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Interview: „Ich mag die Abgründe von Julia“

Interview : „Ich mag die Abgründe von Julia“

Die Kölner Schauspielerin Mirka Pigulla spielt in der Serie „In aller Freundschaft – die jungen Ärzte“ Julia Berger.

Gab es bei Ihnen mal Pläne, selbst Ärztin zu werden?

Mirka Pigulla: Nein, Medizin war bei mir nie eine Option, ich wollte schon immer Schauspielerin werden. Eine Ausnahme gab es während der Schulzeit. Da hatten bei der Berufsfrage alle meine Mitschüler wissenschaftliche Ziele genannt. Daher kam von mir die Antwort, ich will Schauspielerin oder Eisbärforscherin werden. Diese Tiere mag ich sehr.

Wie war der Einstieg in Ihre Rolle als Ärztin?

Pigulla: Anfangs etwas holprig, weil ich da noch nicht ganz verstanden hatte, was von mir in dieser Rolle verlangt wird. Ich sollte ja den Sonnenschein in der Serie spielen. Mir ist aber immer wichtig, dass es da auch ein Geheimnis und einen Abgrund gibt. Das hat sich mit der Zeit aber verbessert. Julia hat inzwischen viele Abgründe, die ich sehr mag. Das macht die Rolle weniger eindimensional. Die entscheidende Veränderung kam dadurch, dass ich es nicht mehr anderen recht machen wollte, sondern dass ich die Julia so gespielt habe, wie es sich für mich richtig anfühlt.

Wie ähnlich sind Sie Ihrer Rolle?

Pigulla: Viele Menschen denken, dass ich Julia sehr ähnlich bin. Das trifft so aber nicht zu. So haben meine Eltern mich bekommen, als sie noch Studenten waren. Wir hatten eine kleine Wohnung und mussten auf das Geld achten. Julia ist dagegen gut betucht groß geworden. Und Julia ist deutlich spießiger als ich. Etwas schwierig finde ich es, wenn mich die Leute mit Julia gleichsetzen und mich auch mit Julia ansprechen. Als Schauspielerin ist mir eine vielfältige Rollenauswahl wichtig und Julia ist eben nur eine davon. Beängstigend fand ich anfangs auch, dass Menschen mich wegen ihrer gesundheitlichen Problemen angesprochen haben. Da musste ich immer sagen, ich bin Schauspielerin und tu nur so, als ob ich eine Ärztin wäre.

Wie haben Sie sich mit dem Thema Medizin vertraut gemacht?

Pigulla: Zu Beginn gab es einen dreitägigen Crashkurs, bei dem wir gelernt haben, wie man eine Spritze setzt oder wie man diese aufzieht. Auch das Nähen im OP mussten wir üben und bekamen dafür sogar die Instrumente mit nach Hause. Ich habe mich immer gefragt, wie die Ärzte sowas im Ernstfall beherrschen.

Was erwarten Sie selbst von einem guten Arzt?

Pigulla: Ich bin eher jemand, der die klassische Schulmedizin hinterfragt und der sich hier gerne etwas breiter aufstellt. Wichtig ist, dass ein Arzt seine Patienten nicht nur mit Medikamenten vollpumpt, sondern dass er als Mensch auch auf andere Menschen eingehen und ihnen zuhören kann. Man muss sich dafür auch Zeit lassen und an der hapert es in unserem Gesundheitssystem leider. Ich höre da auf mein Gefühl, wenn ich zum Arzt muss. Angst habe ich davor definitiv nicht, auch nicht vor dem Zahnarzt.

Jetzt steht in der Serie ein Halloween-Special an.

Pigulla: Ja, das haben wir uns lange gewünscht und es ist auch sehr schön geworden. Ich habe mein tolles Kostüm wirklich geliebt. Die Zuschauer können sich auf diese Folge wirklich freuen.

Was passiert weiter mit Julia?

Pigulla. Es wird bei Julia auf jeden Fall noch große Überraschungen geben, so ist ja eine Halbschwester von ihr aufgetaucht. Eine neue Liebe muss noch warten. Julia hatte viele Affären und muss sich jetzt erst einmal auf sich konzentrieren.

Feiern Sie selbst gerne Halloween?

Pigulla: Ja, sehr gerne. Ich mag es, mich zu verkleiden und bin auch ein Karnevalsmensch. Ich mag auch gerne Gruselfilme, die ich mich mit meiner Schwester gemeinsam anschaue. Ich habe das aber auch schon bereut, als ich dann alleine in meiner Wohnung war.

Welche Beziehung haben Sie zu Köln?

Pigulla: Köln ist meine Heimat. Mir geht das Herz auf, wenn ich hierher zurückkomme und den Dom sehe. Ich mag die vielen Traditionen in der Stadt und die Offenheit der Menschen, ganz nach dem Motto „Jeder Jeck ist anders“. Karneval ist eine schöne Sache und sollte nicht mit dem Ballermann gleichgesetzt werden. Ich finde auch die Texte in den kölschen Liedern schön. Da zeigt man Toleranz, ist gegen rechts und lässt niemand alleine zurück.

Wie anstrengend ist das Pendeln zwischen den Städten für Sie?

Pigulla: Das ist schon anstrengend. Ich wohne in Berlin, drehe in Erfurt und komme oft in meine Heimat Köln zurück. Aber bei den Zugfahrten kann man auch sehr gut Drehbücher lesen und entspannen.