Geschichte: Buch-Tipp: Eine Glanzzeit für das „hillige Coellen“

Geschichte : Buch-Tipp: Eine Glanzzeit für das „hillige Coellen“

Ein neuer, gerade im Greven-Verlag erschienener Band zur Stadtgeschichte blickt auf Köln im Spätmittelalter.

Es war eine besondere Zeit, die Köln im Spätmittelalter bestimmte: die Stadt gibt sich im Jahr 1396 eine fortschrittliche Verfassung, die die Beteiligung der Bürger an vielen Entscheidungsprozessen sicherstellte. Die Rheinmetropole war auch ein Zentrum der Kunst - Stefan Lochner malte damals die berühmte Kölner Madonna im Rosenhag und den Altar der Stadtpatrone.

Kölner Kaufleute stehen in Verbindung mit fast allen Teilen Europas. Und Frauen spielen ganz selbstverständlich eine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben Köln – nirgendwo im Reich haben sie so viele Rechte wie hier am Rhein.

Schon vor 600 Jahren war Köln so etwas wie ein Global Player: „Die damals größte deutsche Metropole nahm eine wirtschaftliche Spitzenposition innerhalb der Städtelandschaft ein“, sagt Carl Dietmar, der Autor des vierten Bands zur Geschichte der Stadt Köln. Die überragende Bedeutung könne man daran ablesen, dass „kölnisch“ so ein Qualitätssiegel war wie später „Made in Germany“. „Sogar Salz aus Portugal wurde in deutschen Landen als kölnisches Salz vertrieben“, berichtet der Historiker. Er hat die Aufgabe übernommen, das von Wolfgang Herborn nach seinem Tod 2015 hinterlassene Manuskript zu „Köln im Spätmittelalter“ fertigzustellen.

Das heilige Köln war
eine Stadt der Superlative

Dabei konnten beide Autoren wirklich aus den Vollen schöpfen, denn war die Position der Domstadt international so herausragend wie damals. Egal ob politisch, wirtschaftlich oder kulturell – das „hillige Coellen“ war vor sechs Jahrhunderten eine Stadt der Superlative. Bislang wurde diese Glanzzeit aber noch nie so zusammenhängend beschrieben wie beim jetzt vorliegenden Band. Es ist die erste Gesamtdarstellung überhaupt.

„Köln ist ein weiterer Beleg dafür, dass das Spätmittelalter nicht einseitig als eine Epoche des Niedergangs beurteilt werden darf, wie das lange der Fall war“, ist sich Dietmar nach seiner intensiven Beschäftigung mit dieser Phase der Kölner Stadtgeschichte sicher. Vielmehr sei es eine Zeit der innovativen Entwicklungen und von Veränderungsprozessen gewesen. „Köln war ganz vorne dabei, und deshalb ist gerade dieser Band der Stadtgeschichte bei weitem nicht nur regionalgeschichtlich von Bedeutung, sondern ein wichtiger Beitrag zur Neubewertung des 14. und 15. Jahrhunderts ganz allgemein“, weiß der Autor.

Der Band behandelt viele verschiedene Bereiche der spätmittelalterlichen Großstadt – von der Topografie und Demografie über die verfassungsrechtliche Entwicklung und der wirtschaftlichen Situation bis zur Kirche, dem Schul- und Bildungswesen sowie der Kunst und der Architektur. Zum Werk gehören zahlreiche farbliche Abbildungen sowie einem 1,40 Meter großen herausnehmbaren Stadtpanoroma von Köln im Spätmittelalter. 

Wolfgang Herborn und Carl Dietmar: Köln im Spätmittelalter, Greven-Verlag, 648 Seiten, 60 Euro.