Ebay-Kleinanzeigen: Verkäuferin niedergestochen - Lange Haft erwartet

Ebay-Kleinanzeigen-Auktion : Mann gibt nach Attacke auf Kölner Mutter sexuelles Motiv zu - Langjährige Haftstrafe gefordert

Ein Kölnerin wollte über Ebay-Kleinanzeigen ein Kinderbett verkaufen. Der angebliche Interessent hatte jedoch andere Dinge im Sinn. Experte raten zur Vorsicht.

Im Prozess gegen einen 59-Jährigen wegen eines Überfalls nach einer Anzeige auf eBay-Kleinanzeigen hat die Staatsanwaltschaft sieben Jahre und neun Monate Gefängnis gefordert. Die Verteidigung plädierte am Montag vor dem Landgericht Köln auf zwei Jahre Haft auf Bewährung.

Der 59-Jährige hatte sich im August 2018 bei einer Frau gemeldet, die ein Kinderbett bei eBay angeboten hatte. Beim Verkaufsgespräch am darauffolgenden Tag in ihrer Wohnung in Köln-Deutz soll der Mann die zweifache Mutter attackiert und mit einem Messer lebensgefährlich verletzt haben. Den Termin habe er mit dem Opfer zuvor telefonisch vereinbart - und die Frau habe ihn dann in ihre Wohnung gelassen. Das Kinderbettchen soll bei seinem Eintreffen auseinandergebaut im Flur gelegen haben. Als die Frau sich zu dem Gestell hinkniete, habe der Mann zugeschlagen und versucht, sie mit einer Strumpfhose zu knebeln.

Zunächst hatte der Angeklagte vor Gericht angegeben, er habe Geld erbeuten wollen. Später räumte er ein sexuelles Motiv ein. Mit einem Urteil wird am Mittwoch gerechnet.

Aus Sicht der Anklage verwickelte er die Frau in einen dramatischen Kampf um Leben und Tod. Mehrfach habe die Frau durch massive Gegenwehr verhindern können, geknebelt oder gefesselt zu werden. Der Deutsche habe sie mit einem Taschenmesser lebensgefährlich verletzt, dennoch sei es ihr gelungen, sich zu lösen und am Fenster nach Hilfe zu rufen. Als es die Frau schließlich schaffte, die Wohnungstür zu öffnen, warteten dort bereits zwei Passanten und ein Nachbar. Der Angreifer sei von den Zeugen schließlich überwältigt worden.

Das Opfer überlebte den Überfall nach einer Notoperation im Krankenhaus. Laut Anklage ist die Frau bis heute traumatisiert von dem Geschehen.

Experten raten zur Vorsicht bei Internetauktionen

Der Fall weckt Ängste, auch bei Unbeteiligten. Denn wer gebrauchte Sachen per Inserat verkauft, sieht sich schnell in der Situation, Fremden die Tür öffnen zu müssen - zumindest, wenn es sich um sperrige Gegenstände handelt, die man nicht so schnell mit an einen neutralen Ort wie ein Café nehmen kann.

Experten mahnen daher Vorsicht und eine gesunden Grundskepsis an. Ein erster Schritt sei etwa, einen Sperrriegel an der Tür anzubringen, erklärt Wolfgang Mengel von der rechtsrheinisch Außenstelle der Opferschutzorganisation Weißer Ring. Dieser ermögliche, die Tür erstmal einen Spalt zu öffnen, um mit der Person vor der Tür zu sprechen und ihre Motivation zu hinterfragen. „Man kann sich zum Beispiel zeigen lassen, ob sie das Geld für den Kauf auch wirklich dabei hat.“

Ein weitere Tipp: Am besten nicht alleine zu Hause sein. „Ich kann nur raten, sich einen guten Bekannten, Verwandten oder Nachbarn dazu zu holen, damit ein Zeuge da ist - oder gegebenenfalls jemand, der schnell Hilfe holen kann“, sagt Mengel.

(dpa)
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