Bühne : Ein Kölner Haus für das Varieté

Das Urania-Theater will sich neu ausrichten. Vom 26. Dezember bis zum 5. Januar ist Denis Klopov mit seinem „Teatro Fantastico“ zu Gast.

In den 80ern kehrte die Kultur zurück – die Schweizer Schauspielerin Claudia Howard gründete dort ihr Urania-Theater und holte 1983 den ersten Theaterpreis nach Köln.

Anfang der 90er übernahm ihre Kollegin Mariele Millowitsch die Leitung des Stadtteiltheaters. Später nutzte das Arkadas-Theater als „Bühne der Kulturen“ das Haus, bevor 2017 Regisseurin Bettina Montazem und der Musiker und Schauspieler Richard Bargel das Haus übernahmen und ihm wieder den alten Namen „Urania-Theater“ gaben.

Der Weg vom Kino über
den Supermarkt zum Theater

Montazem hatte in Bayenthal zuvor ihr kleines „Theater die Baustelle“ mit 50 Plätzen gegründet, das für sie als Basis für bundesweite Tourproduktionen nutzt, die auch im deutschsprachigen Ausland unterwegs sind. Dazu gehören bis heute Musicals wie Sherlock, Musiktheater für Kinder und Sprechtheater mit sozialen Schwerpunkten des Ensemble Phönix, das als Verein auch das Haus in Ehrenfeld betreibt. 50 bis 60 freie Tänzer, Schauspieler und Musiker gehören dazu. Im Urania-Theater sind Musicals genauso zu Hause wie Konzerte und Projekte von freien Gruppen.

Künftig soll der Schwerpunkt klar auf dem Bereich klassisches Varieté liegen. Vom 26. Dezember bis zum 5. Januar ist in diesem Rahmen Denis Klopov mit seinen Teatro Fantastico zu Gast. Geplant sind zunächst weitere Varietéshows rund um Ostern und im Sommer. „Varieté war meine erste Theatererfahrung als Kind und es gibt die Sehnsucht der Menschen nach Handgemachten für die Bühne, das zeigt, was alles dort geleistet werden kann. Und Köln kann ein Haus für das Varieté durchaus gebrauchen“, erklärt Montazem.

Varieté hat in Köln Geschichte. Schon zur Jahrhundertwende gab es dieses Genre in der Domstadt. Bekannt war der Kaiserhof am Ring, wo die kölsche Legende Trude Herr einst ihre Karriere gestartet hatte. In Düsseldorf ist das Varieté mit dem Apollo von Roncalli-Chef Bernhard Paul schon lange etabliert. Auch in Bonn gibt es inzwischen einen entsprechenden Ort für dieses Genre.

„Wir arbeiten gerade schon am Programm für die Zeit rund um Ostern. Es dreht sich um die 20er Jahre und um das Kino, das hier einmal seinen Platz hatte. Es wird eine Schwarz-Weiß-Produktion, die sich im Kino bewegt“, verrät die Theaterchefin.

Denis Klopov, der im Dezember nach Köln kommt, hat seine Ausbildung in der renommierten Moskauer Zirkus Schule absolviert und war mit seiner eigenen Show gerade in China auf Tour. Ins Urania-Theater wird er fünf weitere Artisten mitbringen, dazu kommt ein extra für die Show gegründetes kleines Orchester, um das sich die gesamte Geschichte drehen wird. Ein Dirigent versucht, sein Orchester in den Griff zu bekommen, was ihm gründlich misslingt.

„Wir haben uns in Freiburg getroffen, da saß Bettina im Publikum“, erinnert sich Klopov an die erste Begegnung mit der Kölnerin. Köln kennt er bislang noch nicht: „Da gibt es wohl eine große Kirche, die man besuchen sollte. Davon habe ich gehört.“ Im Mittelpunkt der Show stehe die Musik, die sich ganz unterschiedlich präsentieren und teilweise auch etwas exzentrisch zeigen werde. „Es wird aber auch immer wieder Momente geben, die zum Lächeln anregen werden. Das Teatro Fantasico bezaubert, amüsiert, macht wehmütig und ist anrührend. Es ist wie eine große Seifenblase, in die man einsteigt und die bekannte Welt verlässt“, erklärt Montazem.

Die Idee zum eigenen Programm bekam der Russe bei seinem Engagement bei „Roncalli meets Classic“. „Bernhard Paul ist so quasi zum Gottvater der Show geworden.“ In Deutschland war Klopov schon in Koblenz zu Gast. Seine Show lief aber bereits weltweit. „In China waren wir gerade in vielen Städten und hatten dort bis zu 3000 Zuschauer im Publikum. Die Chinesen lieben die Musik und die Geschichte, die sie erzählt. Das war eine ganz besondere Tour für mich. Jetzt bin ich gespannt auf Köln.“

Im Urania-Theater musste man für das erste klassische Varieté auch Umbauten vornehmen und bei der Technik nachrüsten. „Gerade die Luftnummern waren eine Herausforderung für uns“, berichtet Montazem. Als Ballmädchen wird unter anderen Gigi Herr, die Nichte von Trude Herr, zu Gast sein. Sie wird so die Ballnummer im Varieté unterstützen.

Bekannt wurde die Kölner Künstlerin beim Millowitsch-Theater, bei ihrer Tante Trude und vor allem bei Wally Bockmayer, wo sie 20 Jahre im Scala auf der Bühne stand. „Heute bin ich Rentnerin, stehe aber ab und zu noch mit einer Freundin auf der Bühne“, berichtet Herr.