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Corona: „Diese Zeit ist für Kinder eine echte Herausforderung“

Corona : „Diese Zeit ist für Kinder eine echte Herausforderung“

Wie erleben Sie gerade die Situation im zweiten Lockdown?

Robert Voigtsberger: Die Situation, die wir seit dem März 2020 erleben, stellt die Menschen vor nie da gewesene Herausforderungen, und Familien mit Kita- oder Schulkindern auf ganz besondere Weise. Auf der anderen Seite tragen viele Menschen und Institutionen mit ihrem täglichen Einsatz dazu in beeindruckender Art und Weise bei, die Pandemie zu bewältigen. Das macht mir Hoffnung und gibt mir Zuversicht. Wie sich zeigt, ist Köln insgesamt gut aufgestellt, die Arbeit und die Entscheidungen des Krisenstabes haben sich bewährt. 

Was sind jetzt in Ihrem Berufsalltag die größten Herausforderungen?

Voigtsberger: Mein Verantwortungsbereich ist sehr vielfältig und umfasst neben Bildung und Jugend mit den Schulen und Kitas auch außerschulische Angebote und den Sport. Vieles aus diesem Bereich betrifft die Kölnerinnen und Kölner ganz unmittelbar, etwa wenn es um die Betreuung oder die Schulausstattung ihres Kindes, aber auch um ihre Freizeit in den Sportvereinen und auf den Sportanlagen geht. Wie auch derzeit im Krisenmanagement: jeden Tag gilt es, Strukturen zu erhalten und zu sichern. Das war von Anfang an unsere Devise und wir sind damit bisher sehr gut gefahren. 

Kinder und Jugendliche sind von der anhaltenden Corona-Pandemie ganz unmittelbar betroffen.

Voigtsberger: Als Vater von zwei Kindern weiß ich aus eigener Erfahrung, dass diese Zeit gerade auch für Kinder eine echte Herausforderung ist. Sie vermissen ihre Freunde und Bezugspersonen, gewisse Strukturen, wie sie ihnen aus ihrer Kita oder Schule vertraut sind. Daher ist unsere absolute Priorität, die Kinder und Jugendlichen nicht aus den Augen zu verlieren. Mit Blick auf die Bildungsgerechtigkeit muss es Ziel sein, schnellstmöglich wieder zu Präsenzunterricht und Regelbetrieb zurückzukehren, wenn es das Pandemiegeschehen erlaubt. Wichtig ist auch, dass wir außerschulische Angebote wie beispielsweise in den Jugendzentren aufrechterhalten, um die Jugendlichen dort aufzufangen. Im vergangenen Sommer haben wir etwa für Kölner Familien vielfältige und Corona-konforme Ferienangebote geschaffen, um einen Ausgleich zu bieten und nach wochenlangem Homeschooling und Lockdown möglichst vielen ein Gefühl von Ferien zu geben. 

Welche Folgen hat die Pandemie für Kinder und Jugendliche?

Voigtsberger: Sie beeinflusst Kinder und Jugendliche ganz erheblich. Sie verzichten auf unbeschwerte Treffen mit Freunden, auf Kindergeburtstage und Parties, auf Chor- und Bandproben oder das Training im Verein. Das sind erhebliche Einschränkungen im Leben im Besonderen von jungen Menschen, die sich immer mehr an Gleichaltrigen orientieren als an ihren Eltern. Daher müssen wir immer den Infektions- und Gesundheitsschutz mit dem Schutz des Wohls von Kindern und Jugendlichen abwägen. Wo immer es möglich ist, müssen wir Corona-konforme Angebote machen bzw. diese aufrechterhalten. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass nicht alle Kinder in der Stadt die gleichen Voraussetzungen haben. Ihre Wirklichkeit wird bestimmt vom Wohnort, dem Familienleben und den sozialen Rahmenbedingungen. Gerade Kinder, die hier schlechtere Voraussetzungen haben, versuchen wir als Stadt im Auge zu behalten. Das Jugendamt sucht den Kontakt zu Familien in schwierigen Lagen und ist jederzeit ansprechbar. Bildungs- und Chancengerechtigkeit bekommt in dieser Pandemie nochmal eine verstärkte Bedeutung. 

Welche Rolle spielen die digitalen Angebote in der Krisenzeit?

Voigtsberger: Digitale Angebote können nie ein hundertprozentiger Ersatz für den persönlichen Kontakt sein, aber sie können helfen. Bei den Jugendhilfeträgern beispielsweise gab es dazu in Köln spannende und tolle Ansätze. Die Pandemie ist für die Entwicklung solcher Angebote ein Katalysator. Hier sind Projekte entstanden, die auch für die Zeit nach der Pandemie von Bedeutung sein werden. 

Wie sind die Kölner Schulen für die aktuelle digitale Herausforderung aufgestellt?

Voigtsberger: Die Digitalisierung war bereits im Gang, die Pandemie hat aber als Katalysator gewirkt und wir haben das Tempo erhöht. Im März 2020 hatten wir in den Schulen rund 13.500 Endgeräte am Start, jetzt im Januar werden es 37.000 sein. Die Anzahl an Geräten haben wir dann seit Pandemiebeginn verdreifacht. 87 Prozent der Kölner Schulen verfügen über ein flächendeckendes WLAN. 70 der 260 Schulen sind mit gigabyte-fähigem Internet ausgestattet und bieten so dem Schulnetzwerk die erforderliche Bandbreite. Unser Ziel ist es, in diesem Jahr alle Schulen mit flächendeckendem WLAN und gigabyte-fähigem Internet auszustatten. Wir sind hier sehr ambitioniert, auch wenn sowohl der Markt für Geräte als auch die notwendigen Fachbetriebe derzeit stark nachgefragt und daher Mangelware sind. Das gilt auch für die zügige Anschaffung von Endgeräten für die Lehrkräfte. Diesbezüglich müssen wir als Kommunen mit dem Land noch eine gemeinsame Lösung finden, die Finanzierung von Support und Ersatzbeschaffungen für die Zukunft zu regeln. Da gibt es noch sehr viel zu tun. 

Welche Folgen hat die Pandemie für die Sportstadt Köln?

Voigtsberger: Der Sport hat insgesamt unter der Pandemie sehr gelitten. Die Aktiven nicht nur in unseren rund 650 Sportvereinen leiden – uns allen fehlt der sportliche Ausgleich und die dazugehörigen sozialen Kontakte. Auch hier sind die Kinder und Jugendlichen betroffen, denn Bewegung ist für eine gesunde Entwicklung mit entscheidend. Gerade für die Vereine und ihre Mitglieder ist die Situation im Moment sehr schwierig. Da gibt es tiefe Einschnitte – vor allem im Kinder- und Jugendbereich. Um die Strukturen im Kölner Sport zu sichern und zu erhalten haben wir unter anderem den Notfallfonds für den Sport von 300.000 auf 600.000 Euro verdoppelt. Das gilt auch für die Jugendbeihilfe für die Vereine. Wir investieren zusätzlich eine Million Euro, das ist ebenfalls fast eine Verdopplung, denn wir wissen, dass es gut investiertes Geld ist, ganz im Sinne der vielen Vereinsmitglieder.

Auch wenn Profisportler trainieren dürfen, so fehlt doch der „12. Mann“, die Unterstützung der Fans. Und doch stimmen Veranstaltungen wie das Final4 im Handball Ende Dezember und der Sieg der Deutschen Handball-Herren im Länderspiel am 10. Januar gegen Österreich versöhnlich. Und auch für die Lanxess-Arena, unseren verlässlichen Partner für hochrangige Turniere der Hallensportarten, ist es wichtig, dass wenigstens ab und an Sportler dort zu Gast sind und somit die Kontakte zu den Verbänden nicht abreißen.