Kunst Das Spiel der Künstlerin mit der Zeit

Köln · In ihren Arbeiten verbindet die südkoreanische Künstlerin Yoora Park verschiedene Medien und untersucht deren Schnittstellen. Dazu installiert sie auch Klänge und Geräusche, die mit dem analogen Ausstellungsraum interagieren.

 Zur Ausstellung in der Artothek gehören auch die Reliefs von Holzeseln.

Zur Ausstellung in der Artothek gehören auch die Reliefs von Holzeseln.

Foto: step/Eppinger

In diesem Jahr erhielt Park von der Stadt Köln das Chargesheimer-Stipendium für Medienkunst. Anlässlich dieser Auszeichnung präsentiert sie in der Artothek noch bis zum 23. Dezember ihre aktuellen Arbeiten.

Zentrales Thema der Schau ist Parks Beschäftigung mit der Zeit und der Zeiteinteilung. So finden sich an den Wänden Reliefs von Holzeseln, die an die typisierte Darstellung aus dem Spiel „Pin the tail on the donkey“ erinnern und die von der Künstlerin mit Zeitanzeigern versehen worden sind. So verbindet Park mit dem spielerischen Versuch, den Eselsschwanz an die richtige Stelle am Tier zu pinnen, mit der Schwierigkeit einen bestimmten zeitlichen Punkt, eine bestimmte Sekunde oder den Moment zwischen Vergangenheit und Zukunft, zu markieren.

Ein schwarzes Objekt am Boden, das an ein Guckkastenkino erinnert, zeigt eine Reihe von kurzen Videosequenzen, in denen sich das Tempo der Bewegungen steigert bis zu einem fast erstarrten Zittern. Wie eine Wächterfigur schaut ein altmodisches Uhrenmännchen aus dem kleinen Projektionsraum heraus, einen Spiegel vor dem Bauch, an dem sich früher die Uhr befand.

Ausgehend von der Annahme, dass jeder materielle Körper einen spezifischen Klang in sich trägt, auch wenn man ihn nicht hört oder hören kann, beschäftigt Yoora Park mit dem historischen Grab eines chinesischen Herrschers, dessen Grabbeigabe unter anderem aus einem gigantischen Glockenspiel besteht. Die Glocken wurden nie gespielt. Sie sind dafür gedacht, nur im Jenseits zu erklingen. Analog zu diesem Grab platziert sie auf der Empore im Ausstellungsraum einen ruhenden Baseballschläger mit Zimbeln.

Zu den jetzt gezeigten Arbeiten gehören auch mehrere kleinere Grafiken, in denen wie bei einem Phantom auf eine mystische Art und Weise Strukturen entstehen. Sie sind Spuren digitaler Informationen ohne einen analogen Ursprung und bilden sich durch das wiederholte Reproduzieren mit einem Risograph.

Yoora Park wurde 1991 in der südkoreanischen Stadt Ulsan geboren. Von 2004 bis 2010 besuchte sie die Purcell School of Music in London. Zum Studium kam Park zunächst an die Kunstakademie in Münster und setzte dieses dann in Düsseldorf an der dortigen Kunstakademie fort. Es folgten Ausstellungen unter anderem im Düsseldorfer Museum K21 und in der Kölner Akademie an der Löwengasse.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort