Kunstgeschichte Gotteshäuser als Orte der Kunst in der Stadt

Köln · Anders als in den Vorjahren stehen im neuen Jahrbuch des Fördervereins Romanische Kirchen Köln gleich mehrere Gotteshäuser mit ihrer Kunst und ihrer Geschichte im Fokus der Autoren. Dazu gehören insbesondere Bergkristallobjekte aus der islamischen Welt in St. Ursula und St. Severin.

Blick in den Innenraum der Kunststation St. Peter mit der Installation von Lyoudmila Milanova.

Blick in den Innenraum der Kunststation St. Peter mit der Installation von Lyoudmila Milanova.

Foto: step/Eppinger

Zu den von Marcus Pilz vorgestellten Kirchenschätzen zählt beispielsweise ein Gefäß in der Form eines Löwen aus St. Ursula, das bereits im 9. oder 10. Jahrhundert von Meisterhand geschaffen wurde und das wohl abbasidischen Ursprungs ist, also aus dem heutigen Irak stammen könnte. Ursprünglich hatte man angenommen, dass diese Kunstwerke im späten 10. oder frühen 11. Jahrhundert im Reich des fatimidischen Kalifen hergestellt worden sind.

Der Backenzahn und
der Fisch aus Bergkristall

Das stilisierte, liegende Tier, das auf dem Titel des neuen Bandes zu finden ist, trägt einen turmartigen Aufbau, der mit einem Riemen auf seinem Rücken befestigt ist. Weitere orientalische Bergkristallgefäße aus den Schatzkammern der Kölner Kirchen finden sich in St. Severin in Form eines fischförmigen Fläschchens und eines gläsernen Backzahns, die an Ketten hängend an den Balken des sogenannten Salierkreuzes befestigt worden sind.

Zwei Beiträge gibt es im Jahrbuch zur Kunststation St. Peter, wo noch bis zum 7. Januar eine moderne Kunstinstallation von Lyoudmila Milanova zu sehen ist. Ein Beitrag befasst sich mit den Inschriften in der Sakramentskapelle der romanischen Kirche. Die Kapelle selbst geht auf eine Stiftung von Konstantin von Lyskirchen im Jahr 1512 zurück. Auf mehreren Ausstattungsgegenständen wie beim Altar, einem Taufbecken oder den ursprünglichen Kapellenfenstern finden sich dort besondere Inschriften. Das gilt auch für die beiden dort aufbewahrten Reliquienschreine.

Judenfeindlichkeit findet
sich in Deckengemälden

Ein anderer Beitrag blickt auf den Bildhauer Hans Karl Burgeff (1888-1967), zu dessen Werken eine Gedenktafel an St. Gereon für den Pfarrer Robert Grosche zählt, der bis 1967 in St. Peter wirkte und der zu den prominentesten Kölner Theologen gehörte. Burgeff schuf zudem das Nordportal von St. Peter mit der Darstellung des Sündenfalls.

Thematisiert werden in der 37. Ausgabe des Jahrbuchs auch die Gewölbemalereien der Nikolauskapelle von St. Maria Lyskirchen, die in zwei Szenen eine mittelalterliche Legende aufgreifen und die von einem subtilen Antisemitismus und einer für diese Zeit typischen Judenfeindlichkeit bestimmt sind. In ihrem Aufsatz arbeitet Expertin Miriam Guth diese Problematik in der Bildsprache im Nikolauszyklus kritisch auf.

Weitere Beiträge beschäftigen sich mit den archäologischen Quellen zur Entstehung von St. Georg auf den Resten der römischen Vorstadt, mit Wandmalereifragmenten in der Krypta von St. Maria im Kapitol sowie mit den Forschungen zu den Kölner Prachthandschriften des 10. und 11. Jahrhunderts.

Förderverein Romanische Kirchen Köln: „Colonia Romanica XXXVII“, Bachem-Verlag, 154 Seiten, 19,95 Euro

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