Interview : „Wir sehen jetzt wieder Licht am Ende des Tunnels“

Melanie Schwartz ist die Geschäftsführerin der Malzmühle. Im Interview spricht sie vor der Wiedereröffnung über die Herausforderungen als Chefin von drei Kölner Brauhäusern und der dazugehörigen Brauerei in der Coronakrise.

Wie erleben Sie Köln in der Krise?

Melanie Schwartz: Die Eindrücke sind sehr gemischt. Den einen Menschen geht es jetzt mit den Lockerungen zu schnell, den anderen zu langsam. Was mich stört, ist die fehlende Verhältnismäßigkeit. Aber viele scheinen ein Bedürfnis nach sozialen Kontakten zu haben, denn die Stadt ist jetzt komplett voll, weil die Leute einfach rauswollen.

Was sind für Sie die größten Herausforderungen als Geschäftsführerin der Malzmühle?

Schwartz: Unser Ziel war es immer, keine Mitarbeiter betriebsbedingt entlassen zu müssen. Jetzt sehen wir mit der Eröffnung heute endlich wieder Licht am Ende des Tunnels. Es war während der Schließung schwer, die Finanzierung sicherzustellen. Für die Coronahilfe sind wir als Unternehmen zu groß und Kredite und Stundungen muss man irgendwann wieder zurückzahlen, was in dieser Zeit auch nicht unproblematisch ist.

Was sind die Folgen für Ihr Unternehmen?

Schwartz: Wir haben mit der Malzmühle, dem Brauhaus Pütz am Rudolfplatz und dem Kölschen Boor am Eigelstein drei Standorte, an denen in diesem Jahr kein Normalbetrieb möglich sein wird. Wir müssen wegen der Vorschriften jetzt die Tische auseinanderrücken und die Zahl der Gäste deutlich reduzieren. Dafür müssen die Kostenstrukturen entsprechend angepasst werden. Unsicher ist auch, wie unsere Gäste die Wiedereröffnung annehmen. Es wird sicher Menschen geben, die sich freuen, wieder ins Brauhaus gehen zu können. Andere werde da aber noch zögern. Die Brauhäuser stehen für das gesellige Beisammensein mit fremden Menschen, das ist in der aktuellen Situation aber nicht möglich und das macht die Situation schwierig.

Mit welchem Konzept gehen Sie an die Wiedereröffnung?

Schwartz: Das gibt uns die Politik mit den entsprechenden Anordnungen vor. Wir haben schon vor Corona mit hohen Anforderungen an die Hygiene gearbeitet. Dazu gehört zum Beispiel auch die Spülmaschine für die Gläser. Durch unsere Brauerei gibt es ein eigenes Labor, mit dem wir selbst Kontrollen durchführen können. Es wird genügend Spender mit Desinfektionsmittel geben und der Köbes wird künftig Schutzmaske tragen. Die Gäste werden zu ihrem Tisch gebracht, einfach dazusetzen geht im Moment nicht. Es muss wohl vorab reserviert werden, um so auch die Daten der Gäste registrieren zu können. An der Tür wird dann jemand stehen, der das kontrolliert. Eventuell kann man auch noch vor Ort reservieren und sich registrieren. Das ist aber mit viel Aufwand verbunden und kann zu Warteschlangen führen.

Welche Folgen hat die Krise für die Brauerei?

Schwartz: Die Nachfrage nach Flaschenbier ist zwar gestiegen, dafür sind die Bereiche Gastronomie und Fassbier auf nahezu Null gesunken. Und das ist für uns ein wichtiger Bereich, mit einem großen Anteil am Umsatz. Schwierig ist zudem, dass wir bei der Bierproduktion drei Wochen Vorlauf haben, weil das Bier die Zeit zur Reife benötigt. Da mussten wir uns fragen, was wir mit dem bereits produzierten Bier machen.

Wie beurteilen Sie die Senkung der Mehrwertsteuer für die Gastronomie?

Schwartz: Diese gilt nur für Speisen und ist auf ein Jahr begrenzt. Und wenn man keinen Umsatz hat, bringt sie nichts. Auch jetzt werden wir nach der Wiedereröffnung damit unsere Defizite nicht ausgleichen können. Das Ganze ist eine nette Geste, die uns aber nicht weiterbringt. Es wäre schön, wenn dies unbefristet verlängert wird.

Was macht Ihnen im Moment Hoffnung?

Schwartz: Hoffnung macht mir, dass die Pläne zur Wiedereröffnung in der Gastronomie deutlich früher gekommen sind, als das ursprünglich erwartet worden war. Jetzt hoffe ich, dass es unsere Gäste auch zu würdigen wissen, was wir an Mehraufwand für sie betreiben, und dass sie nun auch wieder kommen.

Wie verändert Corona die Gesellschaft?

Schwartz: Ich frage, was von der Krise übrigbleiben wird, in drei Monaten, einem halben Jahr oder nach anderthalb Jahren. Es gibt zwei Tendenzen in der Gesellschaft. Jeder guckt nur auf sich und klagt, wie schlecht es ihm geht, und gleichzeitig zeigen sich Menschen solidarisch und stellen sich klatschend auf den Balkon. Ich bin gespannt, welche Seite am Ende überwiegen wird.

Wie gehen Sie privat mit der Bedrohung um?

Schwartz: Ich war die ersten Wochen zu Hause im Homeoffice und bin nur zum Einkaufen oder mit dem Hund raus. In den vergangenen Wochen war ich wieder hier in meinem Büro, weil ich einfach wieder raus und etwas sehen wollte. Beim großen Einkaufen in der Innenstadt bin ich noch zurückhaltend, aber in ein Restaurant würde ich mich jederzeit wieder setzen.