Stadtentwicklung : Ein neues Stadtquartier für Köln

Das Architekturbüro O&O Baukunst Köln plant die Parkstadt Süd auf dem Großmarktgelände.

Das städtische Leben hat seinen Reiz wiedergewonnen. Die urbane Infrastruktur, kulturelle Abwechslung und die allgemein gestiegene Lebensqualität in Städten ziehen die Menschen vom Land zurück in die Ballungsgebiete. Entsprechender Wohnraum entsteht meist in neu geplanten Stadtquartieren.

Welche Faktoren für ein gut funktionierendes Viertel mit starkem und unverwechselbarem Charakter von Wichtigkeit sind, hat das Architekturbüro O&O Baukunst Köln mit seinem gewonnenen Werkstattverfahren für die Kölner Parkstadt Süd vorgelegt.

115 Hektar am südlichen Rand der Kölner Innenstadt wollen mit Leben gefüllt werden. Das Areal um den alten Großmarkt soll in den kommenden 15 Jahren zur Parkstadt Süd werden, einem Quartier mit 3500 Wohnungen und Arbeitsplätzen für 4000 Menschen.

Das Planungsteam aus Landschaftsarchitekten und Mobilitätsplanern rund um den Architekten und Städtebauer Christian Heuchel von O&O Baukunst hat dafür die ursprüngliche Idee von Konrad Adenauer aufgegriffen, den inneren Grüngürtel von der Universität zu Köln bis zum Rhein zu vollenden – das verschafft dem Kölner Süden nicht nur einen ausgewogenen Mix aus Wohnen, Arbeiten und sozialer Infrastruktur, sondern auch einen wichtigen Erholungsraum für die Bürger der Stadt.

Um diese Vision umzusetzen, lenkt Heuchel seinen Blick auf organisch gewachsene Städte mit hoher Lebensqualität: „Historische Städte mit ihrem Gefüge bieten noch immer die besten Resultate der Stadtentwicklung an. Der traditionelle Stadtbaukörper, die Dichte und das ausgewogene Zusammenspiel zwischen Grün und Bebauung geben unschlagbare Beispiele“, so der Architekt und Städtebauer über seine kreative Vorgehensweise.

Menschen haben wieder mehr Sehnsucht nach Stadtleben

Die Befriedigung der Sehnsucht nach Stadtleben erfordert eine hochwertige und lebendige Quartiersentwicklung. Dafür beschäftigt sich das Büro seit Bestehen mit den Themen Städtebau, Stadtbaukunst und innerstädtische Architektur. Vor allem das

Lernen vom Bestehenden sowie die architektonische Erforschung europäischer Städte sind für Heuchel essenziell für neue Projekte.

Dabei liegt sein Fokus auf dem öffentlichen Raum, der maßgeblich die Struktur einer Stadt, aber auch ihre Bewohner prägt. Das Herz der Parkstadt Süd wird dann auch das Marktquartier um die denkmalgeschützte Großmarkthalle werden. Vielfalt und architektonische Abwechslung sind entscheidend für den Gewinn an Lebensqualität. Für Heuchel haben Architekten eine gesellschaftliche und ökologische Verantwortung, vor allem, weil in den letzten Jahrzehnten das Thema vernachlässigt wurde und zu viel belanglose Architektur mit zu wenig Qualitätsanspruch entstanden ist.

Wer wie er die Grammatik und Spielregeln traditioneller, europäischer Stadtarchitektur kennt, kann diese in reale Bauten und in angemessene architektonische Formen umsetzen. Franz-Josef Höing, ehemaliger Baudezernent der Stadt Köln, sagt nicht zuletzt über das Büro: „Es braucht ein starkes Konzept, hinter dem sich alle versammeln können. O&O Baukunst sind Bildhauer, die eine neue Stadtsilhouette inmitten der Stadt schaffen.“

Neben der städtebaulichen Qualität ist für O&O Baukunst auch immer der ortsbezogene Ansatz von Relevanz. Einen Bezug zum architektonischen Kontext oder zur Historie der Stadt findet sich in allen Entwürfen des Büros.

Für das neue Quartier wird eine besondere Farbatmosphäre gewählt. „Paris, London oder Venedig – all diese europäischen Städte haben ihren individuellen, unverwechselbaren Farbklang. Das wollen wir auch für die Parkstadt Süd. Wir haben uns von der Farbpalette spätantiker Öllampen inspirieren lassen, die immer wieder bei Grabungen gefunden werden und im Römisch-Germanischen Museum am Dom ausgestellt sind“, erläutert Heuchel sein Farbkonzept für das Quartier.

Die römische Vergangenheit Kölns ist fester Bestandteil der lokalen Identität und diese Reminiszenz in Farbe auszudrücken stellt eine weitere Besonderheit des städtebaulichen Konzepts des Büros dar. Die Palette dieser „Kölner Farben“ besteht aus den Färbungen auf gebranntem Ton.

Darunter die zarten farbigen Überreste rheinischen Sands, der gelblich bis ins gräulich Weiße changiert sowie ziegelfarbenes Erdrot mit leichten Spuren von Ruß – farbige Zeugen der Modernität und Urbanität der Stadt Köln seit der Antike.

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