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Interview: „Der flotte Spruch liegt mir sehr gut“

Interview : „Der flotte Spruch liegt mir sehr gut“

Vom 30. Oktober bis zum 7. Februar ist das neue Musical „Himmel und Kölle“ in der Volksbühne an der Aachener Straße zu Gast. Das Stück wirft einen so liebevollen wie auch kritischen Blick auf Köln und seine Eigenheiten.

Die Korschenbroicherin Vera Bolten spielt im Musical die Rolle der Moni, die als Haushälterin im Pfarrhaus arbeitet.

Sie sind schon früh zum Gesang und zum Musical gekommen.

Vera Bolten: Ich habe als Kind in Chören gesungen und schon früh Familienfeiern als Bühne genutzt. Da habe ich mich auf einen Stuhl gestellt und Gedichte rezitiert. In unserem Gymnasium in Korschenbroich gab es eine Musical AG, wo alle zwei Jahre ein Stück auf die Bühne gebracht worden ist. Da hatten wir sehr engagierte Lehrer. Die AG gibt es bis heute. Mit 16 wusste ich, dass ich das auch beruflich machen möchte. Ich habe Gesangsunterricht genommen und später meine Ausbildung zur Musicaldarstellerin an der Universität der Künste in Berlin absolviert.

Was reizt Sie am Genre Musical?

Bolten: Das Musical erzählt mit verschiedenen Stilmittel wie Musik, Schauspiel, Gesang und Tanz eine Geschichte. Gerade die Musik ist wichtig, um Gefühle zu transportieren und um diese zu den Herzen der Menschen zu bringen. Ein gutes Beispiel dafür ist das Musical „Das Wunder von Bern“. Da hatten wir viele gerade ältere Zuschauer, die von dem Stück sehr berührt waren, und die sich so an die Zeit, in der die Handlung spielt, wieder erinnert haben. Da hat die Musik Herzen geöffnet.

Gibt es bei Ihnen ein Lieblingsmusical?

Bolten: Lange Zeit war das „Hair“. Das Stück war der Grund, warum ich mich für diesen Beruf entschieden habe. Ich mag rockige Musicals. Wichtig ist mir, dass die Stücke wirklich als Musical geschrieben worden sind und dass nicht nur eine Geschichte um bekannte Songs herum geschrieben wird. Das gilt für „Les Miserables“ genauso wie für „My Fair Lady“. Auch „Hamilton“, dass am Broadway große Erfolge feiert, ist ein perfektes Zusammenspiel von Musik, Gesang und Choreografie, das die Geschichte auf eine neue, höhere Ebene bringt.

Mit „We will rock yo“ waren Sie im Kölner Musical Dome.

Bolten: 2004 haben wir dort die Deutschlandpremiere gefeiert und das groß in der Flora gefeiert. Es gab intensive Begegnungen mit Brian May, der oft vor Ort war. Auch Roger Taylor war da. Das für uns als Darsteller sehr aufregend. Für das Stück bin ich extra von Berlin nach Köln gezogen und stand dort drei Jahre auf der Bühne. Wir haben uns damals wie Rockstars gefühlt und hatten Erlebnisse wie es sie nur in Köln gibt. Einmal stand der komplette Saal und es wurde „Oh, wie ist das schön“ gesungen. Das ist eine Zeit, an die ich besondere Erinnerungen habe. Ich habe in Köln auch meinen Mann kennengelernt und in der Stadt gab es auch den Heiratsantrag. Später bin ich aus familiären Gründen zurück nach Korschenbroich gezogen. Da wohne ich nahe bei meinen Eltern, die sich um meine Kinder kümmern, wenn mein Mann und ich unterwegs sind. Als Musicaldarsteller muss man ja sehr mobil und flexibel sein.

Und jetzt kehren Sie mit einem Musical für Köln wieder zurück?

Bolten: Mit diesem Stück kann ich mich sehr gut identifizieren. Den Autoren bedeutet Köln sehr viel und sie wollten der Stadt mit dem Musical ein Geschenk machen. Da steckt viel Herzblut drin. Ich mag Köln, weil es einfach eine gute Mischung bietet, auch wenn man gerne mal vom großen Dorf spricht. Ich habe in der Südstadt gewohnt, da hat es nicht lange gedauert, bis ich meinen Bäcker und den Gemüsehändler gut kennengelernt habe. In Berlin war das ganz anders. Mir liegt die rheinische Mentalität und die Eigenheiten der Kölner, die gerne belächelt werden, sind mir geläufig. Man kennt das – die Hohenzollernbrücke und ihre Liebesschlösser, den Karneval und die Funken und natürlich auch das Verhältnis von Kölnern und Düsseldorfern. Es gibt im Stück viele Witze und Anspielungen darauf. Ich mag auch die kölsche Sprache und höre gerne Bap und Brings. In meiner Rolle spreche ich Dialekt. Darauf bereite ich mich gerade intensiv vor. Es soll so klingen, wie es der Kölner erwartet.

Was macht das Musical aus?

Bolten: Es ist ein tolles, lustiges Stück mit toller Musik und starken Nummern. Die Autoren nehmen Köln auf den Arm und umarmen es gleichzeitig. Jeder kommt auf seine Kosten, egal, ob er Kölner ist oder von außen kommt.

Sie spielen die Rolle der Moni.

Bolten: Die Moni ist eine richtige, kölsche Haushälterin. Sie geht gerne feiern und hat immer einen flotten Spruch auf den Lippen. Sie arbeitet zwar im Pfarrhaus, aber das mit der Frömmigheit nimmt sie nicht ganz so ernst.

Wie nahe ist die Moni an Ihrer Persönlichkeit?

Bolten: Der flotte Spruch liegt auch mir sehr gut und auch ich kann gut anpacken. Man bringt in so einer Rolle auch immer etwas von sich selbst ein.

Der Pfarrer ist da schon fast das Gegenteil.

Bolten: Er kommt aus Bayern und hätte sich für seine erste Stelle eher ein kleines Dorf in Süddeutschland gewünscht. Jetzt ist er in Köln und da werden alle Klischees genutzt. Hier treffen das katholische Köln und die Lebenswirklichkeit der freiheitsliebenden und ständig feiernden Stadt hart aufeinander.

Die Volksbühne ist als ehemaliges Millowitsch-Theater ein besonderer Ort für das Stück.

Bolten: Ich kenne Millowitsch nur aus dem Fernsehen, meine Eltern haben ihn noch live erlebt. Das war schon eine Größe hier in der Region und hat hier die Theaterlandschaft geprägt. Mit dem Ort verbindet sich auch eine gewisse Erwartungshaltung. Aber wir machen kein kölsches Boulevardtheater, sondern ein Musical über Köln. Es wird auch Kölsch gesprochen, aber der Dialekt steht nicht im Vordergrund. Heute sprechen ja auch nicht mehr alle Kölner Kölsch.

Wo stehen Sie gerade bei den Vorbereitungen?

Bolten: Ich lerne meine Texte und lerne damit auch Kölsch. Ich bin Rheinländerin, aber die Dialekte im Rheinland sind durchaus unterschiedlich. Deshalb habe ich mir auch Experten von der Akademie för kölsche Sproch geholt und arbeite mit viel Ehrgeiz an der Aussprache.

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf Ihr Leben als Musicaldarstellerin aus?

Bolten: Uns wurden mit der Krise die Jobs gekündigt und die staatlichen Hilfen gingen an unserer Lebenswirklichkeit als Künstler vorbei. Mir ist eine große Tour komplett weggebrochen und meinem Mann, der im gleichen Beruf arbeitet, ging es genauso. Ich habe bei einem Hof als Spargelstecherin gearbeitet und fahre mit den Hofbesitzern noch immer auf den Markt, wo ich als Verkäuferin für Obst und Gemüse arbeite. Das ist eine spannende Erfahrung und macht mir richtig Spaß, aber es reicht nicht, um auf Dauer überleben zu können. Irgendwann muss es weitergehen. Die Veranstaltungsbranche war die erste, die aufhören musste, und wir werden wohl die letzten sein, die wieder zurückkehren können. Deshalb freue ich mich jetzt umso mehr auf „Himmel und Kölle“ und hoffe, dass wir auch wirklich starten können und dass die Zuschauer auch zu uns kommen werden.

Karten und weitere Informationen zum Musical gibt es online unter:

www.himmelundkoelle.de