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Gesellschaft: Demokratische Bildung gegen Antisemitismus

Gesellschaft : Demokratische Bildung gegen Antisemitismus

Beim NS-Dok gibt es die neue Fachstelle „[m²] miteineinander mittendrin“. Sie ergänzt die bestehenden Angebote.

„Es war an der Zeit, etwas Konkretes zu tun. Nach den Vorfällen in Halle waren Antworten gefragt. Deshalb haben wir eine Fachstelle für das Thema beantragt, das uns nicht fremd ist. Diese wurde genehmigt und konnte auch mit zwei Mitarbeitern besetzt werden. Insgesamt gab es 90 Bewerbungen“, berichtet der Direktor des NS-Dokumentationszentrums, Werner Jung. Die Stelle sei unbefristet und kein Projekt. „Das Thema wird uns erhalten bleiben. Es ist ein Dauerauftrag für eine demokratische Gesellschaft.“

Die neue Fachstelle trägt den Namen „[m²] miteinander mittendrin. Für Demokratie – gegen Antisemitismus und Rassismus“ und soll das bisherige pädagogische Angebot des NS-Dok und seiner Info- und Bildungsstelle gegen Rechtsextremismus (ibs) ergänzen. Zum Angebot gehören Workshops, die sich an Jugendliche, junge Erwachsene und Multiplikatoren in Schulen, Vereinen und anderen Organisationen richten.

Zwei neue Mitarbeiter für
die Fachstelle im NS-Dok

Besetzt ist die neue Fachstelle mit zwei Mitarbeitern – dem Politikwissenschaftler Patrick Fels und dem Erziehungswissenschaftler und Pädagogen Stefan E. Hößl. Geplant ist eine weitere ebenfalls mit zwei Mitarbeitern besetzte Stelle, die zum einen eine Anlaufstelle für Betroffene einrichten und die zum anderen antisemitische Vorfälle in der Stadt dokumentieren soll.

Das Angebot reicht vom dreistündigen Mitmachworkshop zu den Grundsatzfragen vor Ort in den Kölner Schulen bis zu spezielleren Themen wie Verschwörungstheorien, den auf Israel bezogenen Antisemitismus und den Antisemitismus in den sozialen Medien. Beim erweiterten Basisworkshop wird vor Ort im NS-Dok auch die Dauerausstellung miteinbezogen – ein Angebot, das sich auch an die Schulen in der Region um Köln richtet. Schüler sollen ab der neunten Klasse angesprochen werden.

„Wir möchten Menschen über Antisemitismus in seinen verschiedenen Erscheinungsformen informieren und sie für die Gefahren durch den Antisemitismus sensibilisieren. Unmittelbar damit verbunden ist auch das Thema Rassismus. Es geht darum. Menschen zu bestärken, sich gegen Antisemitismus zu positionieren und sich auf die Seite der Betroffenen zu stellen“, erklärt Fels. Das Angebot reicht von Workshops bis zu weiteren Veranstaltungen wie Vorträgen und soll auch zu einer besseren Vernetzung beitragen.

Mit Interviews, die mit jüdischen Mitbürgern anonym geführt worden sind, will man diese zu Wort kommen lassen und auch ihre Perspektive aufzeigen. „Es geht dabei aber auf keinen Fall um die bloße Reduzierung auf die Opferrolle, sondern um die gesamte Lebensgeschichte mit all ihren Facetten. In jungen Interviewten kommen als Menschen zu Wort“, betont Jung.