Videodays: Internethelden ganz real zm Anfassen

Videodays : Internethelden ganz real zm Anfassen

Zum größten YouTube-Treffen der Welt kommen 15000 Fans in die Kölner Arena.

Köln. Das laute Kreischen und die eine oder andere Träne sind am roten Teppich vor der Kölner Arena ganz real. Zu sehen gibt es dort die Stars der YouTube-Szene. Die Lochis kommen genauso an den Drängelgittern vorbei wie Y-Titty, Alberto und Joyce oder das Trio von Bullshit TV.

Sie und die anderen YouTuber leisten am Teppich Akkordarbeit in Sachen Selfies und Autogramme, die auch im digitalem Zeitalter trotz aller Unkenrufe noch sehr gefragt sind. Regelmäßig werden die Fans von ihren Idolen umarmt und geknuddelt - hier gibt es digitale Helden zum Anfassen. Auch das eine oder andere kurze Gespräch ist möglich, bevor in der Halle wenig später die große Bühnenshow beginnt.

Derweil dürften die meisten Filme und Bilder vom roten Teppich bereits in den verschiedenen Foren der sozialen Netzwerke online sein. Und die Fans sind nicht die einzigen, die fotografieren und filmen. Auch die Stars nehmen so ihre Erinnerung mit in den Backstagebereich. Vor der großen Bühne, die sich vor denen der großen Musikstars nicht zu scheuen braucht, leisten die Smartphones bei den mehr als 15000 Fans Schwerstarbeit. "Meine Freundin konnte nicht mit nach Köln kommen. Wenn ich das jetzt hochlade sieht sie trotzdem alles", sagt Anna (15), die extra aus München angereist ist.

Zu den angesagten Stars der Szene gehört auchdie Kölnerin Joyce Ilg. "Schon der erste Tag war genial. Ich bin überwältigt von so viel positiver Energie. Man kann mit so kleinen Gesten Menschen glücklich machen. Schade ist nur, dass wir bei all der Massenabfertigung nicht mehr Zeit für die Fans haben", sagt die 31-Jährige. In ihrem Privatleben ist die Zeit, in der ihre Anhänger in der Schule sitzen, die ruhigste am Tag.

Ansonsten ist das Erkanntwerden auf der Straße zum Alltag geworden. "Ursprünglich habe ich mit meinem YouTube-Kanal die freie Zeit gefüllt, die ich bei meiner Arbeit als Schauspielerin habe. Mittlerweile ist YouTube ein Vollzeitjob geworden. Hier kann ich genau das machen, was ich will."

Gerade sein Abi gemacht hat Jonas Main von Ufone-TV. "Anfangs war ich noch als Fan hier bei den Videodays. Dass ich jetzt nach Autogrammen gefragt und auf der Straße angesprochen werde, ist echt krass. Die Fans ganz real zu erleben ist großartig", sagt der 18-Jährige. Täglich investiert er mehrere Stunden in seinen Comedy-Kanal.

"Es geht nicht nur ums Drehen von Videos, sondern auch darum, den Kontakt zu den Fans zu pflegen." Angefangen hat er mit einer einfachen Webcam, heute nutzt Jonas eine teure Spiegelreflexkamera für seine Drehs. Auf YouTube als Job will er aber nicht setzen. "Das Internet ist mir zu schnelllebig. Deshalb will ich studieren und später im Bereich Regie oder Drehbuch arbeiten."

Bei den Videodays zeigen sich auch immer mehr etablierte Künstler, wie ESC-Gewinnerin Lena, die ihren eigenen Youtube-Kanal am Start hat. Für sie ist das Internet eine Chance direkt ein großes Publikum zu erreichen und ebenso direkt ein Feedback zu bekommen. Anders als in der Fernsehwelt ist Lena hier eine Nachwuchskünstlerin und TV-Star Oliver Pocher moderiert nicht auf der großen Bühne, sondern nur am roten Teppich. Auch die katholische Kirche nutzt inzwischen YouTube und ist mit einer Preisverleihung auf den Videodays vertreten.

Inzwischen haben die Kölner Videodays beim Publikum ihre Obergrenze erreicht. Waren es zu Beginn 2010 noch 400 YouTuber, die sich auf der Gamescom trafen, füllt Veranstaltung Europas größte Halle bis unters Dach. Künftig setzen die Veranstalter daher auf mehrere Veranstaltungen in verschiedenen Städten. So sollen nach Berlin in diesem Jahr bald auch Hamburg und München sowie eventuell auch Zürich als Veranstaltungsorte folgen.

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