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Kultur: Designer begeben sich auf die Suche nach der perfekten Form

Kultur : Designer begeben sich auf die Suche nach der perfekten Form

Normalerweise hätte in dieser Woche in Köln die Internationale Möbelmesse in Deutz begonnen. Sie ist auch immer der Treffpunkt der lokalen und der internationalen Designszene. Dazu gehören die Passagen genauso wie eine neue Sonderausstellung im Museum für angewandte Kunst kurz Makk.

In diesem Jahr ist wegen der anhaltenden Pandemie mit ihrer Omikron-Welle vieles anders. Die Messehallen bleiben leer und auch die Passagen können nicht stattfinden. Die einzige Konstante findet sich im Makk. Dort wurde gerade die neue Sonderschau „The Circle – the most iconic shape redisigned“ eröffnet.

Sie widmet sich der perfektesten aller Formen – dem Kreis. Ihm wurden in der Menschheitsgeschichte verschiedene Bedeutungen zugeschrieben. Die Form besteht im Wesentlichen aus Punkten, die den gleichen Abstand zum Mittelpunkt haben, was als Radius bezeichnet wird. Mit seiner gekrümmten Konturlinie ist der Kreis mit keiner anderen bekannten Form zu vergleichen. Er weist keine Ecken auf und ist von daher theoretisch endlos. Er wird verwendet, um die Form der Erde oder das Verständnis von Zeit zu beschreiben. Er kann aber auch symbolisieren, wie die Menschen als Gemeinschaft zusammenkommen, wie sie sich um das Feuer oder um einen Tisch versammeln, um sich auszutauschen oder um zusammenzuarbeiten.

Die Schau ist eine deutsch-niederländische Kooperation

Die Ausstellung im Makk umfasst 18 Projekte von 20 internationalen Designern, die in Deutschland oder den Niederlanden ihre Ausbildung erhalten haben oder die in einem der beiden Länder arbeiten. Entwickelt wurde die Schau von Dutch Invertuals, einem Netzwerk und einer Plattform der internationalen Designszene, die das kreative Denken fördern möchte und die verschiedene Veranstaltungsformate initiiert. Designer aus ganz Europa, die bereits an thematischen Ausstellungen  und Programmen von Dutch Invertuals teilgenommen haben, wurden dazu aufgerufen, sich mit der Frage zu beschäftigen, was der Kreis für sie bedeutet. Durch unkonventionelle Denkansätze erforschen sie, wie diese Form durch Design, Material, Komposition, Produktion und kollaboratives Arbeiten beeinflusst wird. Auch wird untersucht, wofür der Kreis stehen kann, wenn es darum geht, soziale, kulturelle, politische und ökologische Themen anzusprechen.

„Der Austausch mit den Niederlanden entstand bei einem Besuch von mir bei einem Designfestival in Eindhoven. Damals habe ich die dortige Ausstellung ‚The Circle‘ gesehen und bin mit Dutch Invertuals in Kontakt gekommen. Ursprünglich war geplant, die Schau aus den Niederlanden für Köln zu übernehmen. Dann mussten wir sie wegen Corona um ein Jahr verschieben. Die Zeit haben wir genutzt, um eine neue Version von ‚The Circle“ an den Start zu bringen. Dafür wurden die gezeigten Objekte extra für das Makk neu geschaffen“, berichtet Direktorin Petra Hesse über das Projekt, das mit staatlichen Fördermitteln aus den Niederlanden arbeiten kann. Der Austausch zwischen dem Museum, den Ausstellungsmachern und den Designern erfolgte digital. Viele der Ausstellungsstücke wurden erst kurz vor der Eröffnung fertiggestellt.

Mit Leuchten und Bänken, deren Form von Möbius-Streifen inspiriert wurde, bis hin zu Untersuchungen, wie die Fließbandproduktion von Industrieglas als eine Art Choreografie verstanden werden könnte, reichen die Arbeiten von formalen Interpretationen bis zu konzeptionellen Studien, vom Expressiven bis zum Experimentellen. Unter der Leitung von Wendy Plomp, Gründerin von Dutch Invertuals, und in Zusammenarbeit mit Kurator Christoph Brach zeigt die neue Sonderausstellung, die bis zum 24. April zu sehen ist, wie Design als Werkzeug eingesetzt werden kann, das es den Menschen ermöglicht, ihre Welt auf unterschiedliche Weise wahrzunehmen.

Direkt an der Treppe, die zur großen Halle mit der Ausstellung führt, befindet sich „Basin“ vom amerikanischen Designer Carlo Lorenzetti. Das Projekt versteht sich als direkte Antwort auf die Handdesinfektionsgeräte, die in den vergangenen zwei Jahren so allgegenwärtig geworden sind. Obwohl diese für die Gesundheit und Sicherheit unerlässlich sind, wirken sie oft wenig einladend und unansehnlich. Mit seinem freundlich gestalteten Entwurf versucht Lorenzetti diesen Mangel zu beheben.

Das vom französischen Duo Audrey Large und Théophile Blandet entworfene Objekt „Up, Charm, Top, Down, Strange, Bottom“ besteht aus ineinander verschlungenen Elementen, die im Raum schweben und einen kontinuierlichen Strom aus elektrisch geladenem Licht führen. Die verschlungenen Elemente erinnern an die Instabilität und die chemische Bindung der Quark-Flavours.

Direkt daneben befindet sich mit „Circle Bench“ eine Bank, die in ihrer Form etwas an ein Schneckenhaus erinnert. Geschaffen wurde dieses außergewöhnliche Sitzmöbel vom in den Niederlanden ansässigen lettischen Designer Germans Ermics, der sich mit dem Designer-Duo The New Raw zusammengetan hat. Inspiriert vom Phänomen der Unendlichkeit des mathematischen Möbiusbandes schwebte dem Team ein spiralförmiges Objekt vor, das aus recycelten Kunststoffabfällen besteht und das einen kräftigen Farbverlauf aufweist. Am Beginn der spiralförmigen Bank sitzt man außen, am Ende innen – eine Verwandlung, die auch in der Farbgebung sichtbar wird.

Das Projekt „Come Together“ der dänischen Designerin Elly Feldstein entstand aus ihrem Wunsch, die urbanen Straßenlandschaften neu zu gestalten und das Konzept des kollektiven Eigentums zu fördern. Dafür hat sie aus Holzstücken runde Tische montiert, die sich auseinandernehmen und immer wieder neu arrangieren lassen.