Interview: „Aber“ ist ein Glücksverhinderer

Interview: „Aber“ ist ein Glücksverhinderer

Gerade hat Songpoet Roger Stein sein neues Album veröffentlicht. Am 16. November ist er zu Gast im Stollwerck in Köln.

Roger Stein: Wir kennen uns schon sehr lange und sind im Laufe der Jahre Freunde geworden. Wir mögen eine ähnliche Poesie und haben viele gemeinsame Leidenschaften. Nun kann ich ihn bei seiner Tour begleiten, worüber ich mich sehr freue. Ich schaue mir auch sehr gerne seine Konzerte an, weil sie mich inspirieren und ich daraus viel lernen kann. Wenn ich Konstantin zuschaue, entdecke ich immer wieder Dinge, die ich bei mir selbst verbessern kann.

Bei Ihrem neuen Album dreht sich alles um das kleine Wort „aber“.

Stein: Alles was laut, bunt und blinkend ist, hat für mich keine Relevanz. Die kleinen, grauen und unscheinbaren Dinge sind wirklich wichtig. Das gilt auch für kleine Worte wie beispielsweise „aber“, die oft mehr bedeuten als komplexe Satzkonstruktionen. Das „aber“ steht oft unserem Glück im Weg, weil es verhindert, dass wie unsere Träume und Sehnsüchte ausleben. Das wäre man gerne Tauchlehrer auf Lanzarote, aber erst muss das Studium beendet werden. Und so geht das das ganze Leben. Das „aber“ ist wie die Schwerkraft, es zieht alles auf den Boden. Wenn wir das „aber“ aus unserem Leben streichen würden, könnten wir unser Leben wirklich verändern.

Wie arbeiten Sie an den neuen Songs?

Stein: Das ist sehr unterschiedlich. Für einen Song habe ich schon mal zwei Jahre gebraucht. Ein anderes Lied ist an einem Sonntag entstanden und komplett produziert worden. Manchmal flutscht es, manchmal feilt man ewig daran. Gleich ist immer, dass Text und Musik zur selben Zeit entstehen. Liederschreiben ist wie zweihändig Klavier zu spielen. Die eine Hand macht den Text, die andere die Musik. Und manchmal wäre eine dritte Hand auch nicht schlecht.

Sie haben vor kleinem Publikum ihre Karriere begonnen und sich dann kontinuierlich bei den Konzerten ihre Fans erspielt.

Stein: Ja, bei einem der ersten Konzerte hatte ich gerade mal zehn Leute im Publikum. Mir hatte damals der Hit gefehlt, so bin ich ständig getingelt und mache das bis zum heutigen Tag. Wenn man zunächst ein kleines Publikum hat, kann man noch Fehler machen und daraus lernen. Es erfahren dies in den ersten Jahren ja nur wenige Leute. Das ist der ganz normale Weg eines Musikers. Aber vor so wenigen Leuten zu stehen, ist auch eine Herausforderung, da kann man nicht einfach sein Programm runterspielen, sondern muss mit den Leuten interagieren. Man muss sein Publikum mögen und ich freue mich immer, wenn ich bekannte Gesichter im Publikum entdecke. Ich habe ein sehr nettes und gescheites Publikum, das stetig, gemütlich mehr wird.

Gab es auch in Ihrem Leben ein „aber“, dass Folgen hatte?

Stein: Ich bin zunächst von Zürich nach Wien gezogen und von dort weiter nach Berlin. Das waren kulturelle Sprünge und ich musste mir immer wieder eine neue Infrastruktur aufbauen. Das ist als selbstständiger Künstler sehr anstrengend. Da habe ich mich schon gefragt, ob der direkte Weg nach Berlin besser gewesen wäre. Aber ohne die Erfahrung in Wien hätte mir einiges gefehlt, diese Stadt hat mich sehr bereichert. Wien war als Student toll, aber man muss wieder die Kurve kriegen und weiterziehen. Das hat bei mir geklappt. Ich lebe grundsätzlich nicht im Konjunktiv mit hätte und wäre. Ich nehme die Dinge, wie sie sind, und lebe von meiner Sehnsucht, die ein guter Motor für das Leben ist. Deshalb hat das Wort „aber“ in meinem Leben nur eine Randposition. Ich mache das, was ich will, auch wenn es zunächst sinnlos erscheint.

Gibt es dafür ein Beispiel?

Stein: Ja, ich habe einen Lyrikband verfasst – einfach, weil es mir Spaß gemacht hat. Ich hätte nie gedacht, dass die Menschen solche Bücher noch kaufen. Und jetzt erscheint gerade die zweite Auflage. Das hat mich sehr positiv überrascht.

Sie kommen am 16. Dezember ins Kölner Stollwerck in der Südstadt und am 19. Dezember ins Düsseldorfer Takelgarn. Welche Beziehung haben Sie zu der Region hier?

Stein: Eine sehr gute, ich bin immer wieder in Köln und kenne auch das Stollwerck schon gut. Bei den Konzerten sind oft Freunde von mir im Publikum, da entdecke ich meist viele bekannte Gesichter. Köln ist ähnlich wie München eine Stadt, wo man sehr gut in der Region touren kann. Das ist in Berlin anders, da gibt es im Umland kaum Stationen für eine Tour.

Service: Weitere Infos zu den Konzerten von Roger Stein gibt es online unter:

Mehr von Westdeutsche Zeitung