Kinderkunsttage: Neue Kunst aus alten Sachen

Kinderkunsttage: Neue Kunst aus alten Sachen

33 junge Kreative lassen sich bei den diesjährigen Kinderkunsttagen auf etwas Neues ein.

Burscheid. Konzentriert bearbeitet Lennard seinen Stuhl mit Schmirgelpapier, um ihn später neuzugestalten: „Wenn man das Holz abschmirgelt, kleben die Bilder besser darauf“, sagt der Neunjährige. Als Motiv für seinen Stuhl hat er sich Jachten ausgesucht, die er vorher aus Zeitschriften herausgeschnitten hat. „Ich segle selbst im Katamaran, aber so eine Jacht wäre auch nicht schlecht“, sagt der Schüler.

Lennard ist einer von 33 Nachwuchskünstlern, die unter dem Motto „Altes neu entdecken“ bei den Kinderkunsttagen im Evangelischen Gemeindezentrum in Hilgen-Dünweg ihre Werke schaffen.

Dazu gehören auch die Regenmäntel und Röcke aus alten Plastiktüten, die am Tag zuvor von den jungen Künstlern „geschneidert“ wurden. Laura (12) und Olivia (11) haben komplette Kleider entworfen. „Sachen wie alte Tüten bewahre ich auf, man kann das immer wieder brauchen“, sagt Laura. Anziehen würde sie das bunte Kleid allerdings eher an Karneval.

Fleißig waren auch Finn und Melissa, die Regenjacken entworfen haben. „Das macht richtig Spaß“, sagt der Achtjährige, bei dem es als Zugabe sogar einen coolen Handschuh aus Plastik gibt. „Den würde ich auch in der Schule tragen, den Rest eher nicht“, verrät Finn.

Ein Kunstwerk aus den Scherben eines Spiegels hat Henry am Vortag gebastelt, der gerade dabei ist, die Motive für seinen persönlichen Stuhl auszusuchen. „Die Bilder hängen wir zu Hause auf. Ich verschenke die Sachen aber auch an Oma oder Opa“, erklärt der Achtjährige.

Geschenke entstehen nebenan in der Schmuckwerkstatt, wo Jan Felix an einer Kette für seine Schwester arbeitet. „Ich habe bunte Perlen auf ein Band aufgefädelt, jetzt kommen noch kleine Muscheln dazu und als Anhänger dann ein dickes Herz“, berichtet der 13-Jährige.

Ein paar Plätze weiter entdeckt Lucy gerade, was man mit kleinen Alu-Backförmchen für Muffins alles machen kann. Diese kombiniert sie bei einer Kette mit Federn. „Die bekommt meine Cousine zum Geburtstag“, sagt die Neunjährige, bevor sie sich wieder auf ihre Arbeit konzentriert.

Bei Jaspar und Noel steht eine Leinwand im Mittelpunkt ihres Schaffens. Jaspar hat dort gerade mit Acrylfarben den roten Hintergrund gemalt, auf dem später ein Fantasiemännchen seinen Platz finden wird. Dieses wird noch mit Stoffstücken und Wackelaugen versehen, ganz so wie es die Kölner Künstlerin Ulla Feith macht, die die Kinder am Morgen kennengelernt haben. „Die eigenen Bilder hänge ich aber nur bei mir auf, wenn sie mir auch gefallen“, zeigt sich der Zwölfjährige selbstkritisch.

Bereits viel Erfahrung mit der Malerei hat Noel gesammelt, der seine Bilder auch auf Kunsthandwerker-Märkten verkauft. „Zu Hause bevorzuge ich eher größere Leinwände. Allerdings macht mir das Zeichnen mit Blei noch mehr Spaß“, sagt der Elfjährige, dessen Lieblingsmotive Tiere sind.

Organisatorin Anke Theron-Schirmer ist bei der Ferienaktion nicht so sehr das Ergebnis wichtig, das die Kinderkunsttage-Teilnehmer abliefern. „Es ist wichtiger, dass sich die Kinder trauen, sich hinzustellen, um Kunst zu schaffen, und dabei auch noch Spaß haben. Außerdem geht es um das Miteinander hier vor Ort.“

Vernissage: Vorgestellt werden die bei den Kunsttagen entstandenen Werke von den jungen Künstlern bei einer großen Vernissage am Samstag im Evangelischen Gemeindezentrum in Hilgen-Dünweg, Dünweg 11. Diese beginnt um 18 Uhr.

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