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Stadtmuseum: Die Metamorphose eines Modehauses

Stadtmuseum : Die Metamorphose eines Modehauses

Noch laufen die Bauarbeiten in den Innenräumen des ehemaligen Modehauses Sauer in der Minoritenstraße auf Hochtouren. Von außen ist die Zukunft des Gebäudes schon deutlich erkennbar – ein großes Transparent weist darauf hin, dass dort das Kölnische Stadtmuseum sein Interim eröffnen wird.

Davor steht noch eine große logistische Herausforderung – der Umzug. Neben den Büros und den Restaurierungswerkstätten wird auch die umfangreiche grafische Sammlung und die Museumsbibliothek vom Zeughaus in das Gebäude gegenüber der Minoritenkirche umziehen. Mit dem Museum für angewandte Kunst und dem Kolumba wird dort ein neues Museumsviertel entstehen.

Ausstellungsfläche im
Interim ist deutlich kleiner

Davor muss der verwinkelte 80er-Jahre-Bau noch für 1,2 Millionen Euro neu und nach den Bedürfnissen eines modernen Museums gestaltet werden. Dabei ist die Ausstellungsfläche im Interim deutlich kleiner. Diese reduziert sich von 2500 Quadratmetern im Zeughaus auf 750 Quadratmeter. Von den insgesamt 350.000 Objekten im Bestand des Museums können dann 550 den Besuchern präsentiert werden. Im alten Gebäude waren das rund 5000. Das bedeutet, dass sich das Stadtmuseum am neuen Ort auch komplett neu erfinden muss.

Statt eine klassisch chronologische Sammlung der Kölner Stadtgeschichte zu präsentieren, werden die Exponate nach Fragestellungen in die Räume verteilt. Das gilt zum Beispiel für die Frage „Was bewegt uns?“. Hier treffen Themen wie Fortbewegung, Migration und „D‘r Zoch kütt“ aufeinander und setzen die gezeigten Objekte in einen neuen, spannenden Dialog. Bei „Worauf haben wir Lust?“ steht ein historisches Schachspiel eines Erzbischofs für das Spielen, der Schädel eines Tanzbärs aus dem Mittelalter für Unterhaltung sowie die schwule und lesbische Seite Kölns für die Sexualität. Bei „Was verbindet uns?“ steht ein Kostüm von Dirk Bach aus dem Dschungelcamp für die Medienstadt. Dazu gesellt sich eine Reliquienbüste für die Wirtschaft und blickt auf den Handel mit Reliquien, der Köln einst reich gemacht hat. Dazu kommen noch der Rhein und die Brücken.

Im Foyer des Museums wird es neben der Kasse und dem Shop einen Open-Space-Bereich für kleine Präsentationen zu aktuellen Themen geben. Hier kann man sich gut die Kooperation mit anderen Institutionen wie zum Beispiel Ford oder der KVB vorstellen, wenn man auf die Zukunft der Mobilität blicken möchte. Dieser Bereich wird frei zugänglich sein und öffnet so das Museum für Stadtgesellschaft und Köln-Besucher. Einen Raum für Sonderausstellungen wird es im Interim dagegen nicht geben.

Direkt im Anschluss hat der Auftaktraum als Orientierungsort in der Kölner Stadtgeschichte seinen Platz. Im Mittelpunkt steht das große Stadtmodell. Dazu kommen bedeutende Exponate aus der Kölner Stadtgeschichte. Bei der Auswahl der Exponate im gesamten Haus greift man auch auf Objekte zurück, die bislang noch nicht zu sehen waren und die aus dem Depot des Museums geholt worden sind. Dazu gehört ein türkisches Plakat des Ford-Streiks genauso wie die Schuhe, mit denen ein Geflüchteter von Syrien nach Deutschland gekommen ist.

Vor den eigentlichen Themenräumen auf den Etagen gibt es einen zentralen Reflektionsraum, als Einstieg in die folgenden Fragestellungen. Dazu wurden Kölner Bürger mit ihren eigenen Geschichten einbezogen, die ihre Antworten auf die Fragen des Museums gegeben haben. Von ihnen stammen auch eigene Exponate wie ein Handy, mit dem eine Frau während ihrer Weltreise Kontakt zur Heimat gehalten hat. Eröffnet werden soll das Interim im zweiten Halbjahr 2022. Davor wird es noch vor Ort Aktionen wie eine kleine Pop-up-Ausstellung im Frühjahr geben.