Interview: „Ella Schön“: Sinnlichkeit mit Reibungspunkten

Interview : „Ella Schön“: Sinnlichkeit mit Reibungspunkten

Julia Richter ist mit der Kölnerin Annette Frier bei zwei neuen Folgen der ZDF-Herzkino-Reihe zu sehen.

Julia Richter spielt eine der beiden Hauptrollen bei der ZDF-Fernsehreihe „Ella Schön“. Wir haben die Schauspielerin beim Pressetag in Köln getroffen.

Mit Ella und Christina begegnen sich zwei besondere Menschen.

Julia Richter: Das Spannende ist, dass beide mit demselben Mann zusammen waren. Christina weiß von Ella, die erfährt es aber erst in Moment, als ihr Mann stirbt. Das Ganze läuft ohne klassische Klischees wie der älteren Ehefrau und der junge Geliebten ab. Beide Frauen sind erwachsen, stehen sich auf Augenhöhe gegenüber und müssen damit klar kommen, dass der geliebte Mann nicht nur eine Frau in seinem Leben hatte. Das bedeutet auch Enttäuschungen und bei Christina ein schlechtes Gewissen. Beide Frauen lernen sich auf einer Ostsee-Insel kennen und erleben gemeinsam immer wieder neue Geschichten.

Wie entwickeln sich die Figuren durch diese Begegnung?

Richter: Bei Ella als Asperger-Autistin ist eine Entwicklung nur bedingt möglich. Das Symptom ist ja unheilbar. Das Zusammenleben der beiden ist natürlich mit Problemen verbunden. Für Ella ist die Insel eine neue Umgebung. Sie lernt Christinas Umfeld kennen und stößt dabei auf Vieles, was sie stört. Christina ist ein echter Freigeist – unkonventionell, emotional und auch chaotisch. Sie hat jetzt drei Kinder, ein Café und eine Asperger-Autistin. Das fordert sie sehr.

Was war der Reiz an dieser Rolle?

Richter: Ella und Christina sind zwei sehr spannende Figuren. Gerade Ella ist als Spielpartnerin sehr untypisch. Als Aspergerin reagiert sie oft ganz anders, als man das von ihr erwarten würde. Da gibt es immer wieder Überraschungen. Das macht den Reiz dieser Konstellation aus. Und diese Beziehung hat eine gewisse Sinnlichkeit, aber auch viele Reibungspunkte.

Gibt es Eigenschaften bei Christina, in denen Sie sich selbst wiedererkennen?

Richter: Das Unkonventionelle und Freigeistige, das sich nicht darum schert, was andere denken, finde ich schon ziemlich cool, auch wenn ich es selbst nicht in dieser Form auslebe. Das Leben mit Kindern hat auch immer eine gewisse Form von Chaos. Ich bin selbst Mutter. Bei meinem Beruf muss ich andererseits auch gut organisieren, sonst funktioniert es nicht.

Wie war das Drehen auf der Ostsee-(Halb)Insel?

Richter: Ich bin ein Mensch, den es sehr ans Meer zieht und der gerne die Wellen hört. Die Natur, die frische Luft und die Strandspaziergänge nach dem Dreh - das ist wunderbar. Ich bin von Fischland/Darß und den Menschen dort sehr angetan.

Welche Beziehung haben Sie zu Köln?

Richter: Ich habe hier sehr schöne Filme wie “Und das ist erst der Anfang“ oder „Der Klügere zieht aus“ gedreht. Auch der eine oder andere Krimi mit mir ist hier entstanden. Bei unserem Beruf hat man oft die Chance, andere Orte und Menschen kennenzulernen. Ich mag Köln, nur die Zugverbindung zwischen Berlin und Köln ist ziemlich lang. Heute musste ich den Flieger nehmen, was ich in Zukunft hoffentlich vermeiden kann.

Service: „Die nackte Wahrheit“, 31. März, 20.15 Uhr; „Sturmgeschwister“, 7. April, 20.15 Uhr, ZDF

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