Streetart : Bunt statt Grau am Hansaring

Kölner Graffiti-Künstler verschönern die Aufgänge am stark frequentierten S-Bahnhof in der City.

Es ist eine fröhliche Szene, die die Bahnfahrer erwartet, wenn sie über den östlichen Abgang den S-Bahnsteig am Hansaring verlassen. Da findet sich der Dönerspieß von der Weidengasse genauso wieder wie der Köbes mit seinem Kölschkranz von den Brauhäusern am Eigelstein. Als Kulisse dient dort die mächtige mittelalterliche Torburg, vor der eine Dame mit hochhackigen roten Pumps einen Tiger ausführt. Von der Straße aus ist am Aufgang zum Bahnsteig die Kölner Stadtsilhouette zu erkennen.

Es ist einer von drei Aufgängen, die von der Kölner Künstlergruppe „Goodlack Fassadenkunst“ und ihren Mitgliedern neu und farbenfroh gestaltet wurde. Und das Werk ist noch nicht beendet – auch die Glasscheiben werden am östlichen Aufgang noch mit bunten Folien versehen und die Treppen bekommen dort einen neuen, beleuchteten Handlauf verpasst.

Blick in die Geschichte
des Kölner Eigelsteins

Im Bereich des mittleren Aufgangs mit der Rolltreppe prangt groß der Name „Eygelsteyn“ und erklärt, woher das Veedel seinen Namen hat. Der bezieht sich auf die „Eichelsteine“ als Grabschmuck auf den Friedhöfen. Ein solcher Stein ist genauso wie die Torburg zu sehen. Beim dritten, westlichen Abgang ist der Name Hansaring als aufwendige Kalligraphie zu erkennen.

Alle Aufgänge haben ihre eigene Farbgebung von Blau/Orange über Rot/Grün bis zu Blau/Gelb.Diese wird bald auch auf den durchsichtigen, tonnenförmigen Überdachungen auf dem Bahnsteig zu erkennen sein. Diese werden mit bunten Folien von innen beklebt. Der Schmutz der Dächer, den man nicht mehr entfernen kann, wird integriert und dient der Farbschattierung. Insgesamt, mit der Beleuchtung, den Kunstwerken und weiteren Verschönerungsmaßnahmen, investiert die Bahn 250.000 Euro in den S-Bahn-Hof. „Es geht auch um das Sicherheitsgefühl der Leute, die sich in einer helleren und bunteren Umgebung wohler fühlen als in dunklen und grauen Treppenhäusern. Außerdem zeigt die Erfahrung, das künstlerisch professionell gestaltete Flächen nicht so schnell Platz für illegale Schmierereien bieten“, sagt Bahnhofsmanager Kai Rossmann.

Die Kölner Künstlergruppe war bereits schon bei der Gestaltung der Fußgängertunnel und der Außenmauer am Bahnhof Ehrenfeld am Start. Wofür es von den Bürgen ein sehr positives Feedback gab. Dort wurden die Tunnel von Juli bis September neu und freundlich aufgefrischt. Beim Hansaring ist die Gruppe seit drei Wochen im Einsatz und wird ihr Werk wohl im November beendet haben.

Der Hansaring ist ein Hotspot der Kölner Sprayerszene

Die Planungen für die zu gestaltenden Flächen und für die Beleuchtung hatte ein Karlsruher Ingenieurbüro im Auftrag der Bahn übernommen. Schon vor vier Jahren gab es am S-Bahnhof, der auch ein Hotspot der Kölner Sprayerszene ist, die ersten Verbesserungen bei der Beleuchtung, was jetzt fortgesetzt wird.

Viel Wert legt man bei der Bahn darauf, das Lokalkolorit zu erhalten, in dem man ausführenden Künstler möglichst direkt aus dem Veedel beauftragt. Beim Hansaring waren das das neben dem Künstlerduo „Goodlack“ auch Henning Hüttner und Semor. „Das Schöne bei der Streetart ist, dass sie die Sprache der Straßen spricht und somit jedermann anspricht, nicht nur den auserwählten Kunstkenner“, erklärt John Iven von „Goodlack“. Und Bahnhofsmanager Rossmann ergänzt: „Auch an der Station Hansaring wollen wir nach dem positiven Feedback in Ehrenfeld zeigen, dass die DB Teil des Veedels ist.“

Sowohl „Goodlack Fassadenkunst“ als auch der Kulturverein „Colorrevolution“ nutzen Fassaden in der Stadt Köln und gestalten diese großflächig. Die Grundidee: Wandgemälde verschönern das Aussehen, beleben das internationale Auftreten und inspirieren die Bürger der Stadt. Die DB möchte den Bahnhof Hansaring mit diesem Projekt noch stärker in den Stadtteil integrieren, der für sein kulturelles Angebot und diverse Streetart-Projekte weit über Köln hinaus bekannt ist.

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