Gastspiel : 50 Jahre Hippie-Musical Hair

Beim Kölner Sommerfestival ist die Kultshow vom 30. Juli bis zum 4. August in einer neuen, englischsprachigen Version in der Philharmonie zu Gast.

Es ist das Jahr 1967 und die bunte Hippie-Jugend im East Village von New York sehnt sich danach, die Welt grundlegend nach ihren Vorstellungen zu verändern. Im Schatten des allgegenwärtigen Vietnam-Krieges protestieren sie gegen alle Autoritäten und praktizieren ihren eigenen Lebensstil. „Make Love, not War“ lautet ihre Devise. Fasziniert von dieser Welt schließt sich der junge Claude begeistert den Hippies und deren neuen Lebensart an. Doch sein Traum droht zu platzen, als er den Einberufungsbescheid der Armee für Vietnam erhält.

„Ich habe Hair vorher nicht gekannt und musste mich erst in diese Gedankenwelt reinfinden. Aber wenn man die Geschichte dahinter sieht, in der es um Krieg und um Aufbegehren der Jugend geht, erkennt man schnell das Parallelen zur heute. Viele Leute, die ich aus meiner Schulzeit kenne, sind Soldaten geworden und in den Krieg gezogen. Sie haben in Afghanistan gekämpft und haben dabei auch Leute getötet. Das hat ihr Leben komplett zerstört“, sagt Jake Quickenden, der in der aktuellen Besetzung die Rolle von Berger übernimmt, der einer der führenden Köpfe der Hippie-Gruppe ist.

Auch heute ziehen noch junge Menschen in sinnlose Kriege

Für ihn ist das Genre Musical eine neue Welt, in der er gerade seine Karriere gestartet hat. Anstatt zur Armee zu gehen, konzentrierte sich Quickenden auf den Sport und war beim Football erfolgreich. „Mein Vater hätte es wohl gerne gesehen, wenn ich Soldat geworden wäre. Aber das war nicht mein Ding“, sagt der Darsteller.

„In den 60er Jahren wurde viel Propaganda für den Vietnam-Krieg gemacht. Er wurde regelrecht glorifiziert. Gekämpft und gestorben wurde da aber für absolut nichts. Ich könnte es mir nicht vorstellen, in den Krieg zu ziehen“, sagt Paul Wilkins, der als Claude sich dem Einberufungsbescheid unterwirft und für sein Land nach Vietnam zieht, wo er den Tod findet. Zu seiner Vorbereitung hat er unter anderem auch Videos aus dem Vietnam-Krieg gesehen.

„Wir hatten nicht viel Zeit dafür. In die Show reinzukommen und dafür zu proben, war für mich eine ziemlich harte Arbeit. Die Show entwickelt sich auch jetzt immer weiter, die Arbeit hört für uns nie auf. Jede Vorstellung ist anders – auch wegen der ständig wechselnden Theater. Es wird auch improvisiert. Außerdem stehen wir mit der Show achtmal in der Woche auf der Bühne, das fordert auch den Körper heraus“, berichtet Wilkins.

Groß ist die Vorfreude auf das Gastspiel in der Philharmonie bei Daisy Wood-Davis, die die Sheila spielt: „Ich war mit der Rocky Horror Show schon im Kölner Musical Dome. Ich liebe Deutschland und kehre gerne nach Köln zurück, wo ich damals sechs Wochen auf der Bühne stand. Toll finde ich dort zum Beispiel die Claudius Therme. Köln ist ein cooler Ort und hat ein Publikum, das gut mitgeht.“

Begeistert sind die Darsteller auch von ihren bunten Hippie-Kostümen: „Die sind sehr leicht und luftig. Außerdem haben sie ein tolles Design und die Haarpracht der Hippies ist großartig. Nur dass wir die gesamte Zeit barfuß auf der Bühne stehen, war anfangs etwas gewöhnungsbedürftig“, sagt Wood-Davis über die Arbeit für das Musical.

Seit einem halben Jahrhundert ist „Hair“ auf den Bühnen der Welt zu sehen. Seine Kulthits sind Songs wie „Let the Sun Shine in“, „Good Morning Starshine“, „Aquarius“ und „Hair“. Vor dem Hintergrund des Vietnam-Krieges haben die Schauspieler James Rado und Gerome Ragni ein Stück Popgeschichte geschrieben. Der Soundtrack und das Stück selbst wurden mit wichtigen Preisen wie den Grammy und dem Tony Award ausgezeichnet. Den letzteren Award gab es gleich zweimal, 1968 und 2009 für das Comeback des Musicals.

Bei der Neuproduktion zum 50-jährigen Bestehen von „Hair“ hat Jonathan O‘Boyle die Regie geführt. Er gilt als Shootingstar unter den jungen Regisseuren. Mit der neuen Show hat er das Musical auch erfolgreich in die Jetztzeit gebracht, wo andere Mächtige wie US-Präsident Donald Trump das Sagen in der Welt haben. Neue Szenen und Dialoge spielen auf Wahlsprüche wie „Make America Great Again“ an und zeigen, wie aktuell die Geschichte des Stücks auch 50 Jahre nach dem Vietnam-Krieg noch immer ist.

Auch heute zeigt die internationale Jugend zum Beispiel bei ihren Freitagsdemonstrationen für den Klimaschutz, dass sie für ihre Träume und ihre Vision auf die Straße gehen und dort für ihre Ziele kämpfen. Und auch heute ziehen weltweit junge Menschen in sinnlose Kriege, wo sie andere Menschen töten oder selbst ihr Leben verlieren.

Bei „Hair“ ist es diese bewegende Geschichte, die im Zusammenspiel mit Tanz und Musik sowie der Faszination der bunten Flower-Power-Bewegung die Zuschauer rund um den Globus begeistert und das seit mittlerweile fünf Jahrzehnten. Das hat dieses Musical zu einer der weltweit erfolgreichsten Shows gemacht.