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Interview: Geschichten vom Letzten an der Bar

Interview : Geschichten vom Letzten an der Bar

Am 29. März kommt H-Blockx-Frontmann Henning Wehland mit seinem neuen Soloalbum in den Club Volta nach Köln. Am 30. März gibt es ein weiteres Konzert im Bollwerk 107 in Moers.

Was für eine Idee steckt hinter dem Titel „Der Letzte an der Bar“?

Henning Wehland: Der Letzte an der Bar erzählt gerne Geschichten, bei denen ich gerne zuhöre, wenn sie echt und ernst gemeint sind. Oft sind auch ganz banale Geschichten, die, wenn sie spannend erzählt werden, ihre Energie und Leidenschaft bekommen. Auf solche Geschichten kann man aber auch in der Bahn oder im Bus treffen. Man muss nur offen sein und den anderen Menschen auf Augenhöhe begegnen. Außerdem ist es wichtig, sich Zeit zu nehmen, um richtig zuhören zu können. Das sind für mich immer spannende Begegnungen und genau darum geht es auch beim neuen Album.

Gibt es Beispiele für solche Geschichten?

Wehland: Ja, vor Kurzem bin ich einem 20-jährigen Libanesen begegnet, der mit seiner Familie über das Mittelmeer geflüchtet ist. Er hat mir fast vier Stunden lang seine Geschichte erzählt. Bewegend war auch die Begegnung mit einem elfjährigen Jungen, der an Krebs erkrankt ist. Das, was er mir erzählt hat, hat mich tief berührt.

Beim aktuellen Album erzählen auch Prominente wie Wolfgang Niedecken oder die Söhne Mannheims ihre Geschichte.

Wehland: Wolfgang kenne ich schon sehr lange. Wir mögen uns sehr gerne, da lag es nahe, ihn seine Geschichte erzählen zu lassen. Das gilt auch für die Söhne Mannheims, mit denen ich lange zusammengearbeitet habe. Alles sind Weggefährden der letzten 20 bis 25 Jahre, die mich bei diesem Album unterstützt haben.

Sie spielen in den ganz großen Hallen genauso wie in den kleinen Clubs. Was reizt Sie als Musiker mehr?

Wehland: Mich reizt es, auf der Bühne zu stehen. Da ist es egal, wie viele Leute zu hören. Auch ein privates Konzert vor drei oder vier Leuten kann eine so große Energie ausstrahlen, wie ein Auftritt von 10.000 Fans. Es geht einfach um die Energie, die entsteht, wenn man seine Musik performt.

Wie politisch sind Ihre neuen Songs?

Wehland: Politik und Musik ist ein großer Spagat. Aber als Musiker hat man immer auch eine gewisse Verantwortung, der Gesellschaft etwas vorzuleben. Man sollte ein Vorbild für das freie Denken sein und zeigen, dass man aus dem Korsett aus gesellschaftlichen Mauern und Politik herauskommen kann. Das haben in den vergangenen 20 Jahren meiner Meinung nach zu wenige Kollegen gezeigt. Aber ich finde, dass man gerade jetzt als Künstler die Chance hat, wieder das zu zeigen, was Freiheit und Kreativität für die Gesellschaft bedeutet. Dabei ist es egal, ob man das mit Musik und Songs oder Büchern und Gedichten tut. Wichtig ist es nur damit anzufangen. In der Musik steckt immer auch ein kleines Stück Politik und Verantwortung.

Worum geht es Ihnen bei Ihren Konzerten?

Wehland: Ich möchte die Menschen mit jedem Ton packen und hoffe, dass jeder Ton verstanden werden kann. Die Energie soll von der Bühne ins Publikum übergehen, das ist mir wichtig.

Welche Beziehung haben Sie zu Köln und dem Rheinland?

Wehland: Ich bin in Bonn geboren und habe so natürlich einen starken Bezug zum Rheinland. Mit den H Blockx habe ich unfassbare Konzerte in Köln erlebt, wie zum Beispiel auf dem Ringfest. Fernsehsender wie der Kölner WDR waren auch wichtig für unsere Karriere. Dazu kommt, dass ich hier Bands noch im kleinen Rahmen erlebt habe wie die Foo Fighters und Nirvana, die später ganz groß geworden sind. Köln ist die Stadt der Musik, auch wenn Berlin vielleicht größer und kultiger ist. Aber in Köln hat musikalisch vieles begonnen, was heute wichtig ist. Für mich ist das in Deutschland der Geburtsort des Rock ‚n‘ Roll.

Service: Rheinland-Termine: 29. März, 20 Uhr, Köln-Mülheim, Club Volta/Carlswerk Victoria, Schanzenstraße 6-20; 30. März, 20 Uhr, Moers, Bollwerk 107. Weitere Infos zu den Konterten finden sich unter: