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Karneval: Große Vorfreude auf „dat Spillche“

Karneval : Große Vorfreude auf „dat Spillche“

Wolfgang und Helga Arnold sind beim Reiter-Korps Jan von Werth in dieser Session das Traditionspaar Jan und Griet.

Über seine Tochter Kathrin, die von 2009 bis 2013 Marketenderin bei Jan von Werth war, kommt Wolfgang Arnold vor zehn Jahren zu seinem Reiter-Korps. Es war nicht seine erste Begegnung mit dem Karneval. „Ich war bei den Fidelen Geistern in Niederaußem zehn Jahre lang Präsident und 2000 Prinz im dortigen Dreigestirn. Das war eine schöne Zeit, aber jetzt die Aufgabe, im Traditionspaar zu übernehmen, ist etwas Besonderes. Dreigestirne gibt es viele, Jan und Griet gibt es nur einmal“, sagt Arnold, der als kölscher Jung in Hohenlind geboren wurde und der heute als Pharmareferent arbeitet.

Mit seiner Frau Helga zieht er zurzeit durch die jecken Säle Kölns und der Region. „Der erste Höhepunkt war unsere Proklamation in der Flora im November. Das war sehr schön und ergreifend. Am nächsten Tag kamen die ersten Auftritte und wir haben uns an unsere Aufgabe herangetastet. Mittlerweile geht alles etwas leichter, aber Routine sollte trotzdem nicht aufkommen. Das Herzklopfen vor den Auftritten gehört dazu. Es soll immer wieder prickeln, wenn man in die Säle kommt, sonst funktioniert es nicht. Es ist ein erhebendes Gefühl, wenn man in die Säle marschiert und von den gut gelaunten Leuten mitgerissen wird“, sagt Helga Arnold. Sie arbeitet als selbstständige Kosmetikerin.

Als beide im Vorjahr gefragt wurden, ob sie die Aufgabe als Traditionspaar übernehmen möchten, gab es nur eine kurze Bedenkzeit. „Nach zwei bis drei Tagen war klar, wir machen das. Zugesagt haben wird dann am Rosenmontag 2018. Allerdings wurde dies bis zum Sommerfest noch geheim gehalten“, erinnert sich Wolfgang Arnold, der seit 2010 Mitglied im Feldkorps von Jan von Werth ist.

Jetzt sind er und seine Frau in der Session jedes Wochenende im Einsatz, auch unter der Woche gibt es Auftritte, die mit der zehn- bis 15-köpfigen Equipe absolviert werden. Viele Termine betreffen auch das soziale Engagement des Traditionspaares. Dazu zählt zum Beispiel der Auftritt am Samstag in der Kinderkardiologie der Uniklink.

Jeden Montag wird für das historische Schauspiel geprobt

„Ein besonderes Erlebnis hatten wir in einem Bonner Altenheim. Dort verehrt eine Bewohnerin, die in diesem Jahr 100 wird, den Reitergeneral Jan von Werth. Ihr größter Wunsch war es, das Jan-und-Griet-Paar einmal persönlich zu treffen. Wir haben das zwischen zwei Auftritten mit unserer Equipe möglich gemacht. Die Frau hatte Tränen in den Augen. Überall im Zimmer hingen Bilder von Jan von Werth und die fast 100-jährige Frau konnte direkt noch die ersten Zeilen des Jan-und-Griet-Gedichtes auswendig zitieren. Im Altenheim hatte wohl niemand damit gerechnet, dass wir persönlich vorbeikommen. Die waren sehr beeindruckt“, sagt Wolfgang Arnold.

Für ihn und seine Frau ist jeder Auftritt ein Erlebnis: „Da spielt es keine Rolle, ob wir im großen Gürzenich oder im kleinen Pfarrsaal sind.“ Ein ganz wichtiger Termin wartet noch auf die beiden. An Weiberfastnacht gibt es vor der Severinstorburg „Dat Spillche an d’r Vringspooz“ um Jan und Griet. Dieses wird seit zehn Jahren als eigenes Theaterstück dem Traditionspaar auf den Leib geschneidert. Geprobt wird seit Dezember jeden Montag in der Gaststätte zum Jan unweit des Neumarkts.

Insgesamt gibt es sechs Sprechrollen, dazu kommen viele Statisten, die das mittelalterliche Marktgeschehen auf dem Chlodwigplatz zum Leben erwecken. „Unsere Texte hat unsere Tochter für uns geschrieben. Jedes Jahr gibt es ein komplett neues Stück um den Reitergeneral und die Marktfrau. Vor Weihnachten hatten wir unser erstes Treffen Das historische Schauspiel ist für Jan und Griet noch wichtiger als der Rosenmontag, auf den wir uns natürlich auch sehr freuen, wenn wir mit dem großen Wagen in der Stadt unterwegs sind“, sagt Wolfgang Arnold.

Für das Historische „Spillche“ hat er extra Reitunterricht genommen. „Es sind zwar nur 200 Meter von der Bottmühle bis zur Torburg, die ich reiten muss, aber die will ich gut absolvieren. So habe ich jetzt einmal die Woche Reitunterricht und das Ganze gefällt mir so gut, dass ich überlege, das als neues Hobby auch nach der Session weiter fortzuführen“, erklärt Arnold.

Zum Inhalt des Stücks: Der Knecht Jan vom Kümpchenshof wirbt um die Liebe der Marktfrau Griet. Diese verschmäht seine Liebe, da er ihr nicht fein genug ist. Daraufhin zieht Jan in den 30-jährigen Krieg und kommt nach Jahren als berühmter Feldherr und General Jan von Werth wieder. Griet bereut es, Jan damals abgewiesen zu haben und spricht die historischen Worte: „Jan, wer et hätt jewoss!“ (hochdeutsch: Jan, wer das gewusst hätte). Aber Jan lehnt sie mit den Worten: „Griet, wer et hätt jedonn!“ (hochdeutsch: Griet, wer es getan hat) ab.

Service: „Dat Spillche an d’r Vringspooz“ beginnt um 13.30 Uhr an der Severinstorburg in der Kölner Südstadt. Danach gibt es ab etwa 14.30 Uhr den ersten Umzug im Straßenkarneval vom Chlodwigplatz zum Alter Markt.