Ausstellung: Ein Blick in die eigene Geschichte

Ausstellung : Ein Blick in die eigene Geschichte

Museum Schnütgen zeigt historische Fotografien des Frankfurters Alfred Tritschler.

Im Winter 2019/2020 zeigt das Museum Schnütgen eine Sonderausstellung zu historischen Fotografien bedeutender Kunstwerke seiner Sammlung. Mit dieser Schau wirft das Museum einen Blick zurück in seine eigene Geschichte als Institution und eröffnet zugleich über das heute allgegenwärtige Medium der Fotografie einen neuen Zugang zu seinem Bestand mittelalterlicher Bildwerke.

Wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg beauftragte der damalige kommissarische Leiter und spätere Direktor des Schnütgen-Museums, Hermann Schnitzler, den Frankfurter Fotografen Alfred Tritschler, ausgewählte Skulpturen der Sammlung zu fotografieren. Wohl noch während der kriegsbedingten Auslagerung der Kunstwerke und Jahre vor der Wiedereröffnung des Museums, entstand im Jahr 1948 ein rund 1000 Fotografien umfassendes Konvolut.

Aus dieser Serie haben sich Vintage Prints im Archiv des Museums erhalten. Eine Auswahl von rund 75 der Originalabzüge soll nun, in einem Teil der Ausstellungshalle des Museum Schnütgen, erstmals ausgestellt werden – gemeinsam mit rund 35 der abgelichteten Werke der Holz-, Stein- und Metallplastik.

Subjektiver Blick
und dramatisches Licht

Die historischen Fotografien zeichnen sich nicht nur durch ihre Entstehungsumstände aus. Von typischen dokumentarischen Objektfotografien zur Bestandserfassung einer Sammlung unterscheiden sich diese Aufnahmen Tritschlers, der Mitinhaber des bekannten Frankfurter Ateliers Dr. Paul Wolff & Tritschler war, in Motiv und Intention: Mit subjektivem Blick und dramatischen Lichtsituationen inszenierte der Fotograf „Porträts“ der mittelalterlichen Kunstwerke mit seiner Leica-Kamera und fand dabei einen eigenen künstlerischen Ausdruck für diese Objekte.

Die fotografischen Exponate für die Schau entstammen vorrangig den im Museum erhaltenen Vintage Prints, die im Zuge des Projekts systematisch erschlossen werden. Ergänzt wird dieser erhaltene Teilbestand der Fotokampagne um einige Motive aus dem Nachlass Tritschlers. Der Erhalt aller Negative und vieler Originalabzüge dieser Werkgruppe im Archiv des Ateliers kann als fotohistorischer Glücksfall gelten. Zugleich bilden die Negative eine hochqualitative Basis für die Reproduktionen der Fotografien im begleitenden Katalog, in dem die Aufnahmen nun erstmals publiziert werden.

Mit den ebenfalls ausgestellten Skulpturen aus der Sammlung des Museum Schnütgen geht zudem die interaktive Einladung an die Ausstellungbesucher einher, eigene Eindrücke und Perspektiven auf die mittelalterlichen Kunstwerke in der Ausstellung fotografisch festzuhalten. Die so entstehenden Aufnahmen sollen wiederum während der Ausstellung über einen Social Media-Kanal präsentiert werden.

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