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Geschichte: Ein großes Kölner Vorbild für Zivilcourage – bis heute

Geschichte : Ein großes Kölner Vorbild für Zivilcourage – bis heute

Karl Küpper war einer der besten und bekanntesten Karnevalisten und das weit über die Stadtgrenzen Kölns hinaus. Seine Büttenreden waren in den Sälen legendär. Küpper verstand die Karnevalszeit als Zeit der Kritik und der Meinungsfreiheit.

Damit wurde er zum Vorbild weit über den Karneval hinaus. Trotz brutaler Repressalien und Redeverbots vonseiten des NS-Regimes vertrat der Kölner weiter offen seinen Standpunkt und zeigte damit ein hohes Maß an Zivilcourage. „Der Narr oder Karnevalist ist nicht nur zur Unterhaltung da, er hat auch eine soziale Aufgabe: nämlich der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten und damit Missstände aufzuzeigen. Das hat Küpper gemacht wie kaum ein Zweiter“, sagt Bernhard Conin, Vorsitzender der Freunde und Förderer des Kölnischen Brauchtums.

Vor 50 Jahren ist Küpper gestorben, dessen Wirken in seiner Heimatstadt lange in Vergessenheit geraten war. Erst spät wurde sein Engagement in dunkelster Zeit deutscher Geschichte entsprechend aufgearbeitet und wissenschaftlich gewürdigt. „Auch mit dem nach ihm benannten Platz blieb das Gedenken an ihn aber noch unvollendet. Nun ist mit dem 50. Todestag der gebotene Anlass gekommen, um Karl Küpper angemessen zu würdigen. Dafür gibt es keinen besseren Platz als in diesem altehrwürdigen Festhaus. Hier erinnern wir an Toleranz und Zivilcourage“, erklärt Conin bei der Enthüllung einer Plakette im Foyer des Gürzenichs, wo Küpper in seiner aktiven Zeit als Büttenredner viele Auftritte hatte. 

Der Karl-Küpper-Preis
wird jährlich verliehen

Um das Gedenken nachhaltig zu gestalten, wird es zusätzlich einen jährlichen, mit 10.000 Euro dotierten Karl-Küpper-Preis geben, der, wenn es die Situation in der Corona-Krise zulässt, im November erstmals verliehen werden soll. Initiatoren des Preises waren das Festkomitee und die Freunde und Förderer des Kölnischen Brauchtums. „Auch heute braucht es noch Menschen, die sich öffentlich für den Schutz der Demokratie einsetzen und die sich gegen Rassismus, Antisemitismus und jede Form der Diskriminierung stellen. Diese Menschen und ihr Engagement möchten wir mit der Vergabe des Preises würdigen“, sagt Festkomiteepräsident Christoph Kuckelkorn. Die Auswahl der Preisträger übernimmt eine fünfköpfige Jury. Zu dieser gehören neben Kuckelkorn und Conin auch Oberbürgermeisterin Henriette Reker, der Direktor des NS-Dok, Werner Jung, und ein Vertreter der Familie Küpper. Verliehen wird der Preis von der OB, die die Patenschaft dafür übernommen hat.

„Ein Mensch wie Karl Küpper wäre auch jetzt in unserer Zeit gefragt. Hass und Gewalt gegen geflüchtete Menschen, Juden, Amtsträger oder gegen den gesamten Staat haben in Köln nichts zu suchen. Da bekommen die Kölner ihren ‚Arsch huh‘. Der Preis soll künftig Menschen dazu ermuntern, Karl Küpper nachzueifern und für unsere Demokratie einzutreten. Ich wünsche mir auch jetzt in den Zeiten von Corona mehr Zivilcourage“, erklärt Reker. Demokratie lebe von der Meinungsfreiheit und es brauche auch die Unbequemen, um daran zu erinnern, wie Meinungsfreiheit gelebt werde. „Aber es ist wichtig, dass sich die Teilnehmer jetzt bei Demonstrationen an die Maskenpflicht und die Abstandsregeln halten, um andere Menschen nicht in Gefahr zu bringen.“