Interview: Die Eitelkeit der späten Väter

Interview: Die Eitelkeit der späten Väter

Bis zum 27. April steht René Heinersdorff mit dem eigenen Stück „Komplexe Väter“ auf der Bühne des Theaters am Dom.

Worum geht es in dem neuen Stück?

René Heinersdorff: Kurz gesagt geht es um zu alte Männer für zu junge Frauen. Es gibt eine Tochter und zwei Väter. Der eine ist der Erzeuger, der andere ist der Erzieher. Der eine hat sie gezeugt, beim anderen ist sie aufgewachsen. Beide Männer hassen sich und die Tochter hat eine gewisse Familienphobie entwickelt. Deshalb versteckt sie auch zunächst ihren neuen Freund vor der Familie, denn er ist 25 Jahre älter als sie selbst. Als er auftritt, verbrüdern sich die beiden Väter gegen ihn, weil sie ihn für einen Kinderschänder halten. Dabei sind sie selbst noch einmal 25 Jahre älter als er. Da wird die Frage des Umgangs mit dem Alter schnell zu einem großen Problem.

Wie gehen Sie selbst mit dem Alter um?

Heinersdorff: Wenn man an so einem Stück arbeitet, erschreckt man sich mit Mitte 50 schon ein wenig. Man ist ja auch nicht mehr der Jüngste. Das wird einem besonders bewusst, wenn Frauen ins Spiel kommen, vor allem jüngere. Ich selbst merke das Alter nicht so im Spiegel, auch wenn die Haut nicht mehr ganz so glatt ist wie früher. Ich spüre das Alter zum Glück auch nicht körperlich – der Rücken und die Knie sind noch in Ordnung. Aber man merkt es, wenn man mit jungen Frauen zu tun hat. Nicht zuletzt durch Debatten wie „Me too“ wird man da etwas ängstlicher und vorsichtiger.

Sind Sie bei dem Thema Alter auch etwas eitel?

Heinersdorff: Nein, nur manchmal etwas erschreckt. Da bekommen Sätze wie „das Leben geht so schnell herum“, die man früher eher ignoriert hat, eine ganz andere Bedeutung. Man merkt, dies stimmt tatsächlich. Ich werde mit meiner Zeit, die ich habe, auch geiziger und will diese optimieren, was eigentlich auch irgendwie schade ist.

Wie sind Sie selbst als Vater?

Heinersdorff: Ich bin ja eher ein alter Vater. Ich habe vier Kinder und die Jüngste ist erst drei Jahre alt. Der Umgang zwischen Vätern und Kindern ist Thema des Stücks. Da versucht man als Erziehungsbeauftragter, Dinge beim eigenen Kind zu vermeiden, die man in jungen Jahren selbst erfahren hat. Das birgt eine gewisse Komik in sich, denn manche Dinge sind einfach nicht kompatibel. Das birgt natürlich Konfliktstoff. So will die Mutter stets das Beste für ihre Tochter. Doch ganz nach Goethe, wer stets das Beste will, stets das Böse schafft, kann der, der permanent in das Leben der Kinder eingreift, auch mal daneben greifen. In Hamburg kam eine ältere Dame mit etwa Mitte 80 auf mich zu und sagte, das ist genau meine Geschichte. Da habe ich gefragt, und wie alt ist denn ihre Tochter. Da meinte sie, ich bin selbst die Tochter – so alt ist dieses Problem schon.

Welche Rolle übernehmen Sie in dem Stück?

Heinersdorff: Ich bin in unserem Männertrio mit Jochen Busse und Hugo Egon Balder der Youngster, der eigentlich viel zu alt ist für die junge Tochter. So bin ich auch das zu erziehende Objekt.

Und Sie übernehmen die Regie und stehen als Schauspieler auf der Bühne.

Heinersdorff: Das habe ich mir hier erlaubt, da ich erst sehr später auf der Bühne in Erscheinung trete. Die beiden alten Sunny Boys denken ja, es kann nicht schlimmer kommen, und da komme ich als alter Freund der jungen Tochter.

Was macht einen guten Vater aus?

Heinersdorff: Da fällt mir ein Satz von Dorothee Sölle ein: „Gebt Kindern Liebe, dann müsst ihr ihnen keine Manieren beibringen“. Man kommt bei der Erziehung sicher nicht an gewissen Leitlinien vorbei. Aber Kinder machen das nach, was die Eltern vormachen. Und wenn man da die Herzensbildung fördert, geht das andere mit. Das gilt für den Sport genauso wie für das Benehmen oder die Disziplin. Wenn das Herz auf dem rechten Fleck ist, folgt alles andere automatisch.

Welche Beziehung haben Sie als Düsseldorfer zu Köln?

Heinersdorff: Über meine Mutter bin ich seit 30 Jahren an das Theater am Dom gebunden. Und ich bin auch viel in Essen und Bonn. Meine Erfahrung ist, dass der Humor und die Haltung dazu hier sehr kompatibel sind, weil sie sich kaum an den verschiedenen Orten unterscheidet. Das ist in Hamburg oder Stuttgart anders, da gibt es einen anderen Humor. Deshalb ist Köln für mich alles andere als Feindesgebiet. Und von meiner Heimatstadt nach Köln sind es mit dem ICE gerade mal 19 Minuten. Da sind in Berlin Spandau und Charlottenburg als Stadtteile weiter entfernt.

Das Stück sollte ursprünglich zuerst am Theater an der Kö in Düsseldorf laufen?

Heinersdorff: Ja, dort sind die „Komplexen Väter“ die Jubiläumsproduktion des Theaters, das 25 Jahre alt wird. Aber irgendwie hat es sich ergeben, dass wir mit dem Stück zuerst in Hamburg und Berlin waren und jetzt sind wir bis Ende April hier im Kölner Theater am Dom. Von Mitte September bis Mitte November kommt das Stück jetzt nach Düsseldorf.

Service: „Komplexe Väter“ von René Heinersdorff im Theater am Dom mit Jochen Busse, Hugo Egon Balder, René Heinersdorff und Katarina Schmidt, Opern Passagen/Glockengasse, Spielzeit: bis zum 27. April, Regie: René Heinersdorff, Vorstellungen: Di-Fr 20 Uhr, Sa/So: 17 und/oder 20 Uhr, Karten: Theaterkasse, Tel. 0221/2580153, Mo-Fr 10-20, Sa 11-20 Uhr, So: eine Stunde vor Vorstellungsbeginn. Weitere Informationen unter:

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