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Corona: „Das Riesenrad wird im Sommer in den Rheinauhafen zurückkehren“

Corona : „Das Riesenrad wird im Sommer in den Rheinauhafen zurückkehren“

Wie erleben Sie gerade die Situation im zweiten Lockdown?

Annette Imhoff: Wir hätten nicht damit gerechnet, dass wir wieder komplett schließen müssen. Im Sommer war alles recht entspannt und wir hatten Zahlen, die zwischen 50 und 60 Prozent des Vorjahres lagen. Das hat sich mit der Rede von Angela Merkel, bei der sie vor den Herbstferien die Menschen aufgefordert hatte, zu Hause zu bleiben, schlagartig geändert. Bei uns haben sich die Zahlen am selben Tag halbiert und sind danach immer weiter gesunken. So wurde mit der Rede über den Lockdown der reale Lockdown bereits eingeläutet. Insofern halte ich die aktuellen Maßnahmen nur für konsequent. Wichtig ist für uns Planungssicherheit auch über den 20. Dezember hinaus. Aufgrund der Entwicklung der Infektionszahlen rechne ich nicht mehr mit einer Öffnung in diesem Jahr – aber es gibt natürlich noch keine Entscheidung dazu. 

Wie fällt die Bilanz des Sommers im Schokoladenmuseum aus?

Imhoff: Nach der Wiedereröffnung im Mai kamen zunächst deutlich weniger Menschen, als wir erwartet haben. Am ersten Tag waren es gerade mal 20. Es hat ein paar Wochen gedauert, bis die Besucherzahlen wieder gestiegen sind. Im Sommer hatten wir bis 1900 Besucher pro Tag – in normalen Zeiten sind das bis zu 3000. Durch die eingeführten Hygienemaßnahmen konnten wir die Coronaregeln jederzeit gut einhalten. Schade war, dass Attraktionen wie der Schokobrunnen und das Tropenhaus coronabedingt nicht zugänglich waren. Bei manchen Dingen haben wir auch improvisiert. So waren Führungen anfangs nicht erlaubt. Deshalb haben wir auf der Bel Etage Einführungsvorträge und eine kleine Verkostung angeboten. Da gibt es viel Platz, um den Abstand einzuhalten. Ein Highlight im Sommer war sicherlich das Riesenrad vor dem Museum. Mit seinen offenen Gondeln absolut coronkonform und dazu sehr nahe an der Innenstadt. Es gab auch viele Veranstaltungen im Riesenrad – ganz neue Formate von der Phil.Cologne, über Comedy bis zu Konzerten und Weinproben. 

Wer ist im Sommer ins Museum gekommen?

Imhoff: Die meisten Menschen sind aus der Region und dem nahen Ausland zu uns gekommen. Darunter waren auch viele Tagesausflüge. Zunächst kamen Gäste aus dem unmittelbaren Umfeld zu uns, ab August konnte man dann auch wieder fremde Sprachen wie Niederländisch, Französisch oder Spanisch hören. Was uns gefehlt hat, waren die Schulklassen, die Reisegruppen und die Touristen mit längeren Anreisen. 

Welche Folgen hat der zweite Lockdown für Ihr Haus?

Imhoff: Der Lockdown bringt große wirtschaftliche Verluste mit sich. Im Vergleich zum Vorjahr werden wir nur etwa ein Drittel der Besucher haben. Das bedeutet, dass uns zwei Drittel der Eintrittsgelder wegfallen. Wir sind bei der Finanzierung komplett auf uns alleine gestellt und bekommen keinerlei Subventionen. Gleichzeitig haben wir die Kosten, die wir nicht so einfach reduzieren können. Wir nehmen jetzt Kurzarbeit in Anspruch und hoffen auf die zugesagten November- und Dezemberhilfen, die natürlich nicht die Verluste des kompletten Jahres ausgleichen können. Es fühlt sich komisch an, wenn man als Unternehmen plötzlich auf staatliche Hilfen angewiesen ist. Aber wir sind natürlich froh, dass es diese gibt. 

Jetzt gerade wäre die Adventszeit wichtig für Sie gewesen.

Imhoff: Ostern, der August und der Dezember sind bei uns die besucherstärksten Zeiten im Museum. Der Hafenweihnachtsmarkt vor dem Museum ist abgesagt, wir hatten gehofft, dass wir im Laufe des Dezembers das „Glühweinschiff“ auf unseren Vorplatz holen und so einen weihnachtlichen Ausschank anbieten können. Auch das Riesenrad ist bis zum 10. Januar verlängert worden, aber ob es in diesem Jahr nochmal fahren wird ist äußerst fragwürdig 

Wie sieht derzeit Ihr beruflicher Alltag aus?

Imhoff: Zu meinem Aufgabenbereich zählt nicht nur das Museum, sondern auch unsere Stiftungen und weitere Unternehmen, die wir betreuen. Insofern mangelt es mir nicht an Arbeit. Dazu kommen neue Ideen wie ein Businessshop, wo wir online für Unternehmen Weihnachtstüten und -pakete mit unseren Schokoladen-Produkten anbieten. Das läuft wirklich gut, ein Unternehmen hat 11.000 Weihnachtstüten für 40 Standorte in Deutschland bestellt. Das Foyer des Museums ist gerade eine riesige Packstraße. Das sind mehrere Lkw-Ladungen. 

Wie sind die Perspektiven für das kommende Jahr?

Imhoff: Es wird auch im kommenden Jahr wegen Corona noch massive Einschränkungen geben. Natürlich stimmt die Tatsache, dass wir bald mehrere Impfstoffe haben, positiv. So besteht die Aussicht, dass sich alles zum zweiten Halbjahr hin entspannen wird. Ich hoffe, dass der Sommer schon besser wird, als dies in diesem Jahr der Fall war. Aber man muss auch mit einberechnen, dass sich das Verhalten der Menschen geändert hat. Insgesamt rechnen wir auch für 2021 mit einem Umsatzrückgang von 30 bis 40 Prozent. Das wird ein weiteres sehr schwieriges Jahr für die gesamte Tourismus-, Freizeit- und Kulturbranche. Deshalb müssen wir auch bei den Investitionen sehr vorsichtig planen. Feststeht aber schon jetzt, dass das Riesenrad im nächsten Sommer wiederkommen wird. 

Inwieweit hat sich das Verhalten der Menschen geändert?

Imhoff: Gerade die älteren Menschen sind deutlich vorsichtiger geworden. So überlegt man sich genau, ob man noch ein Abo für Theater und Konzerthäuser bucht. Selbst meine 19-jährige Tochter hat vor kurzem gesagt, dass sie es sich nicht vorstellen kann, bei einem Konzert wieder dicht gedrängt in der ersten Reihe zu stehen. Dazu kommt noch, dass viele Menschen im Homeoffice arbeiten, für einige wird dies sicher zur Regel werden. Das sorgt für deutlich leerere Innenstädte. Ich bin mir außerdem sicher, dass wir die Maske so schnell nicht mehr loswerden, selbst wenn die Pflicht irgendwann wieder aufgehoben wird. Ich frage mich auch, ob wir wieder Hände schütteln und uns umarmen werden oder ob den Menschen auch in Zukunft mit deutlich mehr Distanz gehen werden, auch wenn man das Virus besser im Griff hat. Andererseits helfen die Hygieneregeln auch gegen andere Infektionskrankheiten wie Erkältungen und Durchfall. So haben diese auch etwas Positives. 

Was macht Ihnen aktuell Sorgen und, was nacht Ihnen Hoffnung?

Imhoff: Sorgen macht mir, dass die Corona-Maßnahmen nicht immer so gut kommuniziert werden, wie das notwendig wäre. Angst machen mir die Gewaltausbrüche, wie jetzt gerade in Berlin. Es besteht die Gefahr, dass die aktuelle Situation unsere Gesellschaft weiter spaltet und wir verlernen, uns konstruktiv auf Lösungen zu verständigen, Kompromisse bedeuten immer, auch auf den anderen zuzugehen. Hoffnung macht mir in erster Linie der Impfstoff. So besteht die Chance, dass wir Ende 2021 eine Situation haben, in der Corona nicht mehr das bestimmende Thema ist.