Natur : „Jagd“ auf die Gartenorchidee

Die breitblättrige Stendelwurz gehört zu den besonderen Pflanzen in der heimischen Flora – sie wird jetzt auf Leverkusener Gebiet in ihrem Vorkommen gezählt.

Die breitblättrige Stendelwurz ist die in Leverkusen bekannteste einheimische Orchidee, welche auch in so manchem Garten von Natur aus wächst. Um mehr über die Verbreitung dieser Pflanze zu erfahren, bitten die Naturschützer wieder alle Leverkusener um Unterstützung bei der Zählung der Stendelwurz. Durch die vielen Rückmeldungen der Leverkusener in den letzten Jahren ist unser Wissen über das Vorkommen dieser schönen Pflanze deutlich gestiegen. Fast 70 Standorte kennen wir so inzwischen in Leverkusen. Diese hübsche Pflanze kommt manchmal auch in unseren Gärten vor. Dort bevorzugt sie ungedüngte und ungespritze Bereiche.

Die Pflanze wird bis zu 80 Zentimeter groß und blüht mit 25 bis 80 wunderschönen weißrosa bis grünlichen Einzelblüten pro Stengel. Zu finden ist sie in der Zeit von Juni bis August an lichten bis halbschattigen Standorten wie Waldränder, Lichtungen oder Gärten. Und wie immer gilt auch hier: mit den Augen genießen, aber niemals ausreißen oder pflücken.

Die breitblättrige Stendelwurz lockt Wespen mit einem Duftstoff an, der ihnen Beute signalisiert. Der Duft ähnelt einer Kohlweißlingsraupe, mit der die Wespen gerne ihren Nachwuchs ernähren. Die Insekten finden dann am Ziel zwar keine Beute, aber auch etwas leckeres, ein reiches Nektarangebot. Einmal vor Ort übernehmen sie mittels eines raffinierten Systems die Bestäubung der Orchideen. Und das klappt so: der Blütenstaub der Stendelwurz ist in Pollenpaketen, den sogenannten Pollinien konzentriert, die mit einer Klebescheibe versehen sind. Wenn ein Insekt in eine Blüte krabbelt, werden durch spezielle Mechanismen die Pollenpakete auf den Rücken oder Kopf der Insekten geklebt. Bei der nächsten Blüte bleiben diese Pollen dann an der Narbe der Blüte hängen und führen so zur Befruchtung.

In den Fruchtkapseln reifen anschließend die winzigen, kleinen Samen heran. Auffallend ist dabei die hohe Anzahl von etwa 10.000 Samen pro Frucht. So hat die Orchidee gute Möglichkeiten sich weiterzuverbreiten, denn die Samen werden aufgrund ihrer Leichtigkeit vom Wind bis zu zehn Kilometer weit verweht.

Da die Samen keine Nährstoffe beinhalten, sind sie zur erfolgreichen Keimung auf bestimmte Pilze angewiesen. Diese Pilze versorgen die Samen mit Wasser und Nährsalzen (Symbiose). Bis zur blühenden Orchideen vergehen dann meist mehrere Jahre.

Die breitblättrige Stendelwurz wurde 2006 zur Orchidee des Jahres gewählt. Der Arbeitskreis heimischer Orchideen (AHO) wollte dadurch darauf hinweisen, dass der Bestand auch dieser, eigentlich recht häufigen und robusten Art aufgrund der Verschlechterungen der Lebensräume inzwischen zurückgeht.

Die Leverkusener Naturschutzverbände Nabu und Bund möchten gerne mehr über die Verbreitung der breitblättrigen Stendelwurz in Leverkusen erfahren. Sie rufen daher erneut alle Bürgen auf, ihnen die Standorte dieser phantastischen Orchidee zu melden. Durch die Hilfe der Mitbürger kann so die Verbreitungskarte dieser Orchidee für Leverkusen vervollständigt werden. Weiterhin können können die Natirschützer nur so registrieren, wenn der Bestand der Pflanze zu- oder abnimmt. Somit kann die Orchidee eine Rolle als Bioindikator übernehmen und uns wichtige Informationen über die Änderungen der Umwelt liefern.

Wer den Umweltschützer helfen möchte, sollte sich bei den Leverkusener Naturschutzverbänden Nabu und Bund melden: Infos per Mail an meldungen@nabu-leverkusen.de am besten mit einem Foto oder per Telefon auf den Anrufbeantworter im Infotreff der Naturschutzverbände unter 0214-506424. Genaue Ortsangaben und Anzahl der Pflanzen erleichtern den Mitgliedern die Auswertung.

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