Leverkusen: A 1: Lkw-Fahrern bleibt kein Schlupfloch auf die Autobahn-Brücke

Leverkusen: A 1: Lkw-Fahrern bleibt kein Schlupfloch auf die Autobahn-Brücke

Leverkusen. Die Showveranstaltung mit dem Lkw des Absperrunternehmens wäre gar nicht nötig gewesen: Kurz nachdem der bestellte Lastwagen die Funktionsweise der ersten Lkw-Sperre vor der Leverkusener Rheinbrücke demonstriert hatte, fuhren drei weitere Sattelschlepper in den eigentlich für sie verbotenen Abschnitt — und wurden gestoppt.



Rund 150 Lkws missachten täglich das seit zwei Jahren bestehende Fahrverbot ab einem Gewicht von 3,5 Tonnen. Die insgesamt 4,9 Millionen Euro Sperranlage soll das unterbinden, „um eine Vollsperrung möglichst zu vermeiden“, sagte NRW-Verkehrsminister Michael Groschek bei der Inbetriebnahme.

Der Preis dafür: Für jeden angehaltenen Lkw wird der gesamte Verkehr in Richtung Brücke gestoppt. Ist der Lkw-Fahrer einsichtig und erkennt sofort, wohin er ausweichen soll, ist der Spuk nach 40 Sekunden vorbei. Andernfalls verlängert sich mit der Zeit auch der Rückstau. Die vage Hoffnung ist, dass nach der Anfangsphase auch die letzten Lkw-Fahrer begriffen haben, dass sie nicht mehr auf die Brücke kommen.


Bis zu den Herbstferien sollen auch die drei anderen Schranken in Betrieb sein. Am kritischsten ist die Situation an der Anschlussstelle Köln-Niehl, wo dann die Auffahrt auf die A 1 in Richtung Dortmund nicht mehr möglich ist. Betroffen ist vor allem das Ford-Werk in Köln-Merkenich.

Der Dank Groscheks ging daher vor allem an die Leverkusener Currenta als Betreiberin des Chemparks und an Ford. Denn auch in der Industrie hat man erkannt, dass die Entscheidung alternativlos ist. „Die Risse dürfen maximal 450 Millimeter stark sein. Bei 400 Millimeter sind wir schon“, sagt Gerd Deimel, Sprecher der Initiative Infrastruktur des Verbandes der Chemischen Industrie. Daher sei er auch längst von seiner ursprünglichen Forderung abgerückt, die Brücke bis 7,5 Tonnen befahrbar zu halten. Denn eine Vollsperrung wäre auch für die Unternehmen die größte Katastrophe.

An den Schranken wird zunächst die Fahrbahnbreite verengt. Dann werden die Fahrzeuge gewogen und gescannt. Sind sie zu schwer, springen zwei Ampelanlagen vor und hinter dem Lkw auf Rot und die Schranke senkt sich. Daneben gibt es eine Spur, über die der Lkw abgeleitet wird. Alle Anlagen sind rund um die Uhr besetzt. Die Mitarbeiter sollen aber nur helfend eingreifen. Sind Lkw-Fahrer bockig, muss die Polizei gerufen werden.

Die marode Brücke muss noch bis 2020 halten. Das erst Ende 2015 begonnene Planfeststellungsverfahren für den Neubau soll schon in diesem Herbst mit dem Beschluss abgeschlossen sein — „eine sensationell kurze Zeit“, wie die Kölner Regierungspräsidentin Gisela Walsken frohlockt. Der Landesbetrieb Straßenbau NRW will schon im ersten Halbjahr 2017 in die europaweite Ausschreibung gehen.

Für 2020 ist die Fertigstellung des ersten von zwei nebeneinander geplanten Bauwerken vorgesehen. Es wird schon sechs Fahrstreifen und auch den Schwerverkehr aufnehmen können. Dann müsste eine erste Entspannung der Verkehrssituation eintreten. In den folgenden drei Jahren bis 2023 wird die alte Brücke abgerissen und das zweite Bauwerk errichtet.

Umstritten ist noch der Ausbau zwischen Brücke und Kreuz Leverkusen. In der Stadt fordert man einen (teureren) Tunnel statt einer verbreiterten Stelzenbrücke, wie sie Land und Bund favorisieren.

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