Klaus Steffenhagen: "Sicherste Millionenstadt als Ziel"

Klaus Steffenhagen: "Sicherste Millionenstadt als Ziel"

Interview: Polizeipräsident Klaus Steffenhagen freut sich über erfolge bei der eindämmung der Kriminalität

Köln. Herr Steffenhagen, wie ist es um das Image der Stadt bestellt?

Welche Rolle kommt der Polizei beim Image einer Stadt wie Köln zu?

Steffenhagen: Sicherheit hat für die Menschen, die in der Stadt leben, einen hohen Stellenwert. Das kann man in keiner Stadt zu hundert Prozent erreichen, und das kann auch die Kölner Polizei nicht. Aber wir haben nach wie vor das Ziel, die sicherste Millionenstadt zu werden, nachdem wir hinter München bundesweit die Nummer zwei sind. Deshalb machen wir in Zusammenarbeit mit der Stadt alles, um mehr Sicherheit zu schaffen. Dazu gibt es einen intensiven Dialog mit unseren Mitarbeitern, die voll hinter diesen Zielen stehen sollen.

Wie beurteilen Sie den aktuellen Status in Sachen Sicherheit?

Steffenhagen: Wir haben in den vergangenen neun Jahren in Köln eine Menge Veränderungen bewirkt. Das gilt für die Organisation genauso wie für den Umgang mit einzelnen Themenfeldern. Wir haben ganz neue Methoden entwickelt, um Kriminalität zu bekämpfen und schwere Unfälle zu vermeiden. Ein Beispiel ist die Straßenkriminalität: Dort ist es uns gelungen, zwischen 2007 und 2009 10 000 Straftaten weniger zu haben. Wir haben als erste deutsche Stadt eine Kooperation mit der Bundespolizei, um gemeinsam Taschendiebstähle zu bekämpfen. Vor einigen Jahren hatten wir noch ein massives Problem mit den Klau-Kids, davon redet heute hier keiner mehr. Einen wichtigen Beitrag haben auch die Bezirksteams geleistet, die wir als erste große deutsche Stadt aufgebaut haben.

Welche Rolle spielen Platzkonzepte wie zum Beispiel für den Neumarkt für das subjektive Sicherheitsempfinden?

Steffenhagen: Die spielen für die Menschen, die dort leben eine große Rolle. Am Neumarkt haben wir aber drei Stellen, die zum Thema Drogen beraten und die diese ausgeben. Da konzentrieren sich natürlich die Drogenabhängigen aus Köln und der näheren Umgebung. Trotzdem haben wir dort das Problem der Kriminalität im Griff. Das Erscheinungsbild des Neumarkts wird natürlich durch die Szene beeinflusst. Darauf haben wir aber keinen Einfluss. Wir können ja nicht als Polizei die Drogenstellen wegnehmen. Wir haben in Köln etwa 10 000 drogenabhängige Menschen, die versorgt werden müssen. Die müssen irgendwo hin und wären sie nicht in der Stadt, hätten wir sie in einem Wohngebiet oder auf Kinderspielplätzen, was viel gefährlicher wäre.

Wie wichtig ist die Präsenz der Polizei zum Beispiel durch eine Reiterstaffel?

Steffenhagen: Die Reiterstaffel wird sicherlich von allen Leuten als Beitrag zur Sicherheit gesehen. Aber ihr objektiver Beitrag zur Verbesserung der Sicherheitslage ist außerordentlich gering. Das liegt auch daran, dass ein Reiter nicht so flexibel ist wie eine Fußstreife oder ein Mountainbike-Fahrer.

Wie ist es mit Blick auf die tragischen Geschehnisse in Duisburg um die Sicherheit bei Großveranstaltungen in Köln bestellt?

Steffenhagen: Solche Veranstaltungen sind, wenn auch mit einem zunehmenden Personalaufwand, sicher durchführbar. Wir haben beim Fußball schon bei der zweiten oder dritten Liga einen verstärkten Einsatz, weil dort Hooligans tätig sind. Da ist die Polizei gefragt und muss beobachten, wie sich die Szene entwickelt. Das gilt aber auch für Großveranstaltungen wie die Loveparade, wo wir die Ermittlungen führen. Dort muss man aus den gemachten Fehlern lernen. In Köln haben wir aber bislang bei solchen Großveranstaltungen noch nie Probleme gehabt. Daher gibt es keinen Anlass die bisherige Einsatzplanung zu verändern.

Gewalt gegen Polizisten ist ein wichtiges Thema.Wie gehen Sie damit um?

Steffenhagen: Von den Kollegen, die draußen arbeiten, hören wir immer wieder, dass die Gewalt ihnen gegenüber zunimmt, dass die Aggression wächst und dass sie durchaus ein gewisses Gefährdungspotenzial für sich sehen. Wir müssen dem mit Ruhe und Gelassenheit begegnen, um eine Eskalation zu vermeiden. Das ist unsere Aufgabe im Rahmen der Aus- und der Fortbildung. Da müssen wir unseren Beamten eine Hilfestellung geben.

Welche Rolle spielt die Courage von Bürgern, wenn es um die Bekämpfung von Kriminalität geht?

Steffenhagen: Wir haben seit vielen Jahren die Kampagne "Hinsehen, Handeln, Hilfe holen" und würden viele Straftaten nicht aufklären, wenn sich die Menschen nicht bei uns melden würden, wenn sie etwas beobachtet haben. Da müssen wir die Menschen weiter sensibilisieren. Wichtig wäre es aber auch, dass die Leute mehr zu ihrer eigenen Sicherheit beitragen, indem sie zum Beispiel ihre Wohnungen besser sichern.

Das Thema Integration wird zurzeit intensiv diskutiert. Was kann die Polizei in Köln dazu beitragen?

Steffenhagen: Wir haben eine Arbeitsgemeinschaft gebildet, die sich damit auseinandersetzt. Da geht es einmal darum, wie wir mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund umgehen. Andererseits bemühen wir uns auch darum, Menschen mit Migrationshintergrund verstärkt in die Polizei zu holen. Das ist alleine schon aufgrund der demografischen Entwicklungen zwingend notwendig. Sie erfahren aber auch vor Ort mehr Akzeptanz. Vorrangig geht es aber bei unserer Arbeit immer um den Sachverhalt und nicht darum, ob jemand einen Migrationshintergrund hat oder nicht.

Wie sieht die Zukunft der Polizei in Köln aus?

Steffenhagen: Blau! Wir geben die grüne Uniform ab und haben bald die blaue. Wir sind mittendrin in der Umstellung und im Frühjahr oder im Sommer wird es dann soweit sein. Wichtig ist für die Polizei, in der Zukunft mehr in Netzwerken zu arbeiten, so wie wir es das jetzt mit der Sicherheitskonferenz tun, wo Richter und Staatsanwälte dazu gehören, aber auch die Stadt vertreten ist. Wir müssen auch in der Zukunft gehen neue Wege, wie jetzt mit dem "Haus des Jugendrechts", wo wir jungen Straftätern gezielt Hilfe anbieten wollen.

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