Karneval : Eine Sitzung bleibt eine Sitzung

Dennis Hille ist seit 2016 der Literat der Prinzen-Garde. Er kümmert sich um das Programm für 14 öffentliche Veranstaltungen des Traditionskorps in der Session.

Etwa zwei Jahre muss er das Programm im Voraus planen. „Da ist es auch wichtig, immer etwas Zeitpuffer einzuberechnen. So planen wir heute einen besonderen Empfang für die Blauen Funken. Im Publikum werden nach der Pause blau-weiße Fähnchen verteilt, im Jubiläumsjahr wird der Aufzug der Blauen Funken wohl etwas länger dauern. Mit so etwas muss man immer rechnen.“

Jede Veranstaltung hat ihre
eigene Dramaturgie

Nicht einfach ist die Situation, wenn zum Beispiel Topredner krank ausfallen. „Da einen adäquaten Ersatz zu bekommen ist sehr schwierig. Die meisten anderen Redner sind komplett durchgebucht. Da muss man sich etwas einfallen lassen. Das Programm von heute Abend haben wir im August 2018 geplant, das ist ein wenig wie ein Blindflug. Aber auf die Topredner und Topbands kann man sich verlassen und diese auch zwei Jahre im Voraus buchen. Mir macht es Spaß, etwas zu gestalten, jede Veranstaltungen von uns hat ihre ganz eigene Dramaturgie“, erklärt der Kölner.

Was die Kölner Musikszene angeht, ist der ausgebildete Veranstaltungskaufmann begeistert: „Mit Kasalla, Cat Ballou und Querbeat hat es da in Köln einen echten Boom für junge Bands gegeben. Davon hat zum Beispiel auch Miljö profitiert, einem Dauergast bei unseren Partys. Aber auch die Bläck Fööss zeigen eine sensationelle Sessionsleistung. Wir sind, was die Mischung angeht, hier in Köln extrem breit und gut aufgestellt.“

Für die einzelnen Veranstaltungen hat der Literat immer den richtigen Mix parat: „In der Regel haben wir immer drei Musikgruppen, drei Redner, eine Tanzgruppe, das Dreigestirn und wenn es eine Pause gibt auch ein weiteres Traditionskorps. Bei den Herrensitzungen setzen wir auf vier Redner und bei den Mädchensitzungen auf vier Bands. Wir wollen eine schöne Sitzung und kein Partyformat, da ist man bei der Prinzen-Garde auch der Tradition verpflichtet. Wir haben tolle Redner und möchten, dass das Publikum diesen auch zuhört. Für mich ist der Sitzungskarneval immer ein bunter Blumenstrauß, den wir unseren Gästen anbieten.“

Der Vater war als Musiker
im Karneval unterwegs

Schon der Vater von Dennis Hille war als Musiker bei den Vajabunde im Karneval unterwegs. „Ich habe in der Jugend eigentlich nur die fünf Tage Straßenkarneval gekannt. Das hat sich bei meiner Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann geändert. Ich habe ein Praktikum bei der Agentur „Alaaaf“ von Horst Müller und Guido Cantz gemacht und so den Karneval ganz anders kennengelernt. Ich konnte Kontakte aufbauen und habe Freunde gefunden“, sagt Hille, der später längere Zeit hauptberuflich für die Künstleragentur tätig ist.

Dazu gehört auch der verstorbene Literat der Prinzen-Garde Josef Lutter sowie der Präsident Dino Massi und der frühere Prinz und heutige Sitzungsleiter Marcus Gottschalk. „Man hat sich überlegt, wie es weitergeht, wenn Jupp aufhört und so wurde ich 2015 gefragt, ob ich es mir vorstellen kann, diesen Job zu übernehmen. Geplant war eigentlich, dass ich Jupp 2016 erstmal bei seiner Arbeit über die Schulter schaue. Dann ist er 2015 plötzlich gestorben und ich wurde ins kalte Wasser geworfen. Ich hatte großen Respekt vor diesem Amt, das Jupp ganz maßgeblich geprägt hat.“

Inzwischen ist Hille in seiner fünften Session als Literat im Einsatz. „Ich wurde bei der Prinzen-Garde unfassbar toll aufgenommen. Diese spielt in meinem Privatleben eine ganz wichtige Rolle. Da geht es nicht nur um die sechs bis acht Wochen in der Session. Das zieht sich durch das gesamte Jahr. Ich bin sehr dankbar, dass man mir mit 28 Jahren diese Chance gegeben hat“, sagt Hille, der nach den Jahren bei Horst Müller inzwischen als Immobilienmakler in der Firma seines Vaters arbeitet.

Den Job als Literat leistet er im Ehrenamt. „Da geht es nicht nur um die Programmgestaltung. Ich unterstütze unseren Pressesprecher zum Beispiel im Bereich Social Media, kümmere mich um die Imagefilme der Prinzen-Garde und unterstütze unseren Kommandanten bei der Organisation der Korpsaufzüge. Zum Glück habe ich bei unserem Familienunternehmen beruflich viele Freiheiten und so die Zeit, die ich für die Prinzen-Garde brauche.

Zum Programm der Prinzen-Garde gehören inzwischen zehn Sitzungen und vier Partys sowie der Generalkorpsappell. Im vergangenen Jahr hatte die Prinzen-Garde mehr als 20.000 Sitzungsgäste. „Bedeutsam sind für uns auch die jungen Formate wie die Jeckmarie-Party in The Grid Bar. Es ist wichtig, junge Leute anzusprechen. Da geht es um die Zukunft des Sitzungskarnevals. Wir versuchen den Leuten so zu zeigen, dass nicht nur der Straßenkarneval schön ist. Man muss sich immer weiterentwickeln und neues anbieten. Bei der Prinzen-Garde haben wir einen guten Zulauf von jungen Leuten, die haben Lust auf uns. Das ist vor allem auch der Verdienst unseres Präsidenten, der uns ermöglicht, bei der Prinzengarde mitzugestalten. Da hat man alle Freiheiten.“