Wirtschaft: IHK: Mit vollem Programm ins neue Jahr

Wirtschaft : IHK: Mit vollem Programm ins neue Jahr

Die drohenden Dieselfahrverbote bereiten vielen Unternehmen in Köln und in der Region große Sorgen.

Nach wie vor brummt die Konjunktur im Bezirk der Industrie- und Handelskammer, die neben Köln auch für Leverkusen, den rheinisch-bergischen Kreis, den Rhein-Erft-Kreis und Oberberg zuständig ist. „Gerade jetzt wäre es aber grundverkehrt, die Hände in den Schoß zu legen“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Ulf Reichardt. „Die Herausforderungen sind vielfältig und müssen jetzt mit gemeinsamer Kraft weiter bearbeitet werden.“

Als dringende Themen stellt Reichardt die Situation rund um die Erreichbarkeit der Unternehmen, die immer schwierigere Suche nach Fachkräften und die schwindende Akzeptanz der beruflichen Ausbildung in den Fokus. „Daneben spielen auch aktuelle Themen wie die ungelösten Fragen nach den Dieselfahrverboten und dem Ausbau des ÖPNV in Köln eine Rolle. Ebenso beschäftigen die globalen Risiken wie die Instabilität bei europäischen Partnern sowie der Brexit die Unternehmen in der Region intensiv.“

Besonders in Köln reißen die Verkehrsprobleme nicht ab. „Die Kölner Stadtverwaltung muss ihre Aufgaben endlich umfassend, schnell und effizient erledigen“, sagt Ulrich S. Soénius, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Köln und für den Bereich Standort zuständig. „Aber auch die Unternehmen müssen ihren Teil beitragen: Zum Beispiel durch ein intelligentes betriebliches Mobilitätsmanagement.“

Dazu bietet die IHK Köln Lehrgänge mit Zertifikat an, mit verstärkter Beratung und Mobilitätswochen zum einfachen Ausprobieren von Alternativen wie E-Bikes oder dem ÖPNV will die IHK die Lust auf ein mobiles Umdenken wecken. Eine Studie, die gemeinsam mit der KVB geplant ist, wird die bessere Anbindung von Gewerbegebieten untersuchen. Zentrales Thema des städtischen Verkehrs sind jedoch nach wie vor die Dieselfahrverbote.

Der Fachkräftemangel spitzt
sich in Köln und Region zu

In einer Blitz-Umfrage hat die IHK Köln Unternehmen und Pendler/innen nach ihren Erfahrungen gefragt, mit eindeutigem Trend: Unternehmen sehen besonders ihre Mitarbeiter, aber auch Kunden und Warenströme betroffen. Der geschätzte finanzielle Aufwand liegt laut Umfrage bei durchschnittlich 52.000 Euro pro Unternehmen. Bei rund 50.000 Unternehmen innerhalb der Kölner Umweltzone kann man diese Summe leicht hochrechnen. Die meisten Unternehmen möchten ihre Fahrzeugflotte erneuern und sich im Rahmen eines betrieblichen Mobilitätsmanagements weitere Alternativen überlegen. Über 40 Prozent der Befragten sehen derzeit keine Alternative zur aktuellen Fahrzeugflotte.

Die IHK Köln ruft ihre Mitglieder auf, geplante und getroffene Maßnahmen zur Reduzierung von Luftschadstoffen an die IHK zu melden. „Damit meinen wir beispielsweise die Erneuerung der Fahrzeugflotten oder die Reduzierung der Pendlerfahrten durch Fahrgemeinschaften, ÖPNV oder ähnliches. Alles, was belastbare Zahlen enthält, ist für uns wichtig!“, so Soénius. Die Meldungen werden gebündelt an die Bezirksregierung Köln weitergeleitet und dienen dazu, den Luftreinehalteplan zu vervollständigen. Dieser wird im Berufungsverfahren zum Dieselfahrverbot eine Rolle spielen.

Neben den strukturellen Problemen befassen sich die regionalen Unternehmen vor allem mit dem spürbaren Fachkräftemangel. Die weiterhin schwächelnde Akzeptanz der dualen Berufsausbildung bei jungen Leuten, der Trend zur Akademisierung und ein leergefegter Arbeitsmarkt bei vollen Auftragsbüchern in vielen Branchen spitzen die Lage weiter zu.

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