Ausbildung : Betriebe suchen noch Lehrlinge

Wer im Herbst eine Ausbildung starten möchte, kann sich jetzt noch bewerben. Der Markt bietet derzeit noch viele freie Stellen.

Die Handwerkskammer zu Köln und die Industrie- und Handelskammer zu Köln sowie die Agentur für Arbeit Köln ziehen gemeinsam eine Halbjahresbilanz zum Kölner Ausbildungsstellenmarkt 2018/2019. Demnach meldeten sich bei der Agentur für Arbeit Köln im Laufe des ersten Halbjahres geringfügig weniger Bewerber als im Vorjahr. Die Zahl der angebotenen Ausbildungsstellen ist dagegen angestiegen.

3999 gemeldete Bewerber bedeuten ein Minus von 33 Jugendlichen oder 0,8 Prozent gegenüber März 2018. Die Anzahl der Ausbildungsstellen ist hingegen mit 5775 Stellen um 509 oder 9,7 Prozent angestiegen. Damit kamen auf 100 Ausbildungsbewerber 140 Stellen. Das Ausbildungsjahr läuft bis Ende September. Bis dahin müssen noch viele Bewerber und Arbeitgeber zueinander finden. Aktuell suchen noch 2485 junge Menschen einen Ausbildungsplatz - das sind 20 oder 0,8 Prozent weniger als vor einem Jahr. Den Bewerbern stehen noch 3553 freie Ausbildungsstellen gegenüber. Das sind 89 oder 2,4 Prozent weniger als zum gleichen Zeitpunkt in 2018. Auch für die aktuell unversorgten Bewerber ergab sich somit noch eine reinrechnerische Verteilung von 140 Stellen pro 100 Bewerber.

In Verwaltung, Handel und Dienstleistung offene Stellen

Über die Hälfte der Jugendlichen hat noch keine feste Zusage für einen Ausbildungsplatz im Herbst und es sind noch viele Ausbildungsstellen offen. Gerade in der Verwaltung, bei den Versicherungs- und Finanzdienstleistungen, im Büro, Handel und in Informatikberufen werden noch viele Auszubildende gesucht. „Spätestens in den Osterferien sollten Unentschlossene die Zeit nutzen, um sich zu orientieren. Für eine Kurzberatung können die Jugendlichen immer im Berufsinformationszentrum der Agentur für Arbeit auch ohne Termin vorbeikommen“, sagt Johannes Klapper, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit.

Wer mehr Hilfestellung braucht, macht besser einen Termin mit der Berufsberatung. „Als erste Information geben auch unsere Apps und Webseiten Denkanstöße und Hilfe bei der richtigen Ausbildungsplatzsuche. Je breiter und weiter man alle Informationsmöglichkeiten nutzt, desto besser kann man sich entscheiden“, rät der Chef der Arbeitsagentur.

Über 40 Prozent der Bewerber haben einen mittleren Bildungsabschluss. „Natürlich gibt es auch schwächere Schüler. Aber in jedem steckt ein Potential für die Arbeitgeber, dass es zu entdecken gilt. Da, wo Schwächen auszubügeln sind, stehen wir für Arbeitgeber und Jugendlichen mit Angeboten bereit. Von Einstiegsqualifizierung über Assistierte Ausbildung oder Teilzeitberufsausbildung bis hin zu ausbildungsbegleitenden Hilfen bieten wir Lösungen für verschiedene Herausforderungen“, sagt Klapper.

Aus Sicht der Industrie- und Handelskammer zu Köln hat der Ausbildungsmarkt sechs Monate vor dem Start des neuen Ausbildungsjahres schon erfolgreich Fahrt aufgenommen. Wie Christopher Meier, Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung der IHK Köln, berichtet, wurden im ersten Halbjahr des Ausbildungsjahres im Bezirk der IHK Köln bereits über 1500 Ausbildungsverträge in über 160 Ausbildungsberufen registriert. Das sind rund 130 Plätze oder knapp zehn Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. „Angesichts dieser Zahlen kommt schon Freude auf“, sagt der IHK-Geschäftsführer, der auch deshalb optimistisch auf das laufende Jahr blickt, „weil sich die Bewerbungsphase bei den Unternehmen seit einigen Jahren zunehmend ausdehnt. Sie beginnt früher und dauert gleichzeitig länger, sogar bis in den Spätsommer hinein. Es ist also noch viel Bewegung auf dem Ausbildungsmarkt.“

IHK wirbt weiter für
duale Berufsausbildung

Regional betrachtet wurden bislang in Köln 756 neue Verträge abgeschlossen, auch der Rhein-Erft-Kreis verbuchte mit 213 Verträgen Zuwächse, ebenso wie der Oberbergische Kreis mit 314 Verträgen. In Leverkusen und im Rheinisch-Bergischen Kreis wurden mit 121 und 110 neuen Ausbildungsverträgen die Halbjahres-Ergebnisse des Vorjahres bestätigt. „Die Entwicklung freut uns natürlich, aber wir werden uns auf diesem guten Zwischenergebnis nicht ausruhen, sondern weiter bei Jugendlichen und Eltern für die duale Berufsausbildung werben“, betont der IHK-Geschäftsführer.

Denn: „Noch immer bevorzugen Schüler zunächst den Besuch der weiterführenden Schule, ohne sich wirklich im Klaren zu sein, wohin der berufliche Weg eigentlich gehen soll“, beschreibt der IHK-Experte das Problem. „Wer Praxisnähe sucht und früh Verantwortung übernehmen will, ist in der Ausbildung perfekt aufgehoben, besser als auf der Schulbank oder an der Hochschule.“ Parallel dazu intensiviert die IHK ihr Beratungs- und Ausbildungsstellenangebot für Studienabbrecher, die in eine Berufsausbildung umsteigen wollen.

Infos zur Lehrstellenvermittlung und zum Beratungsangebot der IHK Köln gibt es im Internet. Eine gute Gelegenheit, mit Unternehmen ins Gespräch zu kommen, haben Jugendliche am 6. Juni beim Azubi-Speeddating der IHK Köln im Rhein-Energie-Stadion.

Die Handwerksunternehmen in der Region Köln-Bonn konnten 2018 mehr Nachwuchskräfte als im Jahr zuvor gewinnen: Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge stieg um 2,9 Prozent auf 4885, im Kölner Stadtgebiet sogar um 5,7 Prozent auf 1554 neue Ausbildungsverhältnisse. Dieser positiveTrend am Lehrstellenmarkt hat sich in den ersten Monaten von 2019 fortgesetzt, denn die Handwerksunternehmen im Bezirk haben von Oktober 2018 bis Ende März 2019 insgesamt 1078 Ausbildungsverträge neu abgeschlossen - das sind acht Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Eickhoff appelliert an Jugendliche, die in diesem Sommer ihre Schulzeit beenden, sich rechtzeitig um einen Ausbildungsplatz zu bewerben. Dabei leistet die Ausbildungsvermittlung der Handwerkskammer gerne Unterstützung. Sie ist unter Telefon 0221/2022-144 und per E-Mail unter ausbildungsvermittllung@hwkkoeln.de erreichbar. In der Lehrstellenbörse der Handwerkskammer sind derzeit fast 700 freie Ausbildungsplätze aufgeführt, davon 213 in Köln.

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