“ Die Stadt wird ab Ende Oktober mit einer breit angelegten Informationskampagne sowohl in Köln selbst als auch im Umland zum respektvollen Miteinander am 11.11. aufrufen.


Einlasskontrolle und Glasverbot: Mehr als 1000 Mitarbeitende von privaten Sicherheitsunternehmen unterstützen in zwei Schichten die Arbeit des Ordnungsamtes – davon fast 800 im Zülpicher Viertel. Sie wurden von der Stadt mit der Einlasskontrolle des Zugangs und der Sicherung von Straßensperren beauftragt. Darüber hinaus werden sie das Glasverbot in der Altstadt und im Zülpicher Viertel überwachen, das es unter dem Motto „Mehr Spaß ohne Glas“ auch in diesem Jahr gibt, um Verletzungsgefahren vorzubeugen. Mitgebrachte Glasflaschen müssen an den Kontrollstellen abgegeben werden. Getränke können in Plastikbecher umgefüllt werden.

Jugendschutz: Zum Jugendschutz suchen Mitarbeitende von Ordnungsdienst und Jugendamt bereits vor dem 11.11. Kioskbesitzer und Gewerbetreibende auf, um sie daran zu erinnern, dass kein Alkohol an Jugendliche unter 16 Jahren abgegeben werden darf und keine Spirituosen an unter 18-Jährige. Am 11.11. werden sich 14 Streetworker um junge Feiernde, die Hilfe benötigen, kümmern.

Toiletten: In den Hotspots wird die Stadt mehrere hundert Toiletten aufstellen: 550 Toilettenhäuschen, 170 Urinale und 25 Toilettenwagen/-container. Dazu kommt das zusätzliche Angebote der ortsansässigen Gastronomen und der Willi Ostermann Gesellschaft, die zwölf Toilettenwagen/-container aufstellt. Wildes Urinieren wird der Ordnungsdienst konsequent ahnden. Das Verwarngeld beträgt bis zu 200 Euro.

Sexualisierte Gewalt: Mädchen und Frauen, die sexuell belästigt, genötigt, bedroht oder vergewaltigt worden sind, finden Rat und Hilfe bei Edelgard-Beraterinnen. Diese sind von 11 bis 1 Uhr nachts unter der Telefonnummer 0221/221-2777 erreichbar. Ein persönliches Gespräch kann auf Wunsch vereinbart werden. Bis etwa 20 Uhr sind die Beraterinnen auch mobil unterwegs und informieren über Edelgard.

Verkehrseinschränkungen: Im Zülpicher Viertel werden am 11.11. zwischen 6 und 7 Uhr vor allem Straßen rund um die Zülpicher Straße gesperrt. Betroffen sind der Hohenstaufenring zwischen Lindenstraße und Barbarossaplatz, der Zülpicher Platz, die Zülpicher Straße zwischen Universitätsstraße und Roonstraße, die Roonstraße zwischen Lindenstraße und Barbarossaplatz, die Engelbertstraße, die Heinsbergstraße, die Hochstadenstraße, die Kyffhäuserstraße, die Meister-Gerhard-Straße, die Dasselstraße, der Rathenauplatz, die Lochnerstraße, die Görresstraße, die Boisseréestraße, die Moselstraße zwischen Zülpicher und Luxemburger Straße, der Zülpicher Wall und die Wilhelm-Waldeyer-Straße. Um 8 Uhr wird auch die Meister-Ekkehart-Straße für den allgemeinen Verkehr gesperrt. Die Luxemburger Straße wird stadtauswärts bei Bedarf komplett gesperrt. Der Verkehr wird dann über den Salierring abgeleitet. In der Altstadt werden die Straßen rund um das Veranstaltungsgelände zwischen 6 und 8 Uhr gesperrt. Dies betrifft die Deutzer Brücke vom Rechtsrheinischen ins Linksrheinische, die Umfahrung am Heumarkt, die Markmannsgasse, die Augustinerstraße, die Gürzenichstraße, die Kleine Sandkaul, den Quatermarkt, den Gülichplatz, Obenmarspforten, die Martinstraße, die Bolzengasse, den Steinweg, der Marsplatz, das Seidenmacherinnengässchen, die Straße Alter Markt, Unter Goldschmied, die Kleine Budengasse, die Bürgerstraße, Am Hof, die Bechergasse, die Große Neugasse, Auf dem Brandt, den Kurt-Hackenberg-Platz und Am Domhof. Die Ausfahrt aus den Parkhäusern bleibt möglich. Die Einfahrt kann gegebenenfalls nur eingeschränkt möglich sein. In der Südstadt, der Friesenstraße und der Schaafenstraße erfolgen Sperrungen bedarfsabhängig. mit dpa

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort