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Interview: „Heimat ist etwas, das man nicht beschreiben kann“

Interview : „Heimat ist etwas, das man nicht beschreiben kann“

Was bedeutet für Sie als bayerische Band Heimat?

Stefan Dettl: Das ist eine Frage, die wir oft gestellt bekommen – vor allem in Bayern. Auch dort scheint Heimat nicht immer natürlich, sondern auch schon mal etwas skrurril zu sein. Heimat ist etwas, das man eigentlich nicht beschreiben kann, weil sonst die Magie zum Teufel geht. Es ist der Zauber, wenn man von einer großen Reise zurückkommt – ein bestimmter Geruch oder der schattige Platz unter einem Baum. Heimat ist ein Gefühl.

Sie spielen auch gerne als Band mit dem Klischee Heimat.

Dettl: Wenn ich bayerisch rede und so aussehe, wie ich aussehe, ist das ein schönes Gefühl, bei dem ich mich auch wohlfühle. Das gibt mir auf der Bühne Selbstsicherheit. Wenn ich dort mit Anzug stehen müsste und nur hochdeutsch reden dürfte, wäre das deutlich schwieriger für mich. Daraus ergeben sich natürlich gewisse Klischees, mit denen wir als Band gerne spielen.

Die Region rund um den Chiemsee hat durchaus eine Beziehung zum Reggae, der für LaBrassBanda auch eine Rolle spielt.

Dettl: Das Festival im Sommer hat die Region schon geprägt und weltoffener gemacht. Als Jugendliche sind wir auf dort hingefahren und haben am Zaun dann Reggae gehört. Bayern hat oft den Ruf, sehr konservativ und traditionsgebunden zu sein. Das trifft auf eine Region wie rund um den Chiemsee nicht zu. Da ist man sehr offen für andere Musikstile und Kulturen. Die Erfahrungen haben auch unsere Kölner Musikerkollegen von Bukahara gemacht, die bei uns sehr beliebt sind.

Wie ist es, in Zeiten von Corona Blasmusik zu machen?

Dettl: In der ersten Zeit der Pandemie haben wir gar nichts gemacht und auch aufs Proben verzichtet, weil uns das einfach zu heikel war. Jetzt gibt es in zwei Wochen die ersten Konzerte bei einer Biergarten-Tour durch Bayern. Das Konzept haben wir genau mit dem Staatsministerium und der Dehoga abgesprochen. So gibt es Schutzmasken für die Blasinstrumente und eine Plexiglaswand für den Sänger. Uns ist es sehr wichtig, dass sich die Menschen bei den Konzerten sicher fühlen und dass dabei keine gefährlichen Momente entstehen können. Aber das ist auch der Reiz an der aktuellen Situation, als Künstler muss man jetzt kreativ sein.

Was macht den Sound der Band aus, die weltweit erfolgreich ist?

Dettl: Die Leute haben bei unseren Konzerten Spaß, mit uns zu tanzen, zu singen und zu schwitzen. Das ist ein schönes gemeinsames Gefühl. Blasmusik ist ein Sound, der direkt zu den Menschen ins Publikum geht und der Spaß, den die Leute da unten haben, kommt wieder zu uns auf der Bühne zurück. Blasmusik steht hier für miteinander zu tanzen.

Das neue Album, das am 24. Juli veröffentlicht wird, trägt dazu den passenden Titel „Danzn“.

Dettl: Wir waren vor einigen Jahren auf einer Welttour unterwegs und haben dabei 13 Länder rund um den Globus besucht. Konzerte gab es zum Beispiel in Australien, Neuseeland und Thailand oder auch in San Francisco oder Hawaii. Überall wurden wird nicht als bayerische Blasmusiker, sondern als Tanzband definiert. Diese Definition haben wir dann auch für uns so übernommen.

Wie hat Sie die Welttour inspiriert?

Dettl: Tourneen sind sehr getaktet und ganz anders als ein Urlaub im Ausland. Man ist meist nur ein oder zwei Tage vor Ort. Daher hat das, was wir bei der Tour erfahren haben, erst so ein oder zwei Jahre danach seine Wirkung entfaltet. Man sitzt im Garten und denkt an die Stimmung, die Rhythmen und die Gerüche. Und das wirkt sich dann auch auf unsere Musik aus.

Es gibt aber wie bei „Disco Bauer“ auch heimische Klänge, wie den Sound von Traktoren und Kettensägen.

Dettl: Bei uns ist das immer eine Kombination von heimischen und internationalen Einflüssen. Ich bin gerne ein Klischeebayer und liebe es, wie jetzt gerade, vor dem Biergarten zu sehen und mir gleich ein Radler und einen Wurstsalat zu gönnen. Aber ich brauche es auch, nach draußen zu gehen und mir die Welt anzuschauen. Es ist mir wichtig, andere Kulturen kennenzulernen.

Es finden sich auf dem Album auch ernste Themen wie den Umweltschutz.

Dettl: Natürlich fließt auch das ein, was uns momentan beschäftigt. Das passt zum „Disco Bauern“. Bauern müssen sich um die Natur kümmern und ihren Horizont dafür erweitern. Wir haben einen sehr guten Kontakt zu den Bauern in unserer Heimat und freuen uns, wenn diese ihre Produkte nachhaltig herstellen Es geht ja um unser Essen.

Beim Song „Bach“ hat die Natur ihren besonderen Platz.

Dettl: Das Lied ist im vergangenen Jahr entstanden. Da waren es vor allem, die lauten Leute, die sich bei den Nachrichten durchgesetzt haben. Mir haben da die leisen, differenzierten Töne gefehlt. Und wenn es mir zu laut wird, ziehe ich mich in die Natur zurück. So ist die Idee entstanden, Töne aus der Natur in ein Stück mit einfließen zu lassen.

Das aktuelle ist das fünfte Album. Wie hat sich die Musik verändert?

Dettl: Wir haben nie Vorgaben für unsere Musik gehabt, auch weil wir auf Instrumente wie Gitarren und Keyboards verzichten. Die Blasinstrumente stehen im Vordergrund und daraus entstehen immer wieder neue Rhythmen, die wir ausprobieren. Es geht darum, was mit unseren Instrumenten möglich ist. Deshalb gehen wir oft in die Produktion eines Albums rein und wissen nicht, was dabei herauskommt. Insofern unterscheidet sich unser Produktionsprozess von dem anderer Bands.

Am 13. Dezember ist ein Konzert im Kölner Palladium geplant.

Dettl: Bei solchen Planungen ist man im Moment als Musiker ziemlich machtlos, weil man nicht weiß, wie es weitergehen wird. Uns ist wichtig, dass alle Beteiligten ein schönes, gemeinsames Gefühl haben. Wir wollen nicht, dass Leute mit Angst ins Konzert kommen und andere wiederum bei der Musik und beim Tanzen alle Vorsicht vergessen. Deshalb halten wir uns genau an die Vorgaben der Behörden und werden erst dann wieder in Hallen und Clubs spielen, wenn das wirklich möglich und auch sicher ist.

Welche Beziehung haben Sie zu Köln?

Dettl: Das war von Anfang an unsere zweite Heimat, wo wir auch unsere ersten Konzerte außerhalb von Bayern gespielt haben. Die Menschen sind farbenfroh, auch gegenüber Bayern sehr tolerant und man feiert gerne, das kommt uns sehr entgegen. Wir freuen uns auf das Kölner Konzert und unser Kölner Publikum.