Geschichte : Besuch in einer geheimen Welt

Am 2. Juni gibt es in Köln den „Tag der Forts“ mit Führungen, Wanderungen und Radtouren zu den preußischen Festungsbauwerken.

Der Besuch der Kölner Festungsanlagen aus der Preußenzeit ist ein wenig wie ein Ausflug in eine geheimnisvolle Welt, die nur wenigen Menschen bekannt und bewusst ist. Denn nicht immer war Köln eine friedliche und bunte Millionenstadt. Anfang des 20. Jahrhunderts war Köln eine bis an die Zähne bewaffnete riesige Festung, die von den Preußen am Rhein errichtet wurde und die glücklicherweise nie zum kriegerischen Einsatz kam.

Der äußere Festungsring mit seinen Forts, Zwischenwerken sowie Infanterie-, Artillerie- und Munitionsräumen erstreckte sich über 42 Kilometer rund am Köln. Dazu kam ein innerer Festungsring mit weiteren Forts wie das gut erhaltene Fort I im Friedenspark in der Südstadt oder der Rosengarten in Nippes. Zu sehen sind heute noch an vielen Stellen der Stadt die Überreste – insgesamt gibt es noch etwa 20, wo ein Blick auf die einstige Kriegsarchitektur geworfen werden kann. Ursprünglich gab es einmal in Köln 180 Festungsbauwerke.

Auch das Geißbockheim des FC war ursprünglich eine Festung

Heute werden die Überreste friedlich genutzt. Auch die Bastei am Rhein und das Geißbockheim des FC basieren auf Teilen der früheren Festungsanlage. Diese wurde von den Besatzungsmächten nach dem Ersten Weltkrieg soweit zerstört, dass sie keine Bedrohung mehr darstellen konnten. Genutzt wurden diese wie beim Geißbockheim zum Beispiel als Umkleiden für Kölner Sportvereine. Später wurde die Anlage mit einem Stockwerk überbaut, wo sich das heutige Restaurant mit seiner Terrasse befindet. Beim „Tag der Forts“ am 2. Juni wird es möglich sein, einen Blick in den Keller der FC-Zentrale zu werfen, wo man an den Gewölben noch die einstige Funktion des Zwischenwerks VI b als Teil einer Festung erkennen kann.

Am „Tag der Forts“, der in diesem Jahr zum 16. Mal stattfindet, gibt es 20 Startpunkte für insgesamt 50 Führungen sowie Wanderungen und Radtouren. Angeboten werden auch Führungen speziell für Familien und für Kinder. Alle Angebote des Instituts für Festungsarchitektur und des Kölner Festungsmuseums sind kostenfrei. Erwartet werden bis zu 3000 Besucher. „Unser Ziel ist es, die Kriegsarchitektur friedlich und waffenfrei zu zeigen und wieder die Aufmerksamkeit für diese Denkmäler, die ein Teil der Kölner Stadtgeschichte sind, zu wecken“, sagt der Vorsitzende des Festungsmuseums, Robert Schwienbacher. Inzwischen gibt es die „Tage der Forts“ auch in anderen Städten wie Ulm, Berlin, Straßburg oder Utrecht.

Im Fort XI gab es eine 70er Jahre Disko und Proberäume

Zu sehen sind viele Anlagen, die sonst für Besucher verschlossen sind, dazu zählt das Fort IX in Westhoven, das nur mit Warnwesten und festem Schuhwerk sowie Taschenlampen betreten werden kann. Das Fort XI in Buchheim wurde lange Zeit unterschiedlich genutzt, so gab es dort Proberäume für Bands oder auch eine 70er Jahre Disko. Inzwischen steht die Anlage leer, man kann bei einem Rundgang aber noch die früheren Funktionen gut erkennen.

Nicht besichtigt werden kann regulär auch die Freiluga an der Belvederestraße in Müngersdorf. Dort wurde das Zwischenwerk V a 1925 in eine Freiluft- und Gartenarbeitsschule verwandelt. Das heutige Festungsmuseum befindet sich im Zwischenwerk VIII b in Marienburg. Dort gibt es am 2. Juni auch Kinderführungen, einen Pfeil- und Bogen-Wettbewerb sowie eine Vorführung von Aufklärungsrobotern des Fraunhofer-Instituts.

Zu den Angeboten zählen die Wanderung „Kriel“, die Relikte der Festungsbauten zwischen dem Geißbockheim und Fort VI in Lindenthal zeigt. Bei der Wanderung „Rodenkirchener Vorfront“ geht es um gesprengte Zwischenfeldbauten, deren Überreste heute noch erkennenbar sind.

Die Wanderung nördliches Rheinufer hat die Bastei als zentrales Gebäude im Fokus. Dazu kommt eine 4,5-stündige Fahrradtour entlang des äußeren Grüngürtels, der auf dem Gebiet der preußischen Festungen unter Konrad Adenauer errichtet wurde.

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